D&D-Tip: Persönliche BH-Beratung in Hannover

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Samstag, 2. September 2017

We proudly present: Pique Lingerie aus Berlin!


Und wenn ihr denkt, hier geht nix mehr, kommt plötzlich ein neuer Artikel daher!

Was, fragt ihr euch sicherlich, hat mich nach langer Zeit der Funkstille veranlasst, hier wieder einen Beitrag zu verfassen? Es ist eine junge Berliner Marke, die auf interessante Weise die Themen Big Cups, große Größen, Körperakzeptanz und BDSM vereint. Ich wünsche ihr darum nicht nur maximale Aufmerksamkeit, sondern denke, dass es auch für euch nicht uninteressant sein könnte, Pique Lingerie zu kennen!

In den letzten Wochen ist auf anderen Blogs bereits viel über Pique geschrieben worden. Ich gebe euch heute also nur ein paar Eckdaten und verlinke euch dann ein paar der anderen Artikel zum Weiterlesen. Die Idee zu Pique hatte Gründerin Heidi 2015. Damals nahm sie Kontakt zu einigen Lingerieblogger_innen, darunter auch mir, auf, um sich ein Netzwerk aufzubauen. Praktischerweise wohnen Heidi und ich beide in Berlin, so wurde nicht lang gefackelt, sondern zusammen ein Café aufgesucht - und der Rest ist Geschichte. Oder besser gesagt, der Beginn einer schönen Freundschaft :) Ich finde es ziemlich spannend, beim Beginn einer Marke von Anfang an dabei zu sein und hinter die Kulissen zu schauen!

(c) Pique Lingerie

Dabei habe ich auch schon den einen oder anderen Prototypen gesehen, ein wenig meinen Senf dazu gegeben, aber auch ohne den bin ich von der Passform des "Sybari"-BHs beeindruckt. Er sitzt auch an weichem Brustgewebe toll und nichts fällt raus. Das könnt ihr euch mit eigenen Augen in Heidis Kickstarter-Video ansehen, indem sie selbst auch ihre Motivation und Inspiration für Pique Lingerie beschreibt:


Die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis übermorgen, 04.09.2017. Heidi hat ihr Finanzierungsziel zwar schon erreicht (yeah!), doch je mehr jetzt noch zusammenkommt, desto mehr Größen kann sie anbieten, denn sie will vor allem die großen Unterbrustweiten und Größen noch ausbauen. Bislang reicht das Spektrum von 70 F-J, 75-85 E-J, 90-95 E-G und bei den Höschen von 36-48.

Wenn ihr noch mehr über Heidi und Pique Lingerie erfahren möchte, schaut mal hier rein:
Ich wünsche Heidi und Pique Lingerie einfach nur viel Erfolg und freue mich schon auf mein "Sybari"-Set, für das ich natürlich selbst auch 'gepledget' habe :D Damit ich bald auch solche Rückenausschnitte tragen kann:

(c) Pique Lingerie

Anja ist seit November 2013 mit dabei. Nach ihrem Psychologiestudium arbeitete sie erst als Brafitterin ehe sie sich als Psychologin selbstständig machte. Ihre Leidenschaft für (gut sitzende) Wäsche ist nach wie vor ungebrochen, darum findet ihr sie seit Juni 2014 auch auf ihrem eigenen Blog: Everyday Boudoir.

Freitag, 31. Januar 2014

(Don't) Ask Alice: Kleine Brüste vs. große Brüste

Das mit Alice Schwarzers Feminismus ist sowas wie eine schwierige Sache – als ich noch dachte, die Geschlechtergleichheit sei schon durchgesetzt und Feministinnen latzhosentragende Relikte der 80er Jahre, war Alice Schwarzer als das Aushängeschild des deutschen Feminismus, Emma und so, nicht gerade eine Sympathieträgerin. Später, als mir klar wurde, daß Sexismus leider immer noch an der Tagesordnung ist und halt nicht mehr einfach als patriarchale Unterdrückung von Frauen durch Männer daherkommt, sondern als quasi-unsichtbares Netz von Stereotypen und Privilegien, steckte ich schnell so tief in poststrukturalistischer Theorie, daß für eine Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer wieder keine Zeit oder Gelegenheit blieb. Einmal Stempel “überholt” drauf und das war’s. Ich war schon fast ein bißchen stolz darauf, mich da in Gleichmut zu üben und der Falle entkommen zu sein ihr vorzuwerfen, nicht bereits in der Vergangenheit den aktuellen StatusQuo der Kritik vertreten zu haben. Das Privileg des “Ausblendenkönnens”… (ich meine, man sieht recht deutlich daran, daß ich mich nicht mal über ihre Kopftuch-Aussagen so richtig aufregen konnte, daß ich davon nicht selber betroffen bin bzw. mich nicht angesprochen fühle.)

Kürzlich verwies Anne Luise (von der BH Lounge) in einer Email auf eine Antwort aus der Emma-Kategorie “Ask Alice” zum Thema Brustvergrößerung, die wirklich so unterirdisch war, daß ich erst mal eine Weile wie ein Goldfisch vor meinem Laptop saß. An dieser Stelle mal eine Triggerwarnung für alle, die empfindlich auf körpernormative Aussagen (im Themenfeld kleine vs. große Brüste) reagieren. 

Die fast 18-jährige Fragestellerin Anna schrieb über die Unzufriedenheit mit ihren Brüsten, die sie als “unterentwickelt” empfände. Aufgrund von negativen Reaktionen von Verwandten, Mitschüler*innen, Verkäufer*innen und auch Love-Interests überlege sie nun eine Vergrößerung vornehmen zu lassen, wenngleich sie Angst vor den Risiken einer Operation habe. 

Soweit ist das leider keine Besonderheit – viele Frauen fühlen sich unzulänglich, weil sie glauben oder sogar so gesagt bekommen, daß sie das gängige Brustgrößenideal nicht erfüllen und deswegen “gar keine richtigen Frauen seien.” Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, so bescheuert finde ich das; also diese gesellschaftliche Zumutung. Aber naja, bei genauerem Hinsehen würde mir wohl eine Menge besseres einfallen als Alice Schwarzer, die das absolute Supernogo vollbringt, alle körpernormativen Aussagen aufzufahren, die man sich so vorstellen kann: 

Sie unterstellt, daß Anna natürlich eine knabenhafte Figur haben muß (denn nur superzierliche Frauen haben kleine Brüste) und vergleicht sie deswegen gleich mit Audrey Hepburn. Geschmacksurteile folgen der Imagination auf den Fuß: Sie, also Alice Schwarzer selber, mit ihren “normalen Brüsten” [sic!] fand auch immer “diese aparten Mädchen mit den flachen Busen toll, an denen die Kleider so schick runterfallen.” Damit ist ja schon mal viel gewonnen.

Im Gegensatz zu diesem Ideal von Androgynität behauptet Alice Schwarzer, es gäbe eine Mode der “Riesenbusen”, der “grotesk betonte[n] oder gar künstliche[n] Oberweiten”, der “Push-up-Titten”, die sie “ehrlich gesagt, immer eher an Milchkühe denken” ließen. [SIC!]
Auch dazu muß ich erst mal sagen: WHAT. THE BLOODY. FUCK?!!
In diesem Zusammenhang machen mich so pseudo-nachdenkliche Sätze wie
“Haben wir nicht eigentlich dafür gekämpft, dass die Männer uns endlich auch in die Augen schauen statt nur ins Dekolletée? Und wie kann es überhaupt sein, dass wir es hinnehmen, dass Attraktivität über BH-Größen definiert wird – statt über ein Lächeln, einen Blick, eine Silhouette?”
dann erst so richtig wütend. Ich meine, hallo? Wer sieht den performativen Widerspruch? Ja, ihr könnt die Hände jetzt wieder runternehmen. Offensichtlich jede die bis drei zählen kann.

Nun, ehrlich, ich fühle mich von solchen Aussagen natürlich persönlich beleidigt. Ich hab mir nicht ausgesucht so auszusehen wie ich aussehe, ich finde es unglaublich, daß mich jemand der sich Feministin schimpft aufgrund eines körperlichen Attributs  mit einer Milchkuh vergleicht und mir obendrein die Schuld dafür unterzuschieben will, daß mir Männer ständig ins Dekolleté sabbern - sorry, wie ist das denn kein Minirock-Argument?! Das geht so einfach nicht! Denn, auch wenn sich "Anna" jetzt vielleicht besser fühlt - ich mich sicherlich nicht. Damit verschiebt sich eigentlich nur, *wer* gerade eins in die Fresse bekommt, daß jemand eins in die Fresse bekommen muß, wird dabei überhaupt nicht in Frage gestellt.
Man kann nicht die eine Seite aufwerten, indem man die andere abwertet und dabei überhaupt nicht die Grundlage dessen unter die Lupe nehmen, auf der solche Unterscheidungen überhaupt nur Sinn machen: die Voraussetzung nämlich, daß Attraktivität den Kernpunkt weiblicher Identität bildet. 

