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Mittwoch, 10. Dezember 2014

#accept every body: Das postmoderne Geständnis, Teil 1

Wer sich ein bisschen in den alternativen Ecken des Internets (*hust* tumblr *hust*) herumtreibt, stolpert immer häufiger über ein Set von Selbstidentifizierungen. In der Regel beinhaltet das eine Geschlechtszuschreibung, also sieht sich die Person als weiblich, männlich oder nicht-binär (also weder männlich noch weiblich), dann ob die Person die Geschlechtisdentität annimmt, die bei Geburt erfolgt wird (cis = Übereinstimmung, trans = Nicht-Übereinstimmung). In meinem Fall wäre das bspw. so, dass ich mich als weiblich identifiziere, was auch das Geschlecht ist, dass mir bei Geburt zugeschrieben wurde. Nach dem Muster würde ich mich also als cis-Frau bezeichnen.

Der Sinn dieser Unterteilung erschließt sich für viele erst mal nicht, weil sie zwischen dem, wofür sie die Gesellschaft hält, und ihrer eigenen Geschlechtsidentität keine Differenz wahrnehmen. Wenn mich jemand als Frau XY anspricht, dann ist das ja für mich korrekt. Nun hat aber sicher jede/r schon mal so einen Moment gehabt, in dem jemandem ein Fehler in der Ansprache unterlaufen ist. Z.B. wenn ein Brief falsch adressiert ist. Wenn ich als Herrn XY angesprochen werde, rolle ich die Augen und denke mir “Näh. Wie kommen die denn drauf, dass ich ein Herr XY sein könnte…”

Das ist natürlich eine Kleinigkeit, aber es stört mich doch so ein bisschen. Ein prägenderes Beispiel war für mich der Beginn meiner Pubertät – ich habe mich als Kind sehr stark mit Jungen identifiziert. Das spiegelt sich jetzt noch in der Wahl meines Nicknames (Georgina ‘George’ Kirrin von den Famous Five/5 Freunden). Hätte ich die Wahl gehabt, wäre ich lieber ein Junge gewesen, denn Jungen sind mutig und stark und schnell und irgendwie besser als weinerliche Mädchen. Sic! (Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen) Doch dann kam der Moment, in dem ich es plötzlich beleidigend und verletzend fand mit meinem Tomboy-Outfit und den kurzen Haaren für einen Jungen gehalten zu werden. Im Zuge des Erwachsen(er)werdens begann ich mich doch als Mädchen zu identifizieren. Daran hing für mich auch eine heterosexuelle Begehrensstruktur: ich wollte als Frau wahrgenommen werden. Um meine Weiblichkeit zu verdeutlichen, habe ich dann angefangen meine Haare wachsen zu lassen und meine Augen zu schminken. Das ist dann ein Teil von dem was man “doing gender” nennt: eine Geschlechtsidentität performen.

Hier sieht man vielleicht schon – an dieser wirklich nur klitzekleinen Brucherfahrung mit dem was wir in der Regel unhinterfragt als Normalität wahrnehmen – dass sich an dem Punkt mehrere Selbst- und Fremdzuschreibungen überschneiden, die letztlich bestimmen, wer man ist.

Und wir haben wohl alle das Bedürfnis, in unserer Individualität und Besonderheit von anderen anerkannt zu werden, also so gesehen zu werden, wie wir uns auch selber sehen.

Hier setzt das an, was ich in der Überschrift so ein bisschen flapsig das postmoderne Geständnis genannt habe: ich beschreibe mich öffentlich mit einer Reihe von “Markern”, um der Festlegung von außen vorzugreifen. Und auch um klar zu machen, dass nicht nur die Abweichung von der Norm etwas ist, das man benennen muss. Es ist auch prägend, wenn man mit seiner (Teil-)Identität auf gar keine Widerstände stößt, also das Privileg hat, dass Fremd- und Selbstbild gar nicht oder kaum auseinanderfallen.

Wenn mich jemand kennenlernt, dann wird er oder sie ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass ich eine cis-Frau bin, weil optisch alles darauf hindeutet. Für mich gibt es da entsprechend kein Problem, ich sehe mich ja selber so.

Es ist aber auch wichtig festzustellen, dass es Leute gibt, die ständig falsch zugeordnet werden, eben weil sich ihr Erscheinungsbild nicht mit dem deckt, was die gesellschaftliche Erwartunghaltung ist. Oder einfach weil sie – Skandal! – sich in keiner der beiden zur Verfügung stehenden Schubladen verorten können/wollen.