Wir kriegen alle von klein auf an beigebracht wie wichtig es ist, hübsch zu sein, gepflegt, schlank, kurz: begehrenswert. Und gleichzeitig erfahren wir von Anfang an, wie unmöglich es ist, die Zielwerte zu erreichen – wir vergleichen uns mit anderen und egal wie “schön” wir schon sind, die anderen sind immer schöner oder wenigstens Teile von ihnen. Wie die Werbung zerstückeln wir Menschen in schlanke Waden, in straffe Schenkel, in gerade Nasen und geschwungene Lippen, in voluminöses Haar und die ideale Brustgröße. In unseren Köpfen sind wir alle Frankensteins Monster, zusammengeflickt aus den perfektesten Attributen die wir finden können und das führt oft dazu, daß wir uns gar nicht mehr als Ganzes wahrnehmen können. Ich will jetzt nicht irgendwie ins Esoterische abdriften, aber viele Frauen stehen vor dem Spiegel und sehen nur eine Ansammlung von Makeln, während sie gleichzeitig ihr reales Aussehen in gar kein Verhältnis zum gesellschaftlichen Schönheitsideal setzen können. Soll heißen, gerade die Frauen, die am meisten an sich zweifeln, sind häufig am nähesten dran. Ein Maßstab macht ja auch nur dann Sinn, wenn er irgendwie realistisch erscheint. Daß die ganze Anlegenheit mit einem realistischen Anspruch nichts zu tun hat, demonstrieren immer wieder die Superretuschierungen von sowieso schon überirdisch schönen Berühmtheiten, wenn sie denn mal bemängelt werden wie bspw. von Beyonce oder Kate Winslet. Wie geht der Ausspruch von Cindy Crawford? “I wish I looked like Cindy Crawford.”?!

Jedenfalls, mein Punkt wäre, daß es wirklich an der Zeit ist, das Schönheitsthema mal auf die Ersatzbank zu verweisen. Zumal es bisweilen auch echt seltsame Blüten treibt. Kürzlich las ich (irgendwo auf tumblr, ich hab es leider nicht wiedergefunden) etwas über die Darstellung der Schönheit von dicken Frauen unter dem Aspekt “50s-Retro-Babes”, also daß auch dicke Frauen gesellschaftlich als schön anerkannt werden, wenn sie halt einen großen Aufwand betreiben, fancy Kleider tragen und sich ausufernd schminken; die angeschlossene Forderung war, daß man ja aber auch schön sein können müsse, wenn man dick sei und keine massive “Ausgleichsarbeit” für diesen Makel betreibe. Und ja, ich stimme dem zu, ich finde auch, man sollte erst einmal jedem Körper positiv gegenübertreten und ihn einfach so nehmen wie er ist, aber ich finde es auch kritisch, daß alles immer am Begriff “Schönheit” hängt. Jede muß qua definitionem schön sein. Irgendwie beschreibt diese “Schönheit” dann auch gar nichts mehr, wenn der Begriff sowieso für alle gleichermaßen gelten soll. Warum kann man das Konzept dann nicht einfach zur Seite packen? Warum nicht mal über was anderes sprechen? Attraktivität ist z.B. für mich etwas anderes. Sexiness ist etwas anderes. Selbstausdruck ist was anderes. 

Ich will mir nicht ständig diese Vergleichsnummer Schönheitswettbewerb reinziehen müssen. Das sind reale Probleme, klar, aber man reproduziert sie auch, indem man sie ständig und ständig wiederholt. Das hat was Magisches, dieses Rezitieren von subjektivem Leiden unter den gesellschaftlichen Verhältnissen. Richtige Freiheit davon wäre, darüber nicht mehr nachdenken zu müssen, den “Spieglein-Spieglein”-Wettbewerb einfach abzustellen. Utopisch ich weiß, aber man kann immerhin Schritte in diese Richtung unternehmen statt sich mit dem bestehenden Zustand abzufinden.

Um noch mal den Bogen zum Aufhänger meines Postings zu spannen: die Debatte, wen es nun schlimmer träfe, die Frauen mit den kleinen oder die mit den großen Brüsten begegnet mir immer wieder und aufgrund meiner eigenen Voraussetzungen bin ich da natürlich auch vorbelastet. Meine Perspektive ist halt nicht die auf den Vorwurf Brett sondern auf die Bezeichnung Milchkuh, statt entfeminisiert fühle ich mich übersexualisiert, meine üppige Figur steht im Kontrast zu meiner Tomboy-Selbstwahrnehmung und Hell, würde ich gerne mal Hosenträger und Krawatte tragen! Ich sehe eine sehr große Tendenz zu Androgynität im Diskurs um Schönheit und ich bin dann entsprechend sehr verwundert, wenn ein Trend zu Kurven und großen Brüsten behauptet wird. Aber dann sind natürlich für mich “große Brüste” auch was anderes als vermutlich die meisten darunter verstehen.

Umgekehrt sehe ich natürlich auch die Argumente derer, die sich am anderen Pol der Skala befinden und was sie über ihre Wahrnehmung von Welt, Werbung und medial vermittelten Idealen und Normen berichten. Das vielzitierte "In die Kinder-Abteilung-schicken" beispielsweise, die abfälligen Bemerkungen von Familie, Freunden und Wildfremden... umso befremdlicher finde ich es, wenn man sich plötzlich in einem vermeintlichen Aufmerksamkeitswettbewerb wiederfindet.

Tatsächlich scheinen beide “Seiten” unausgesprochen um diesen ominösen “Normalbereich” zu kreisen, die imaginäre Gruppe der Frauen mit der perfekten Brust(größe), die den Luxus hat ihre “Probemzonen” woanders zu verorten. Dadurch stellt sich die ganze Debatte dann als Konkurrenz von zwei völlig marginalisierten Gruppen dar, und es geht offensichtlich oftmals darum, eine Art Contest zu gewinnen.
Entsprechend finde ich Aussagen, wie die bei The Lingerie Journal, im Bereich für Big Cups hätte sich ja so viel getan in den letzten Jahren, während die Small Cups immer noch hoffnungslos abgeschlagen wären, etwas schwierig, weil es versucht, zwei Bereiche gegeneinander auszuspielen. Zugegeben, es gibt im Bereich große Körbchen eine Angebotserweiterung. Aber nur weil Modell bis in große Cupgrößen produziert wird, heißt noch nicht, daß es der Trägerin gut paßt. Die BH-Anpassung im Bereich H-K-Cup ist einfach vielfach schwierig und ich kann echt nicht genug jubeln, daß mir Panache so gut paßt – sonst wäre ich ziemlich out of options. Aus der reinen Anzahl von Angeboten läßt sich daher noch nicht ablesen, wieviel davon wirklich funktioniert.

Das soll nicht heißen, die Forderung, es solle gefälligst auch 28A oder 30C oder 32A-BHs geben, sei irgendwie überzogen. Natürlich nicht! Klar muß es die Größen geben! Es ist eine Frechheit daß das so ignoriert wird. Aber... ja, eigentlich nichts aber.

Noch schnell ein paar Lesetips zum Thema kleine Brüste, als Kontrastprogramm zu oben verlinkten Text:
http://www.kurvendiskussionen.at - vor allem den #Smallbusters - Fairy Bra Mother Letter
Elfe's Klassiker Gedanken zur kleinen Breitbrust
Unser Kleine Größen-Tag - momentan haben wir leider keine Resident-Bloggerin mit kleineren Brüsten, falls ihr euch berufen fühlt, z.B. für einen Gastbeitrag, schreibt uns doch einfach ne Mail oder nen Comment. ;-)
Die Blogroll von Boosaurus bietet einen super Ausgangspunkt um Bloggerinnen mit einer ähnlichen/gleichen BH-Größe zu finden. 

Naja. Ich hab jetzt meinen Punkt gemacht and the time is up. Daher raus mit dem Beitrag. Kommentare, Anmerkungen etc. sind wie immer heiß ersehnt. ;-)

Wer sich noch nicht genug geärgert hat, kann sich noch die folgende Fotostrecke von Wonderbra-Werbeplakaten angucken. Gleich das erste ist ganz großartig. *wutschnaub*

Hier ein eher harmloses Beispiel. Achtung, Insider: Orange ohne Glas. :P
wonderbrafitsnaturally1

Mittwoch, 4. September 2013

D/E Vielfalt in der Lingerie Werbung / Diversity in Lingerie

English after the jump,
Wenn man sich die Werbung für Lingerie so anschaut, könnte man den Eindruck gewinnen, dass diese nur von schlanken, weißen, jungen Frauen ohne körperliche Beeinträchtigungen getragen wird. Natürlich wissen wir, dass das nicht der Fall ist und umso erstaunlicher ist doch der Mangel an Diversität. Wir haben schon öfters über dieses Phänomen berichtet. Das Argument für diese einseitige Perspektive scheint zu sein, dass Menschen einkaufen weil sie so sein wollen, wie die Menschen in der Werbung und weil wenn Werbende andere Wege geht, die Waren nicht mehr gekauft werden. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Es gibt aber einige Hinweise, dass das nicht der Fall ist und solche Werbung negative Konsequenzen für die Konsumenten hat. Hier und hier zum Beispiel (leider nur auf Englisch, für Hinweise auf deutschsprachige Quellen wäre ich sehr dankbar).
June von Braless in Brasil hat daher mit Hilfe vieler anderer Blogger zur Kampagne #DiversityInLingerie aufgerufen. Sie schlägt vor, dass ihr ein (unbearbeitetes) Foto von euch postet und irgendwo den Hashtag  #DiversityInLingerie einbaut um zu zeigen, dass ihr willig seit auch weiterhin Lingerie zu kaufen wenn das Spektrum der gezeigten Frauen erweitert wird und ich freuen würdet wenn jeder Mensch, die Möglichkeit hätte sich in manchen der gezeigten Models wiederzukennen.
Ich bin mir bewusst, dass ich in einer privilegierten Position bin, denn ich bin eine weiße, dünne und junge cis-Frau. Und auch wenn ich nicht genau aussehe wie die Frauen in der Werbung, so sind sie mir doch ähnlich. Menschen mit anderen Identitätsmerkmalen jedoch sind gar nicht repräsentiert oder stark unterrepräsentiert. Etwa werden Menschen anderer Hautfarbe, geschlechtlicher oder sexueller Identität, mit Behinderung oder solche die älter oder jenseits von 36 Kleidergröße sind, nicht gezeigt. Selbst kleinere Abweichungen fernab des Ideals wie Narben, Tattoos, Celluilite oder Brillen werden oft nicht abgebildet oder per Photoshop unsichtbar gemacht.
Viele Blogger haben zu diesem Thema einen (oder mehrere) Posts verfasst und mir damit sehr interessante Perspektiven eröffnet. Unter Junes Post zum Thema gibt es auch eine Linksammlung, die ich euch sehr ans Herz legen möchte. Wenn ihr kein Foto posten möchtet, aber trotzdem eure Unterstützung für Vielfalt zeigen möchtet, dann könntet ihr zum Beispiel bei Verkäufern und Designern kaufen, die dies tun. Eine solche Liste findet ihr bei Lingerie Addict. Oder aber ihr lasst die Lingerie Industrie wissen, dass ihr euch freuen würdet, wenn sie die Realität der Vielfalt auch in ihrer Werbung abbilden. Die meisten Marken sind heute per Social Media erreichbar und legen Wert auf ein Image, das sie als konsumentenfreundlich und nahbar darstellt und reagieren vielleicht.
Von mir gibt es auch ein Foto, dass eines meiner körperlichen Charakteristika zeigt, das selten zu sehen ist, obwohl es ungefähr 1,1% der Weltbevölkerung betrifft, nämlich Skoliose:


 

MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Donnerstag, 11. Juli 2013

How to fake a thigh gap...

Einfach mal so zwischendurch weil es witzig ist und die letzten Posts so staubtrocken waren...

Die Liste von erstrebenswerten Charakteristiken optischer Natur ist für viele Frauen ungefähr so lang wie eine dicht beschriebene Rolle Küchenkrepp: große Augen, volle Lippen, klassische Nase, symmetrisches Gesicht, flacher Bauch, lange Beine, Brüste die von alleine stehen, die Reihe ist endlos. Gerade 'die Figur', also alles was mit Diäten und Workout, also ohne drastische Eingriffe wie OPs, beeinflußt werden kann, ist ein Feld der andauernden Beackerung. Frauenzeitschriften sind voll mit mehr oder weniger nützlichen Tips und Frauenbiographien sind voll mit mehr oder weniger ausgeprägten Essstörungen. Zu den absurderen Schönheitsidealen gehört dabei IMO die Idee des 'Thigh Gaps', also daß die Oberschenkel nicht aneinander rubbeln, sondern da noch Luft dazwischen ist. (Der Abstand der Beine ist übrigens auch eine Frage der Beckenbreite...) Aus irgendwelchen Gründen gilt das als supererstrebenswert. Für alle, die wie ich zu faul sind, sich damit rumzuquälen gibt es jetzt dieses toll Video darüber wie man die erstrebte Gliedmaßenlücke faken kann: 


Sonntag, 2. Juni 2013

D: Doves "Du bist schöner, als du denkst" Kampagne

In den letzten Wochen machte ein neuer Werbespot im Internet die Runde und in meinem Facebookstream fanden sich mehrere lobende Worte für diese neue Kampagne: 


Wer den Spot nicht sehen kann oder will, es geht im Prinzip darum, dass Frauen ihr Gesicht einem forensischen Zeichner beschreiben. Danach beschreiben Fremde, mit denen sie sich kurz vorher unterhalten habe, diese Person. Das Ergebnis ist, dass die Fremden, die Frauen mit weitaus positiveren Attributen und Worten beschreiben als die Frauen sich selbst. Daher kommt Dove zu dem Schluss, dass  Frauen oft selbst ihre eigenen schlimmsten Kritiker sind. Die Tagline ist dann auch "Du bist schöner, als du denkst" ("You are more beautiful than you think").

Dieser Spot ist Teil von Doves Rebranding und PR-Strategie seit 2004 in der wahre oder realistische Schönheit fernab von Photshop und dem professionellen Modelbusiness zelebriert wird um Frauen auf ihren Weg zur Selbstakzeptanz und mehr Selbstbewusstsein zu helfen. Hier kann mensch, leider nur auf Englisch, mehr über die Geschichte der Kampagn lesen.

Ich mag diese Kampagnen dafür, dass sie tatsächlich manchen Frauen ein gutes Gefühl über sich selber geben und bin dankbar dafür, dass Dove eine Diskussion zu dem Thema Schönheit, (Selbst)Wahrnehmung und Selbstbewusstsein angestoßen hat. Damit stehen sie noch immer allein auf weiter Flur da und zu oft werden Frauen in den Mainstreammedien und der Werbung sehr formalistisch und idealisiert dargestellt.
Das Problem was ich, und andere, mit dem Thema haben ist allerdings haben hat eher damit zu tun, dass Dove ein nicht völlig inklusives Schönheitsbild propagiert, zu Unilever gehört, und eben Pflegeprodukte vertreiben möchte.

In dem Spot sind dünne Frauen zu sehen, alle vier Hauptprotagonisten sind keine People of Color, keine ist älter als 40, keine ist behindert, keine ist dick. Diese Frauen sind konventionell schön. Nur erkennen sie das nicht selbst. Was mich aber wirklich geschockt hat war der letzte Satz einer der Teilnehmerinnen: "Ich sollte mir meiner natürliche Schönheit stärker bewusst sein. Denn das hat schließlich auch Auswirkungen darauf mit wem wir befreundet sind, für welchen Job wir uns bewerben oder wie wir unsere Kinder behandeln. Es hat einfach Auswirkungen auf Alles! Unser ganzes Glück kann davon abhängen." ("I should be more grateful of my natural beauty. It impacts the choices and the friends we make, the jobs we go out for, they way we treat our children, it impacts everything. It couldn’t be more critical to your happiness."). Das heißt es ist unser Aussehen was unser Leben und unser Glück bestimmt? Das ist sicherlich keine besonders aufbauende oder positive Botschaft. Oder meint das "it" im Original das Selbstbewusstsein, dass aus dem Wissen um die eigene Schönheit erwächst? Das wäre weit weniger problematisch, würde aber immer noch implizieren, dass man eben dünn, jung, gesund und weiß sein muss um schön zu sein. Interessant ist auch, dass in den meisten Werbespots der Kampagne Frauen gezeigt werden die unzufrieden mit ihrem Körper sind und es kommen keine Frauen zu Wort, die sich bereits als schön empfinden und somit als Vorbild dienen könnten. Stattdessen wird Aussehen als deterministischer Faktor des Schicksals gehypt, das mensch, so die unterschwellige Nachricht, mit Schönheitsprodukten noch verbessern kann.