Für jemanden, der noch nie darüber nachgedacht hat, erscheint das evlt. erst einmal schräg. Wir sind gewohnt, dass Menschen entweder männlich oder weiblich sind. Wenn wir jemanden nicht sofort zuordnen können, werden wir nervös. Vielleicht seid ihr auch schon mal im Bus jemandem gegenüber gesessen, den ihr nicht identifizieren konntet und habt euch dabei erwischt nach Bartstoppeln zu suchen oder den Hals auf einen Adamsapfel gescannt oder weiß der Teufel?

Es ist schwierig, das abzustellen, vielleicht unmöglich, aber wenn wir uns für liberal und weltoffen und progressiv halten (und ich hoffe, die LeserInnen dieses Blogs tun das ;)), dann müssen wir einfach mal festhalten, dass Individualität eben nichts ist, was notwendigerweise in unsere Denkschemata passt und unser Denken das ist, was sich anzupassen hat. Ich zumindest würde anderen Menschen gerne mit Respekt begegnen und sie so ansprechen, wie sie es sich wünschen.

Zur nichtbinären Identität gehört – zumindest im englischen Sprachraum – ein Sortiment von geschlechtsneutralen Pronomen. Also neben weiblichen (she/her) und männlichen (he/his) gibt es noch eine Reihe von anderen Pronomen, um deren Benutzung im Zweifelsfall gebeten wird. Am häufigsten ist ein einfacher Plural (they/their), der z.T. auch im Deutschen Anwendung findet. Eine Liste von anderen Optionen findet ihr bei der englischen Wikipedia im Artikel Gender-neutral pronouns.

Im Endeffekt geht es beim postmodernen Geständnis also um zwei Dinge: dass Menschen so angesprochen und betitelt werden, wie sie es möchten – aber auch darum, dass sichtbar gemacht wird, dass üblicherweise verwendete Zuschreibungen nicht selbstverständlich sind.

Wenn ich also über mich sage, ich bin cis-weiblich und für mich sollten bitte die Pronomen sie/ihr verwendet werden, das erscheint das erst einmal überflüssig. Aber gerade so kann ich zeigen, dass es eben keine ‘natürliche Sache’ ist, sondern eine gesellschaftliche, in der sich Fremd- und Selbstzuschreibung nicht zwingend harmonisch verhalten.

Puh, ja, starker Tobak für einen Lingerieblog, ich gebe es zu.
Allerdings gehört das für mich zur Kampagne “accept every body” schon ziemlich essentiell dazu. Und so richtig Brafitting-interessiert bin ich leider gerade nicht - ich hoffe, ihr findet das Thema nicht allzu off topic und vielleicht doch ein bisschen interessant und auch wichtig.

Ich mache jetzt hier für heute mal einen Cut. Demnächst mehr über Sexualität, Hautfarbe, Herkunft, und was sonst noch so dazu gehört...

Habt ihr schon eine Meinung zum Thema?
Immer her mit den Kommentaren!

jessica-simpson-esquire-magazine-cover-picture3
Jessica Simpson for Esquire via 90swoman.wordpress.com

Donnerstag, 20. März 2014

Och nö, echt Leute?! Das muß doch nicht sein!

Also, es gibt diese Parodie auf die Kampagne "Gleichberechtigung statt Gleichmacherei" der AfD Jr.  von der Alternativen Jugend für Deutschland, unter der schönen Adresse facebook.com/wirhabenjanichtsgegenauslaenderaber

Wie üblich wenn sich Leute an Satire versuchen sind ein paar Sachen sagen wir eher weniger gelungen. Und gerade eins dieser weniger gelungenen Beispiele, ausgerechnet das, hat es in die TAZ-Fotostrecke Kampagnen für die Junge AfD geschafft.

"Ich bin kein Feminist, weil ich mehr Oberweite als Hirn habe."

Kann mir mal irgendjemand erklären, was an diesem Bild kritisch sein soll? Anyone?

Also ja, wir wissen natürlich aufgeklärterweise, daß Intelligenz in keiner Relation zu körperlichen Attributen wie Brüsten steht. Aber wird die Sache dadurch alleine schon lustig? Wie kommt denn die Distanz zur Aussage zustande? Kommt sie überhaupt zustande?

Ich würde sagen nein.
In meinen Augen wird hier das misogyne Stereotyp  "große Brüste = dumm" einfach nur verdoppelt, indem genau das nicht passiert, was eigentlich die Zielsetzung der Kritik sein sollte: eine Reflexion auf den sozialen (sexistischen!) Kontext von Antifeminismus zu ermöglichen. Die Aussage wie sie da steht heißt nicht: "Ich bin keine Feministin weil ich ein sexistisches Klischee affirmieren möchte" sondern "Ich bin keine Feministin, weil ich dumm bin."

Abgesehen von dieser Reproduktion des sexistischen Stereotyps: Ich dachte eigentlich, daß Dummheit grundsätzlich keine Ausrede ist und sie daher auch nie als Vorlage für eine Kritik taugt.

Es gibt noch ein zweites Bild nach diesem Schema, diesmal unterschreiben mit "Ich bin gegen Feminismus, weil ich Feministen nicht allein mit meinen Titten beeindrucken kann." Das ist jetzt zwar auch nicht besonders smart, aber es bringt wenigstens im Ansatz die erforderliche reflexive Struktur mit, genau wie die ebenfalls nicht überragenden aber immerhin besseren Beiträge: "Ich bin keine Feministin, weil ich sexuelle Belästigung total geil finde." oder "Ich bin keine Feministin, weil ich in die Küche nicht in die Öffentlichkeit gehöre."

Zur verfehlten Message des oben gezeigten Bilds kommt dann dummerweise auch noch, daß die mutmaßliche Schöpferin des Spruches glaubte ihre Möppies zur Untermalung mit in die Kamera halten zu müssen. Vielleicht als ironische Brechung, die im Text selber keinen Ausdruck gefunden hat? Nach dem Motto: "Hey guck mal, ich würde das doch nicht über mich selber sagen."

I don't get it.

Aber immerhin hat es offensichtlich gereicht um in die Fotostrecke zu kommen. Weil, Sex sells. Ne, TAZ?

Sonst naja, kann man zur Kampagne vermutlich sagen, daß sie gut gemeint war - an die Absurdität des Originals (Realsatire deluxe) kommt sie aber nicht ran. Außer vielleicht im Fall von "Ich bin keine Feministin, weil ich mag Toastbrot."

Könnt ihr dem Bild was Kritisches/Lustiges abgewinnen?

Samstag, 7. Dezember 2013

No Shave November - ein Mißverständnis

Vor ein paar Wochen stolperte ich auf dem tumblr der Kurvendiskussionen über ein Foto unrasierter Frauenbeine und eine flammende Rede gegen die Forderung, daß Frauen doch bitte nicht am No Shave November teilnehmen möchten. (Link zum Beitrag)
Ist ja interessant, dieser No Shave November, dachte ich mir, eine Aktion gegen das Enthaarungsgebot für Frauen und praktischerweise auch in einer Jahreszeit (in unseren Gefilden), in der es eh keinem auffällt. Ohne drüber nachzudenken hatte ich schon mitgemacht - denn meine Beine haben schon seit Monaten keine Rasierklinge mehr aus der Nähe gesehen. 

Eigentlich ein schönes Thema für den Blog, dachte ich weiter und setzte es auf meine imaginäre "Sachen über die ich noch mal was sagen könnte"-Liste. Der Monat neigte sich dem Ende, das schlechte Gewissen über meine trotz aller guter Vorsätze nicht steigenden Posting-Dichte wuchs und so tippte ich brav die Schlagworte in die Suchmaschine um der Sache mit dem Rasierstreik auf den Grund zu gehen.

Gefunden habe ich etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte: auf der Seite no-shavenovember.com erwartet mich ein bärtiges Symbol mit Hut. Bärtig wie Mann. Hut auch wie Mann. Eindruck: Jetzt bin ich verwirrt.
Das Ziel von No-Shave November sei, steht da zu lesen, Aufmerksamkeit für Krebs zu schaffen, indem man sich die Haare wachsen läßt, die KrebspatientInnen verlören. Das Geld das man sonst für Rasieren ausgebe solle man für Aufklärung und Vorbeugung usw. spenden. Die Webseite ist Teil einer Awareness-Kampagne der American Cancer Society. Daß man sich auch als Frau trotz bärtigem Hütchen-Symbol noch angesprochen fühlen darf, verrät der Subtext, also Aufforderungen wie "skip that waxing appointment" und "let those legs get mangly" ("Mangly" sagte mir gar nichts, nach dem Urban Dictionary zu urteilen, könnte es sich da um ein Portemanteau aus 'manly' und 'ugly' handeln.) Soweit mir bekannt ist Waxing und Beine rasieren immer noch zu großen Teilen Frauensache.