Natürlich ist es im Interesse eines Unternehmens, dass Pflege- und Schönheitsprodukte herstellt, diese möglichst viel unters Volk zu bringen. Daher sollte man sich bewusst sein, dass wenn mensch Doveprodukte kauft, man nicht das Projekt unterstützt alle Frauen selbstbewusster zu machen und ein inklusiveres Bild von Schönheit zu verbreiten, sondern ein gewinnorientiertes, multinationales Unternehmen unterstützt. Dove gehört zum Unilever Konzern, der unter anderem auch relativ aggressives Marketing für seine Cremen zur Hautaufhellung betreibt oder betrieb und zu dem auch Axe gehört, ein Produkt dessen sexistisches Marketing fast schon legendär ist.

Links zum Thema (leider nur auf Englisch):

Was haltet ihr von dem Werbespot und der Kampagne an sich?





MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Sonntag, 23. Dezember 2012

D/E Gynäkomastie - Vergrößerung der Brust beim Mann/ Gynaecomastia - Growth of Breasts in Men

English after the jump,
In den folgenden Wochen soll es  auf dem Blog in unregelmäßigen Abschnitten Beiträge zum Thema Gynäkomastie geben. Gynäkomastie beschreibt das Wachstum der Brust, bzw. der Brustdrüsen, beim Mann. Dieses Thema scheint in unserer Gesellschaft stark tabusiert, da es heteronormativen Konstruktionen von Männlichkeit entgegenläuft und wir hoffen hiermit einen Beitrag zur Aufklärung über das Thema zu leisten. Diese Beiträge werden sich im Stil von den anderen im Blog unterscheiden. Wir möchten  nämlich Menschen mit Gynäkomastie die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen zu teilen und Alternativen zur operativen Brustreduktion aufzuzeigen. Den Anfang macht heute Chrisko, der eine Einführung in das Thema gibt und seine ersten Reaktionen auf das Wachstum der eigenen Brust beschreibt. Chrisko wird auch eventuelle Fragen in den Kommentaren beantworten, bitte habt aber Verständnis, dass eventuell erst nach der Weihnachtszeit geschieht.

 

Hilfe, da wächst was! – Eine Einführung in die Gynäkomastie 

Bisher habe ich dieses Thema nie wahr genommen, denn ich bin ein Mann und ein Mann hat bekanntlich keine Brüste!
Doch in den letzten Jahren werden die Rundungen meiner Brust immer deutlicher und sind kaum mehr zu übersehen. Ich als Mann mit 52 Jahren bekomme eine Brust wie die einer Frau, es bricht eine Welt zusammen. Was passiert hier mit mir?
Der erste Ansatz heißt googeln und schon kommen die ersten Antworten, darunter auch der Begriff der Gynäkomastie, was nichts anderes heißt wie die Vergrößerung der männlichen Brust. Na schön, doch was ist das jetzt, kann doch nicht sein. Wie sehe ich jetzt aus, ich kann damit doch nicht mehr unter die Leute. Es sind unendliche Fragen die mich sehr intensiv beschäftigen, vor allem aber: Wo kommt das her? und: Wie kriegt man das wieder weg?
Für Gynäkomastie gibt es viele Gründe, zum einen tritt sie im jugendlichen Alter auf und verschwindet dann auch ganz gern wieder, manchmal bleibt sie aber auch erhalten. Weitere Gründe sind vor allem Prostata- oder Hodenkrebs, Leberschäden, Alkoholismus, Medikamenteneinnahme, Diabetes, Adipositas, Schilddrüsenerkrankungen und noch so ein paar Kleinigkeiten.
Bei mir ist es die Diabetes in Zusammenhang mit den Medikamenten, viele andere haben völlig andere Ursachen. Selten sind die auslösenden Faktoren eins zu eins vergleichbar oder übertragbar, jeder macht mit der Gynäkomastie seine eigene Geschichte durch, doch es gibt sicher auch einige Parallelen.
Irgendwann erreichte es bei mir den Punkt, dass die Brüste doch an Gewicht zunahmen und es zu Beschwerden im Brustansatz, sowie am Brustmuskel kam. Beinah ähnliche Beschwerden wie bei einem Muskelkater, dazu kommt ein Ziepen und Zerren und vor allem merkte ich bei jeder etwas heftigeren Bewegung die Eigenbewegung der Brüste. So manche Frauen kennen diese Probleme.
Nach vielen Untersuchungen von allen möglichen Blutwerten, Krebsvorsorge an Prostata und Hoden landete ich zudem beim Frauenarzt, der meine Brust auch mit Ultraschall und Mammographie untersuchte. Zuerst die Entwarnung, es ist kein Hoden-, Prostata- oder Brustkrebs. Zu den anderen Problemen gab er mir Vorschläge und stellte mir auch die OP vor und hat mich eingehend beraten.
Allerdings habe ich keine Chance diese von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen, zum anderen ist mir das Risiko einfach viel zu hoch. Durch meine Krankenvorgeschichte ist zudem allein die Narkose problematisch und sollte wirklich nur in wirklichen Notfällen gemacht werden.
Dann kam der Satz, der Satz, der mich dann lange beschäftigte: "Tragen sie doch einen BH oder was meinen sie, wofür der da ist und wofür BH steht: das heißt Büstenhalter."
Das war verdammt schwer, ich als Mann mit BH, nein, dieser Lächerlichkeit wollte ich mich nun überhaupt nicht preisgeben.
So blieb erst einmal alles so wie es war, bis zu dem Zeitpunkt wo es wieder kribbelte in der Brust, wo wieder dieses Ziepen da war. Ich habe angefangen ganz verschämt in den entsprechenden Kaufhausabteilungen nach BHs zu suchen. So ein wenig hab ich im Internet ja schon nachgelesen zu der Frage, welche Größe könnte überhaupt passen und habe einfach in die Größentabellen der Händler geschaut, nachgemessen und meinte dann, eine Größe von 110C sollte bei einer UBW von 114 cm zu einer OBW von damals 132 cm richtig sein. Heute kenn ich meine durchschnittliche Größe mit 105/100C/D je nach Modell ganz gut und finde passende BHs die die Brust kaschieren und trotzdem eine gute Hilfe sind, vor allem aber eine Entlastung bringen.
Im Internet habe ich mit der Seite http://gynaekomastie.xobor.de/ eine gute Anlaufstelle gefunden, bei der einige Männer sich mit Erfahrungen zum Thema Gynäkomastie austauschen. Es ist ein sehr vielschichtiges Problem, von dem viele betroffen sind und man manchmal den Eindruck gewinnt, es sind sehr viel mehr Männer als man denkt.
Das Wichtigste, finde ich, ist es ungezwungen mit Fachleuten über dieses Problem reden zu können. Oft sind dies Frauen, denn sie kennen sich mit der Thematik von BHs und Brüsten einfach besser aus. Durch die Tabuisierung der Thematik trifft man leider doch oft auf Unverständnis und einen gewissen Unwillen Hilfestellung zu leisten. Denn ein Mann im BH widerspricht dann doch der gesellschaftlichen Konstruktion von Männlichkeit.

Chrisko



MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Freitag, 6. April 2012

Thought of the day – mein Gedanke zum Tag

Als ich neulich bei meiner Neurologin im Wartezimmer saß, lachte mich eine Ausgabe der Brigitte woman an. Ich mag diese Zeitschrift gerne durchblättern, weil es dort zwar auch, aber meiner Meinung nach nicht ganz so platt, um Schönheit, Figur und Mode geht. Die Zeitschrift richtet sich zwar an die Frau ab 40, aber auch ich als 28jährige fühle mich davon sehr angesprochen. Oft kommen Frauen zu Wort, die das ganze TamTam um Figur und Diäten aus einer anderen Perspektive sehen, weil sie die endlosen Hassdialoge mit ihrem Körper gegen Akzeptanz und Respekt ihren natürlichen Gegebenheiten gegenüber eingetauscht haben.