Zwei weitere Klicks weiter (bei Wikipedia und auf der Website movember.com) erfahre ich, daß es den sogenannten Movember bereits seit 2004 gibt und mit dem Stehenlassen von Schnurrbärten Aufmerksamkeit für das Thema männliche Gesundheit, spezifischer Prostata- und Hodenkrebs, erzeugen möchte. Tatsächlich ist Movember auch mehr als ein Portemanteau aus November und Mustache (Schnurrbart) - nämlich eine weltweit operierende NGO, die Movember Foundation. MoSisters sind hier explizit nur noch die Frauen die Schnurrbärte lieben und die Männer aka MoBros supporten. Na, dankeschön!

Meine vierte Anlaufstelle beim Urban Dictionary dann auch angekommen am Tiefpunkt des Rumgemackers - da wird (keine Ahnung wie selbstironisch) das Abfeiern von Maskulinität qua Nicht-Rasieren als Hintergrund des NoShaveNovembers festgehalten. Tja... soviel zu nicht-rasierten Frauenbeinen.

Damit erschloß sich mir dann auch der Zusammenhang zum Mitmachverbot: Körperhaare stehen lassen ist natürlich keine 'weibliche' Sache, wie konnte ich das nur mißverstehen?! Frauenhaare sind eklig und unhygienisch und auch in Fällen einer politischen Kampagne nicht vertretbar. 

Was soll ich sagen?! Ich bin ein bißchen enttäuscht. (Euphemismus) Was ich da naiverweise für eine progressive Aktion für mehr Diversität verstanden hatte, ist trotz natürlich irgendwie sinnvollem Hintergrund (Cancer Awareness) weitestgehend doch nur so eine Mainstream-Veranstaltung, die an der bestehenden (Geschlechter-)Ordnung festhält und das 'subversive' Unterlaufen der Kampagne ist leider nur eine Randerscheinung.

Fest steht für mich jedenfalls, daß ich nächstes Jahr bewußt mitmache! Ein Hurra auf hairy legs!
Und wie haltet ihr's so mit der Rasierklinge?







Montag, 12. August 2013

Ist passende Unterwäsche eine Luxusfrage?

Als ich vor ca. fünf Jahren entdeckte, daß das Unterwäsche-Angebot in Großbritannien deutlich besser ist als hier, war ich nicht nur von der Auswahl begeistert sondern auch von den Preisen. Für um die 20£ bekam man schon einen BH im Sale, manchmal sogar für weniger. (Meine ersten BHs lagen mit 36FF/G noch deutlich mehr im Mainstream als meine momentane 32J)

Geht man in Deutschland in einen Unterwäscheladen liegt der Preis für einen BH locker bei 60€ und darüber. Als Grundausstattung für eine neu gefittete Frau würde ich minimal kalkulieren:

Drei gut sitzende Alltags-BHs, wenn möglich unterschiedliche Modelle, um eine bessere Bequemlichkeit zu gewährleisten (wie Schuhe sollte man BHs zwischendurch mal wechseln, damit die Belastung nicht immer an der gleichen Stelle ist. Außerdem muß man sie ja auch mal waschen…), pro Stück zwischen 50 und 70€ = 150 - 210€, ein Sport-BH à 50-60€ und ein Badeanzug/Bikini für ca. 80€
Das macht zusammen zwischen 280€ und 350€. Ein stolzer Preis für eine absolute Minimalausstattung finde ich. 

Eine Überschlagsrechnung von britischen Preisen läßt mich bei Standard-BHs à 30£, einem Sport-BH für 35£ und einem Bikini für 60£ nur auf einen Minimalpreis von 215€ kommen. Das ist immer noch saftig, aber immerhin mehr als 60€ weniger als der ‘deutsche’ Preis.

Warum ich hier so rumrechne? Weil ich finde, daß passende Unterwäsche keine Luxusfrage sein sollte. Klar sind das Summen, die viele Frauen zu zahlen bereit sind, die viele Frauen vielleicht auch einfach so für was anderes ausgeben würden. Es gibt aber genug sozial schwache Familien oder auch Einzelpersonen, die sich das so einfach nicht leisten können. Und ich meine damit nicht unbedingt die üblicherweise als Paradebeispiele genannten Studentinnen. Vergleichsweise zu Schülerinnen, Azubis, alleinerziehenden Müttern mit geringem Einkommen, überhaupt Familien aus prekären Verhältnissen und natürlich ALGII-Empfängerinnen sind Studis finanziell meist ganz gut gestellt. (Sonst könnten sie sich, so traurig das ist, das Studieren auch einfach nicht leisten.)