In besagter Ausgabe der Brigitte woman gab es einen Artikel über Figurtypen, in dem Frauen mit verschiedenen Formen zu Wort kamen. Überrascht hat mich eine “Birne”, die zugab, manchmal mit etwas Neid auf die “Apfelfrauen” zu blicken, weil diese so schlanke Beine hätten. Das hat meinen Blick auf mich selbst wieder geöffnet, weil ich in der letzten Zeit manchmal traurig war, dass ich als Apfeline nicht überall mit meinem Bauch und meinen Brüsten reinpasse, oder dass es dann zeltig wird, wenn die Bluse so weit über den Bauch herabhängt und die Hüften verdeckt. Manchmal habe ich dann auch neidisch auf die Birnen und Sanduhren dieser Welt geschaut. Der Artikel hat mich gelehrt, dass man an jeder Figur etwas Schönes finden kann. Man sollte versuchen, nicht nur auf die Problemzonen zu schauen, sondern auch mal auf das, was man an sich hat.

Bildquelle:  Wikimedia

Samstag, 10. März 2012

Ein Drittel junger Frauen würde Intelligenz gegen größere Brüste tauschen?

Seit dieser Woche bin ich so ein bißchen twitter-aktiv; nachdem ich es monatelang ausgeblendet habe, ein unfassbarer Schritt Richtung Social-Networking. ;-)
Jedenfalls bin ich beim Kurznachrichten lesen auf einen Beitrag der Huffington Post aufmerksam gemacht worden, der den reißerischen Titel trägt One Third Of Young Women Would Trade Intelligence For Bigger Breasts, Survey Says (Laut einer Umfrage würden ein Drittel aller junger Frauen Intelligenz gegen größere Brüste eintauschen).

Mein erster Gedanke war, daß das besagte Drittel mutmaßlich sowieso nicht so viel Intelligenz hat, die es eintauschen könnte.

Im Anschluß wurde ich natürlich sofort Opfer des "Autounfall-Phänomens": Mann will es nicht sehen. Aber man kann einfach nicht weggucken. Also scannte ich - wider besseres Wissen - den Beitrag auf weitere großartige Ergebnisse der Umfrage und stellte fest:

Der Survey behauptet, von den 41 Prozent der befragten Frauen, die lieber größere Brüste als einen hohen IQ hätten, begründeten 24 Prozent die Entscheidung damit, daß sie meinten größere Brüste würden sie "glücklicher" (happy) machen. Angesichts einer eher umgekehrten Relation von Intelligenz und Glücklichkeit (Marvin-Syndrom) ist das vielleicht sogar eine richtige Einschätzung.

Zumal die Grundlage für die Entscheidung wohl vor allem damit zu tun hatte, daß die Frauen sich mit größeren Brüsten und schlankerer Figur (hier waren sogar 44% für schlanker und dafür weniger IQ) mehr Chancen bei Männern ausrechneten. 59 Prozent der Befragten waren der Meinung, daß Männern bei der Wahl einer Partnerin Aussehen wichtiger ist als Intelligenz; generell waren 79 Prozent überzeugt, mehr nach ihrem Aussehen als ihrer Intelligenz beurteilt zu werden.

Tja, zumindest beim letzten Punkt kann man ja mal pessimistisch zustimmen.

Nachdem ich mich dann fertig gegruselt hatte, hab ich mir noch mal angesehen, was da eigentlich zitiert wird und es stellte sich heraus, daß eine britische Gutschein-und-Rabatte-Seite (MyVoucherCodes) eine Online-Umfrage unter 1,100 18-25-jährigen Frauen durchgeführt hatte. SIC!

Daß das alte SoziologInnen-Sprichwort "Glaube keiner Umfrage, die du nicht selbst gefälscht hast" hier mal wieder voll zum Tragen kommt, sollte offensichtlich sein -  ich meine, was ist das denn schon für eine komische Stichprobe? Ein Drittel aller Personen, die englisch sprechen, sich für Online-Rabatt-Codes interessieren und als Frauen  zwischen 18 und 25 ausgeben, möchten gerne dümmere Frauen mit größeren Brüsten? Sehr repräsentativ!

Leider wird man mit derart wissenschaftlicher "Forschung" mittlerweile überall konfrontiert, besonders gerne auf den Webseiten von Emailprovidern und Männer/Frauen-Magazinen.Wenn schon gefühlte Statistiken, dann lese ich doch lieber gleich den Graphitti-Blog!

Was fühlt ihr so? Deckt sich das Umfrage-Ergebnis 
mit eurer Weltsicht? Oder seid ihr optimistischer? 


Comments:
  • Auch wenn ich die Wissenschaftlichkeit bzw. statistische Repräsentativität auf die gesamte Menschheit bezogen schon anzweifle, sind es doch genau diese Aussagen, die meist im Alltag zutreffen.

    Bspw. weiß man ja, dass selbst hübschere Babies schon mit mehr Aufmerksamkeit bedacht werden, da man evolutions-biologisch davon ausgeht, dass "Schönheit"=perfekte Symmetrie gesunde Gene bedeuten.
    Ich denke schon, dass man immer noch als "schöne Frau" mehr Möglichkeiten in so gut wie allen Sparten hat, unabhängig davon, wie intelligent sie ist (ich gehe mal davon aus, dass auch schöne Menschen intelligent sein können harhar).

    Für die Normalos schon leicht deprimierend haha!
    My recent post Blogger-Tipp #6: Auto Jump Break for Archive & Labels
  • george
    Ja, ich glaube schöner wären die meisten Menschen gerne. Ob sie allerdings direkt was von ihrer Intelligenz dafür abzwacken möchten, bezweifle ich doch sehr...

    Mein Freund hat mir mal auf eine solche Symmetrie-Frage ein Bild von Shannon Doherty rausgesucht und seither zweifle ich das mit der Wichtigkeit von Symmetrie ein bißchen an. ;)

    Und dann... ja, ich denke auch, daß gutes Aussehen es einem leichter macht erfolgreich zu sein. Die Frage ist halt *wie* phantastisch muß man aussehen und gibt es nicht auch ein zuviel.

    Als besonders "weiblich" wahrgenommen zu werden, ist ja auch nicht immer karriereförderlich...

  • Viel fällt mir dazu nicht ein, hauptsächlich dieses: solange es von allen Seiten due Information hagelt, dass Frauen schlank, großbusig und enorm "sexy" sein müssen, um Männern zu gefallen und dass das dann auch noch das allererstrebenswerteste auf dieser Welt ist, werden sich viele vor allem junge Frauen wünschen, irgendwie in dieses Schema zu passen. Und ich kann mir im Moment noch nicht so recht vorstellen, was man gegen dagegen machen kann.
  • george
    Wenn an den Ergebnissen was dran ist, dann ist das für mich primär problematische ja, daß Frauen ihr Selbstwertgefühl so sehr von männlicher Aufmerksamkeit abhängig machen, daß sie Wertschätzung von außen *über* eigene Fähigkeiten setzen. Das widerspricht direkt allen Ideen von Autonomie und Emanzipation - das finde ich erschreckend... *gruusel*
  • Ja, das kann ich so unterschreiben. Aber die Autonomie und Emanzipation wird ja auch nicht tagtäglich in den Kopf gehämmert.
    My recent post Bestimmung der richtigen BH-Größe und Erstberatung • 79/104-103-111 Anniii Mama

Donnerstag, 2. Februar 2012

Buchstabenphobie

Heute weiß ich, dass das BH-ABC viele mehr Buchstaben als nur A, B und C besteht, allerdings gab es auch eine Zeit in der das anders war.

Mit 11 trug ich mein erstes Bustier. Nicht weil ich es gebraucht hätte, sondern weil plötzlich alle eins hatten. Mit 12 begannen meine Brüste zu wachsen. Mit 13 trug ich 70B. Mit 14 70C. Mit 15 75C. Mit 16 kam ich am Ende des Spektrums an und trug 75D. Das war auch das Jahr in dem ich zum ersten Mal heulend bei H&M in der Kabine hockte, weil es keinen passenden Bikini für mich gab. Mit 19 kaufte ich meinen ersten elfenbeinfarbenen Minimizer in 75E. Mit 22 wurde ich schließlich bei Bravissimo in London in eine 30FF (65H) gefittet.

Der erste Gedanke der mir durch den Kopf schoss war, das ist ja unnormal! In meinem Kopf galt die Ordnung: A ist klein, B ist normal, C ist groß, D sehr groß und DD ist Pamela Anderson. Außerhalb dieser Ordnung existierte nicht viel. Ich fand schon lange, dass mir BHs nicht passten, die rutschten, schnitten ein und Rückenschmerzen gehören halt einfach dazu. Warum habe ich solange still gelitten?

Meine ersten BH habe ich bei Aldi gekauft. Später auch beim Kaffeeröster und Häschen&Mäuschen. Ein Lingeriegeschäft habe ich das erste Mal mit 20 betreten. Und das war, katastrophalerweise, Victoria's Secret (aber das ist eine Geschichte für einen anderen Post). Bei Aldi und dem Kaffeeröster gab es damals 4 Größen, wenn ich mich recht entsinne: 70A, 75B, 80B und 85C. Bei H&M gab es dann schonmal ein, rares, 75D und auch mal ein 70B. Außerhalb dieses Größenspektrums begegnete mir nicht viel und gleichzeitig ließen mich verschiedene Medien immer wieder wissen, dass 75B/C die durchschnittliche BH-Größe von Frauen sein. Je öfter man etwas hört, desto weniger stellt man es in Frage und so wurde diese Ordnung, für mich, zur Norm(alität). In meinem Kopf setzte sich die Idee fest, dass meine Brüste wohl nicht normal waren. Denn wenn andere Frauen auch diese Probleme hätten, dann würde der Einzelhandel dieser Nachfrage doch nachgeben und solche BHs auch anbieten?

Leider besteht diese Nachfrage gar nicht in größerem Rahmen, zumindest in Deutschland. Viele Frauen denken noch immer in den selben Mustern wie ich es noch vor einigen Jahren getan habe. Wie oft habe ich schon gehört, naja, wenn es nicht passt, dann geh halt mit dem Band noch eine Größe hoch. Oder habe verwunderte Blicke von Freundinnen geerntet und Kommentare à la "So gigantisch sind die doch gar nicht" gehört (Stimmt ;) ), wenn ich verkündete ich trage 30FF. Dieses Denkmuster wird unter Busenfreundinnen dann als Buchstabenphobie bezeichnet.

P.S.: Viel geändert scheint sich bei Aldi bezüglich der Größen allerdings nicht zu haben: http://www.aldi-sued.de/de/html/offers/2867_31069.htm

Weiterführende Texte:
BraWiki: Was ist Buchstabenphobie?
drüber & drunter: Erklärung zu BH-Kreuzgrößen
drüber & drunter: Lost in Translation. Zur Umrechnung der Cups zwischen den Größensystemen


Comments:
  • Moppi
    Ja, ja, ich erinnere mich an die Worte der Verkäuferin "Sie haben aber eine exotische Größe!". ;-)

    Liebe Grüße!
    My recent post MAC Naturelly LE Subtle Breeze Mineralize Blush
  • Ja, VerkäuferInnen sind schon eine Sache für sich, da habe ich auch viele Erfahrungen sammeln dürfen. Dazu folgt demnächst auch ein Blogpost.
  • george
    Ist echt paradigmatisch, deine BH-Geschichte!

    Es ist schon wirklich krass, welche Abwehrhaltungen gegen die Körbchenbuchstaben existieren - fast so als würde ein passender BH die Brüste erst so groß machen wie sie sind. *kopfschüttel* Aber wie du schon sagst, hat das seinen Grund einfach darin, daß völlig unrealistische Vorstellungen darüber existieren, welcher Buchstabe welche Brustgröße bezeichnet. Ich glaube H&M hatte auch mal eine Erklärung ausgehängt, nach der A klein bedeutet, B mittel, C groß und D sehr groß. Das bezeichnet ziemlich gut, die verbreiteten Größenvorstellungen.

    Hab mir übrigens erlaubt noch ein paar Links ans Ende deines Beitrags reinzueditieren. :D
  • Ich denke, dass hat auch viel mit Selbstbetrug zu tun. So nach dem Motto: "Die Größe gibts nicht, also sind meine Brüste auch nicht größer."

    Danke für die Links! Die letzten beiden wollte ich eh noch reintun, aber da hat mein Marsedit (Yeah, Trialperiod) doch ein bisschen gezickt.

    Übrigens bekomme ich auf der Hauptseite unter dem ASOS und dem Knutschende Brüste Beitrag noch immer 0 Comments angezeigt, obwohl da welche sind. Weißt du warum?
  • george
    Oh ja sorry, ich hab vergessen dir zu antworten. *schäm*
    Problem mit der Anzeige der IntenseDebate-Comments = großes Fragezeichen. Es hat am Anfang ne Weile gesponnen, zwischenzeitlich funktionierte es aber einwandfrei. (Man muß sich auch nirgends einloggen, um kommentieren zu können.)
    Das einzige was mir aufgefallen ist, wäre, daß das auch bei diesem Beitrag der Fall ist - vielleicht hat es was mit dem Posten per Marsedit zu tun?
  • Hach, ich dachte schon du magst mich nimmer ;) Nein, bei diesem kann ich sie sehen? So strange.
  • Für mich hatte ich immer gewundert warum sind alle die Bänder auf BHs so größ? Ich hatte echt keine Ahnung, dass kleinere Bänder und größere Korbchen gab...
    My recent post Curvy ASSumptions
  • Ja, genau und dann denkt, vielleicht muss das so sein?

MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Sonntag, 22. Januar 2012

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Kürzlich stellte ich fest, daß uns dieses Jahr gleich zwei Kino-Versionen von Schneewittchen bescheren wird, nämlich Snow White and the Huntsman mit Kristen Steward (Twilight) als Snow White, Chris Hemsworth (Thor) als Huntsman und Charlize Theron als böser Königin sowie Mirror, Mirror mit Julia Roberts als Stiefmutter, Sean Bean als König (Irgendwann wird er mal wieder nen Charakter spielen, der das Ende vom Film erlebt… *daumendrück*) und Lily Collins (Priest) als Schneewittchen. Daneben wird es im Februar noch einen Direct-to-DVD-Release von Grimm’s Snow White mit Eliza Bennet (Inkheart) in der Hauptrolle geben.

Bildquelle: Wikicommons
Ich muß gestehen, daß mich die offensichtlich anhaltende Beliebtheit des Stoffes ganz schön überrascht – aus feministischer Perspektive betrachtet ist die Geschichte ja schlichtweg eine Katastrophe: Nicht nur wird die Stiefmutter zum giftmischenden, menschenfressenden Monster stilisiert, sondern auch noch mit Schneewittchen als unschuldig-naivem, hausfräulichem Ideal kontrastiert, dessen genuine Jugend und Schönheit vor der pervertierten Eitelkeit einer älteren Frau gerettet werden soll. Wahrscheinlich gibt es kein misogynes Klischee, das das Märchen ausläßt. Und obwohl man die Sache ja auch etwas anders interpretieren könnte, wird diese Dichotomie von Hure/Hexe und Heilige nun in jeder Adaption der Geschichte - mal mehr mal weniger extrem - reproduziert. Während Mirror, Mirror, dem Trailer nach zu urteilen, eine Art augenzwinkernde Komödie sein soll, buchstabiert Snow White and the Huntsman den frauenfeindlichen Gehalt der Vorlage recht drastisch aus: Charlize Therons Charakter ist hier nicht nur eine böse, machtbesessene Hexe, sondern auch eine Art Vampirin, die anderen Frauen das Leben aussaugt. 

Eine ähnlich gruselige Darstellung gab es schon in einer Verfilmung mit Sigourney Weaver von 1997 (Snow White: A Tale of Terror), aber auch in Terry Gilliams Brothers Grimm (2005), in der eine böse Hexe (Monica Bellucci) junge Mädchen entführt, um mit deren Leben ihr eigenes zu verlängern. Sogar die Disney-Variante von Rapunzel (Tangled | 2010) erzählt von der bösen Stiefmutter, die Rapunzel als Quelle anhaltender Jugend mißbraucht.

Auch wenn in die Neuerzählungen immer mehr “mildernde” Umstände mit eingesponnen werden – etwa in der Form einer weniger passiven “Heldin” (Schneewittchen, respektive Angelika oder Rapunzel) – wird an der  Stiefmutter/Hexe als Inbegriff des Bösen doch durchweg festgehalten. Ihre kriminelle Energie speist sich dabei aus dem Wunsch, unnatürlicherweise (!) ewig jung und schön zu bleiben und damit (implizit) ihre Machtposition als “first lady” zu behalten, die sie eigentlich - aus Altersgründen - an Schneewittchen (oder eine andere Konkurrenz) abgeben müßte. Dabei wird nicht Schönheit als solche problematisiert, sondern Eitelkeit, Stolz, Neid und Hochmut - also die guten alten Todsünden... Schönheit ist erlaubt, solange sie "natürlich" ist und zweckfrei bleibt und die schöne Frau passiv, Gegenstand der Bewunderung irgendwelcher Kerle.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in der Konstellation stellt sich dann plötzlich die böse Stiefmutter als geschmähte Karrierefrau und damit irgendwie Sympathieträgerin dar und Schneewittchen als die Verkörperung einer Frauenrolle, die hinter eigentlich alles zurückfällt, was man jemals als emanzipative Errungenschaft hat betrachten können. Das ist schon auch eine merkwürdige Situation, denn Schönheit als Mittel der Macht ist ja nicht unbedingt etwas, das man affirmieren möchte, oder?