Die weit verbreitete Idee ist, daß man BHs für nen Zehner vom Grabbeltisch kaufen kann und 25, 30€ sind schon das Maximale der Gefühle. Alles darüber sind ‘sündhaft teure Dessous’, die selbstverständlich ein ‘Hauch von Nichts’ zu sein haben. Sowas schmachtet man in Hochglanz-Frauenzeitschriften ebenso an wie Taschen von Chanel oder ein Kleid von Prada. 

Mit der Realität hat das wenig zu tun – die Wäsche vom Kaffeeröster, Versandhaus oder der Textilkette des Vertrauens ist zwar günstig, aber die Größenauswahl ist klein, die Passform oft nur so lala und häufig ist auch die Qualität nicht besonders gut. (Im letzten Jahr habe ich ganz schön viele Unterbrustbänder gesehen, die eher die Konsistenz von Kaugummi hatten als die eines stützenden Kleidungsstücks.)

Für Frauen, die ‘exotischere’ Größen brauchen und das ist typischerweise schon recht schnell der Fall, denn meist gibt es ja nur 75-85ABCD, sind die niedrigpreisigen Stücke gar keine Option. Entsprechend ist auch die Idee, bei BHs könnte es sich um einen Luxusartikel handeln, der unter Mode oder Körperschmuck läuft, ausgesprochen lächerlich.

BHs sind in erster Linie Funktionskleidungsstücke und zwar derart daß man sie vielleicht am ehesten noch mit Schuhen vergleichen kann. Und schon dieser Vergleich hinkt, weil zwar Füsse auch sehr unterschiedlich geformt sind und oftmals billige Schuhe nicht ausreichend Support geben, aber im Vergleich zu der Vielzahl von BH-Größen, die man für ein vernünftiges Fitting braucht, wäre auch eine Schuhsortiment in fünf Weiten pro Größe zahlenmäßig noch nicht vergleichbar…

Na, ich schweife ab. Worauf ich hinaus wollte ich die Problematik, daß passende, qualitativ hochwertige BHs de facto ein Luxusprodukt sind und diese Fehlinterpretation was ‘Dessous’ in der Regel sein sollen durch eine gesellschaftliche Reduktion von Frauen auf Modepüppchen, deren Lebenszweck es ist sich für Männer aufzuhübschen, auch immer noch reproduziert wird. 

Ein BH soll ganz profan die Brust stützen, Bewegungsfreiheit ermöglichen und Rücken und Schultern entlasten. Das heißt nicht, daß man nicht auch viel Geld für einen Hauch von Nichts bezahlen kann oder soll. Wer Lust auf ‘schöne Wäsche’ hat und es sich leisten kann, kann sich ja welche kaufen, so wie man auch Sneaker oder High Heels oder sonstwas sammelt. 

Der springende Punkt wäre aber IMO eine Anerkennung der Problematik von passender Wäsche und niedrigem Einkommen, also bspw. die Einrichtung eines staatlichen Topfs aus dem man einen Zuschuß beantragen kann, überhaupt ein stärkeres Bewußtsein für die Funktionalität von Unterwäsche und eine bessere Berücksichtigung des objektiv vorhandenen Bedarfs.

Je länger ich mir angucke, wie viele Frauen sich mit schlecht sitzender Unterwäsche herumquälen und statt dem Markt, unqualifizierten Verkäuferinnen, eine misogynen Stimmung in der Gesellschaft usw. die Schuld daran zu geben, diese ständig nur bei sich selber und in der Fehlerhaftigkeit ihres eigenen Körpers suchen, desto wütender werde ich. 

Die Sache mit der falschen BH-Größe stellt sich so als ein wirklich grundlegendes feministisches Alltragsproblem dar, in dem sich widerspiegelt wie marginalisiert die Bedürfnisse von Frauen in unserer Gesellschaft doch eigentlich sind und wie stark sich die Wahrnehmung von Frauenkörpern auf Attraktivität und Schönheitsidealen fokussiert. 

So, Rant Ende.

(Sorry, ist mal wieder ein wenig unausgegoren, die ganze Sache, ich hab das jetzt einfach so runtergetippt…)

Yoda Hulk-Meme zur Untermalung meiner Stimmung...