Die Idee, der “Wert” einer Frau und damit verbunden ihr Einfluß (nämlich auf die Männer) ließe sich auf ihre körperliche Attraktivität reduzieren, ist natürlich keine Erfindung irgendwelcher Märchenerzähler, wenngleich sie auch in allen möglichen Geschichten von der Antike bis in die Gegenwart eine Rolle spielt: Die begehrenswerte Frau ist Motivation für Heldentaten, Ursache von Kriegen, ja sogar der Grund, weshalb die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden. Diese Vorstellungen prägen durchaus sehr nachhaltig unsere Vorstellungen von Identitäten und damit auch irgendwie die Realität. Wenn man beispielsweise mal versucht aus der Menge aller möglicher berühmter Frauen der älteren und neueren Geschichte, diejenigen auszuklammern, die vor allem über ihre Schönheit und/oder ihre Liaison mit einem einflußreichen Mann bekannt geworden sind, bleibt eine erschreckend kleine Zahl übrig. (Die Mütter kann man auch mal rausrechnen.) Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Schriftstellerinnen, erfolgreiche Unternehmerinnen oder Künstlerinnen sind nicht nur im Vergleich zu ihren männlichen Pendants bis heute extrem in der Minderzahl, sondern auch gegenüber all den weiblichen Stars, IT-Girls, Musen und Geliebten, die ihren Ruhm ihrer Attraktivität verdanken.

Weibliche Schönheit gerinnt damit zu einer Art von schlechtem Äquivalent für die Leistungen von Männern, seien es nun Erfindungen, Entdeckungen, Eroberungen oder sonst was; und bestenfalls ist sie auch noch so natürlich und unschuldig ist wie die von Schneewittchen - ohne den Beigeschmack künstlicher Hilfsmittel versteht sich.

Nun wirkt sich dieses gesellschaftliche Klima nach wie vor auf die individuelle Entwicklung und Sozialisation von Mädchen aus. Sicherlich gibt es heutzutage noch andere Karriereoptionen als Haushälterin bei den Sieben Zwergen und Hochzeit mit dem Prinzen oder eiskalte Hexe, die versucht sich einen Millionär zu angeln - trotzdem werden Kinder immer noch mit Prinzessinnengeschichten und Hochglanzzeitschriften bombardiert, in niedliche Kleider gesteckt und gelobt wie süß sie darin aussehen, gemaßregelt wenn sie zu viel (Süßes) essen, ermahnt, schön schlank zu bleiben, gehänselt wegen ihrer Brillen, Zahnspangen, Pickel, Körperhaare, Brüste, Klamotten usw. - kurz: indokriniert mit dem Dogma des "ansprechenden Äußeren".
Der Mangel an Role-Models, die nicht über körperliche Attraktivität definiert sind, führt genauso wie immer noch existierende und immer wieder wiederholte Anspruch an Mädchen gesellschaftliche Schönheitsideale zu erfüllen dazu, daß Optik nach wie vor einen, wenn nicht den zentralen Aspekt weiblicher Identitätsbildung darstellt.
Wen wundert es also, wenn viele Frauen tatsächlich genau wie Schneewittchens böse Stiefmutter den Tag mit einem überkritischen Blick in den Spiegel beginnen und die damit verbundene Erkenntnis der eigenen Imperfektion wiederum einige von ihnen in eine tiefe Krise stürzt? Die Balance zwischen Selbstakzeptanz und Perfektionsanspruch oder Selbstverbesserungstechniken und Körperschemastörung zu halten ist bisweilen schwierig; nicht umsonst leiden so viele Frauen unter Esstörungen und Minderwertigkeitskomplexen.
Im Zeitalter des Photoshop-Schneewittchens hat man als böse Königin sowieso von vorneherein verloren: Mit dem perfekten Bild der Anderen kann kaum jemand mithalten. Irgendein Makel wird sich immer finden, der die reale Frau von den quasi-fiktiven Schönheiten der Medien unterscheidet, deren ikonographische Perfektion andererseits mit jedem Jahr, jeder zusätzlichen Makeup-Schicht, jeder OP und jeder Botoxspritze bröckelt, bis sich das Schneewittchen schließlich selbst als böse Stiefmutter entpuppt. Das Phantasma der natürlichen Schönheit zerfällt in seine künstlichen Bestandteile, nur um gleichzeitig umso fanatischer behauptet zu werden.

Dabei ist es langsam höchste Zeit, dem Märchenquatsch ein Ende zu bereiten und den Teufelskreis zu durchbrechen: Frauen mögen – alle auf ihre Weise – schön und attraktiv sein, aber wir sollten nicht ewig darauf reduziert werden. Warum können wir zur Abwechslung nicht mal die Jäger, Prinzen oder Zwerge in der Geschichte sein?!

Das "Original" zum Nachlesen - Gebrüder Grimm: Schneewittchen

Bei der Gelegenheit, weil es gerade paßt, noch ein Link
zu einem Blogbeitrag über Frauenfiguren in Fernsehserien: 
denkwerkstatt: Fernsehen. Mein persönlicher TV-Frust

Der Trailer von Snow White and the Huntsman



Snow, Glass, Apples
Eine etwas ungewöhnliche Version der Geschichte,
in der Schneewittchen eine Vampirin und ihre Stiefmutter die Heldin ist.
Geschrieben von seiner Großartigkeit Neil Gaiman.

part one, read by Bebe Neuwirth and the Seeing Ear Theater.

Edit: Political Correctness wäre aber auch was anderes...  
Edit2: Öööhm. Kinky. Oder besser: disturbing.
Triggerwarning vgl. Plot / Wikipedia.


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Freitag, 25. November 2011

Was anderen die Waage, ist der Busenfreundin ihr Maßband

So sagt die heutige Kalenderweisheit...

Tatsächlich kommt es mir manchmal so vor, als stelle die Vermessung zur Online-BH-Beratung quasi eine Inititalzündung zur Auseinandersetzung mit Körpermaßen und Konfektionsgrößen dar. Statt sich auf die Waage zu stellen und Fettanteil errechnen zu lassen oder einen BMI und minimalste Gewichtsschwankungen zu dokumentieren wie andere Frauen, vermißt eine Busenfreundin zyklusbedingte Differenzen qua Brustumfang (womöglich täglich), stellt Gewichtszu- oder -abnahmen an Veränderungen des Unterbrustumfangs fest und weil sie schon mal dabei ist, wird auch noch Hüftumfang gemessen, die Taille oder die Fußlänge im Verhältnis zur Fußbreite und zum Ballenumfang...

Unglaublich was man alles messen kann, wenn man erst mal auf den Trichter gekommen ist!

Akribisch wird festgehalten, wo man wie welchen Normwerten nicht entspricht und gefolgert, weshalb man noch nie in Klamotten gepaßt hat. Skurrilerweise ist das irgendwie soetwas wie die rechnerische Annäherung an die eigene köperliche Individualität. Messen gegen den Durchschnitt oder so.

Ich kann z.B. vermelden, daß mein Taillenumfang heute morgen vor dem Frühstück erstaunlicherweise deutlich unter 80cm lag (Ich hab keinen blassen Schimmer, was ich derzeit wiege), mein Bizeps vermutlich vergleichbar ist mit dem Oberschenkel eines Supermodels (33cm) und mein Wadenumfang sich langsam dem Bereich nähert, in dem mir mit etwas Glück handelsübliche Stiefel passen könnten. (Ich befürchte ja, ich hab da Muskelmasse eingebüßt...) Meine Brüste scheinen sich gestrafft zu haben, dann vorneübergebeugt habe ich deutlich weniger Strecke gemessen als sonst. Dazu habe ich (immer noch) sehr breite Füße (M+), sehr große Hände (für eine Frau. Ist mir schon mehrmals von verunsicherten Kerlen mitgeteilt worden. Ha!) und einen gefühlt recht großen Kopf. (Hüte, BaseBall-Caps oder Helme = Alptraum) Zum Schädelvermessen bin ich leider noch nicht gekommen. ;-)

Im Ernst, ich bin da ein bißchen hin und her gerissen, ob ich dieses Rumgemesse witzig oder eher albern finden soll. Also beobachte ich es amüsiert an mir und an anderen. Solange man die ganze Sache nicht zu ernst nimmt, wird es schon nicht schaden.

Nehmt ihr auch manchmal Maß oder 
besitzt ihr nicht mal ein Maßband? 


Auswahl von Mess-Threads bei den Busenfreundinnen:

UBB eng messen ... - gerade aktuell. Enthält eine großartige Diskussion über die Qualität von Maßbändern und sehr coole semi-wissenschaftliche Überlegungen von blenny u.a.

Wie messt ihr eure Taillen?

Umfrage: Welche Schuhweite hast du?
Umfrage: Welche Fußform hast du?

Anleitung zum Vermessen von BHs

Zur Beratung: Vermessung der Brust und andere Informationen


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Sonntag, 30. Oktober 2011

Nicht nur Halloween-vermittelt: Human Body Stilettos und Zombie-Trends...

Bildquelle: Bit Rebels
Kürzlich fand ich über einen Blog in meiner Blogroll (BoingBoing oder Nerdcore) dieses verstörende Bild... es verwies auf einen Artikel bei den BitRebels namens Human Body Stilettos: Every Woman's Dream?, der ein paar Worte darüber verliert, welche seltsamen Wege doch die Idee der Selbstperfektionierung so genommen hat...

Tatsächlich finde ich das Foto eine sehr ... ähm... drastische Illustration dafür, daß Menschen gewillt sind, immer krassere Eingriffe in ihren Körper vorzunehmen, um einem immer abgehobeneren Schönheitsideal zu entsprechen. (Das Bild selber ist selbstverständlich fiktiv!)

Man denke nur an Reality TV à la The Swan (ich weiß gar nicht wie das deutsche Pendant dazu hieß?), das ja zum Ziel hatte, eine Frau mit allen möglichen Methoden (Diät, Sport, massive Schönheits-OPs) vom häßlichen Entlein in einen schönen Schwan zu verwandeln. Das scheint nach dem Verkehrsunfall-Prinzip zu funktionieren: Man kann einfach nicht weggucken.

Das Spritzen von Botox, immerhin einem heftigen Nervengift, gehört nun schon zum Beautyrepertoire eines Hollywoodstars in den Twens wie früher ein Waxing und die obligatorische Maniküre. Vom Überkronen ganzer Gebisse mal ganz zu schweigen. Ich finde das gruselig. Im Zeitalter von Photoshop und Special Effects sollte sowas doch mit einem Mausklick machbar sein - statt den Körper solch mittelalterlichen Foltertechniken zu unterwerfen...

Apropos gruselig: Spannenderweise gibt es einen Modetrend, der diesen Diskursen von Schönheit, Jugend und Gesundheit direkt entgegenläuft (behaupte ich jetzt einfach mal so) - die Zombiefizierung von Fashion.
Drauf gebracht hat mich das gerade kursierende Werbevideo von Dermablend mit "Zombie-Boy" Rick Genest:

Abgesehen davon, daß das Video wirklich beeindruckend demonstriert, was man mit Camouflage so anstellen kann, habe ich darüber mitbekommen, daß der volltätowierte Hauptdarsteller dank eines Castings für ein Lady Gaga-Video (Born This Way) Anfang des Jahres plötzlich lukrative Modelverträge bekommt.
Thematisch (bzgl. was Leute mit ihrem Körper anstellen) ist das natürlich immer noch irgendwie vergleichbar. Andererseits rücken Fotos wie die von Genest gerade Häßlichkeit, Vergänglichkeit und Tod in den Mittelpunkt.

Und in den meisten Fällen ist es ja umgekehrt und die Makeup Artists sind für den Horrorfaktor verantwortlich. Heute beim Frühstück blätterte ich ein Vice Magazine durch und stieß auf eine Fotostrecke namens Hardcore Gore-nography, in der junge schöne Menschen als Leichen geschminkt und drapiert diverse Klamotten bewerben sollen. Mag sein daß es an Halloween und dem Beginn der zweiten Staffel von The Walking Dead liegt, aber ich sehe gerade überall Zombies...


Ich weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll - ist es einfach geschmacklos? Ist es eine Persiflage auf ein medial vermitteltes Super-Schönheitsideal? Gibt es was Subversives in so einer Darstellung von Menschen oder haben die entsprechenden Industriezweige dieses Potential schon längst wieder einkassiert und affirmativ gewendet? Und steht zu befürchten, daß die logische Antwort auf Rico the Zombie wirklich Human Stilettos wären?!

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Sonntag, 11. September 2011

What's real? Photos und die Realität...

Natürlich wissen wir, daß die meisten Bilder, die wir zu sehen bekommen bearbeitet sind bis zum Geht-nicht-mehr. Rational ist uns völlig klar, daß jedes Werbefoto der letzten Jahrzehnte durch einen aufwendigen Produktionsprozess gegangen ist. Früher hat man eben mit viel technischer Raffinesse, Ausleuchtung und Eqipment gearbeitet, hinterher manuell retuschiert. Heute macht man das am Computer. Entweder professionell in einem Hightech-Programm oder eben schnell über ein iPhone-App. 

Und trotzdem suggeriert ein Photo nach wie vor, eine Abbildung der Realität zu sein - nicht schmeichelhaft wie ein Ölportrait und auch nicht karikierend oder verfremdet wie ein Produkt moderner Malerei. Dazu kommt ja noch der starke emotionale Einfluß, den eine bildliche Darstellung hat. 

Ein willkürliches Beispiel aus meinem Leben - Brötchen mit Tofu-Rührei.

Nachdem ich es durch ein Bildbearbeitungsprogramm gejagt habe:
Version nach Bearbeitung mit nEO IMAGING (Shareware)

 Das miserable Bild, das meine steinalte Digicam ursprünglich produziert hat:
Pure-Version einer alten Sony-Digicam
Irgendwie verspüre ich sofort das starke Bedürfnis, in die bunt-psychedelische bearbeitete Version der Welt einzutauchen. Sie sieht wesentlich spannender aus als die eher farblos-nüchterne Originalversion. Aber noch kann ich Realität und Fiktion unterscheiden. ;-)

Problematisch wird die Sache, sobald wir an die makellosen Körper und - gesichter denken, die uns auf Plakaten, Websites oder Hochglanzmagazinseiten begegnen. Auch wenn wir wissen, daß die Bilder bearbeitet sind, bleibt es doch schwierig, das Ausmaß zu erfassen. Vor ein paar Wochen habe ich etwas darüber gelesen, daß Models nicht nur dünner, sondern seit einiger Zeit auch dicker gephotoshopped werden, da die Körper oft so abgemagert sind, das sie nicht mehr ästhetisch wirken. Also werden herausstehende Knochen mit künstlichen Rundungen übermalt, Wangen und Brüste aufgefüllt und Kanten geglättet. Mad World!

Aber nicht nur die Körper, auch die Gesichter werden idealisiert. Es reicht nicht, daß eine Frau als schön gilt - sie muß überirdisch perfekt sein. Kürzlich wurde im BF-Forum der Link zu einer Seite gepostet (Danke Alphaweibchen!), die einige Vorher-Nachher-Beispiele zeigt:


Der Unterschied zwischen Vorher und Nachher läßt - zumindest bei mir - doch einige Rückschlüsse über meine Sehgewohnheiten zu. Ich folgere daraus, daß man sich wirklich nicht genug mit dem Thema beschäftigen kann. Daher also von mir mal wieder was zum Thema. ;-) Das war auch schon mein Wort zum Sonntag.

Erwischt ihr euch auch immer wieder dabei, an Fiktionen zu glauben?
Was sind eure Lieblingsbeispiele für Vorher-Nachher-Vergleiche?
Guckt ihr euch auch manchmal PhotoshopDesaster an?
Wenn ihr Photos bearbeitet - was macht ihr dann?
Habt ihr Lieblingsfilter und Effekte?

Kommentare:
  • Obwohl es zu meinem Studium gehört zu lernen was möglich ist und ich schon immer versuche mit möglichst offenen Augen durch die Welt zu gehen, ist man so sehr an die bearbeiteten Bilder gewöhnt, dass man sich gar nicht vorstellen kann, was wirklich alles verändert wird. Haut ohne jegliche Pigmentflecken, Muttermale, Härchen usw. sind uns so sehr eingebleut worden, dass diese Rollovers fast erschreckend wirken.
  • george
    Ja krass, oder?! Ich halte mich auch für ziemlich kritisch, was so Sachen angeht; wenn ich dann aber direkt mit der Nase draufgestupft werde, stelle ich dann aber doch fest, wie naiv ich manchmal bin. *seufz*