Sonntag, 2. Juni 2013

D: Doves "Du bist schöner, als du denkst" Kampagne

In den letzten Wochen machte ein neuer Werbespot im Internet die Runde und in meinem Facebookstream fanden sich mehrere lobende Worte für diese neue Kampagne: 


Wer den Spot nicht sehen kann oder will, es geht im Prinzip darum, dass Frauen ihr Gesicht einem forensischen Zeichner beschreiben. Danach beschreiben Fremde, mit denen sie sich kurz vorher unterhalten habe, diese Person. Das Ergebnis ist, dass die Fremden, die Frauen mit weitaus positiveren Attributen und Worten beschreiben als die Frauen sich selbst. Daher kommt Dove zu dem Schluss, dass  Frauen oft selbst ihre eigenen schlimmsten Kritiker sind. Die Tagline ist dann auch "Du bist schöner, als du denkst" ("You are more beautiful than you think").

Dieser Spot ist Teil von Doves Rebranding und PR-Strategie seit 2004 in der wahre oder realistische Schönheit fernab von Photshop und dem professionellen Modelbusiness zelebriert wird um Frauen auf ihren Weg zur Selbstakzeptanz und mehr Selbstbewusstsein zu helfen. Hier kann mensch, leider nur auf Englisch, mehr über die Geschichte der Kampagn lesen.

Ich mag diese Kampagnen dafür, dass sie tatsächlich manchen Frauen ein gutes Gefühl über sich selber geben und bin dankbar dafür, dass Dove eine Diskussion zu dem Thema Schönheit, (Selbst)Wahrnehmung und Selbstbewusstsein angestoßen hat. Damit stehen sie noch immer allein auf weiter Flur da und zu oft werden Frauen in den Mainstreammedien und der Werbung sehr formalistisch und idealisiert dargestellt.
Das Problem was ich, und andere, mit dem Thema haben ist allerdings haben hat eher damit zu tun, dass Dove ein nicht völlig inklusives Schönheitsbild propagiert, zu Unilever gehört, und eben Pflegeprodukte vertreiben möchte.

In dem Spot sind dünne Frauen zu sehen, alle vier Hauptprotagonisten sind keine People of Color, keine ist älter als 40, keine ist behindert, keine ist dick. Diese Frauen sind konventionell schön. Nur erkennen sie das nicht selbst. Was mich aber wirklich geschockt hat war der letzte Satz einer der Teilnehmerinnen: "Ich sollte mir meiner natürliche Schönheit stärker bewusst sein. Denn das hat schließlich auch Auswirkungen darauf mit wem wir befreundet sind, für welchen Job wir uns bewerben oder wie wir unsere Kinder behandeln. Es hat einfach Auswirkungen auf Alles! Unser ganzes Glück kann davon abhängen." ("I should be more grateful of my natural beauty. It impacts the choices and the friends we make, the jobs we go out for, they way we treat our children, it impacts everything. It couldn’t be more critical to your happiness."). Das heißt es ist unser Aussehen was unser Leben und unser Glück bestimmt? Das ist sicherlich keine besonders aufbauende oder positive Botschaft. Oder meint das "it" im Original das Selbstbewusstsein, dass aus dem Wissen um die eigene Schönheit erwächst? Das wäre weit weniger problematisch, würde aber immer noch implizieren, dass man eben dünn, jung, gesund und weiß sein muss um schön zu sein. Interessant ist auch, dass in den meisten Werbespots der Kampagne Frauen gezeigt werden die unzufrieden mit ihrem Körper sind und es kommen keine Frauen zu Wort, die sich bereits als schön empfinden und somit als Vorbild dienen könnten. Stattdessen wird Aussehen als deterministischer Faktor des Schicksals gehypt, das mensch, so die unterschwellige Nachricht, mit Schönheitsprodukten noch verbessern kann.

Natürlich ist es im Interesse eines Unternehmens, dass Pflege- und Schönheitsprodukte herstellt, diese möglichst viel unters Volk zu bringen. Daher sollte man sich bewusst sein, dass wenn mensch Doveprodukte kauft, man nicht das Projekt unterstützt alle Frauen selbstbewusster zu machen und ein inklusiveres Bild von Schönheit zu verbreiten, sondern ein gewinnorientiertes, multinationales Unternehmen unterstützt. Dove gehört zum Unilever Konzern, der unter anderem auch relativ aggressives Marketing für seine Cremen zur Hautaufhellung betreibt oder betrieb und zu dem auch Axe gehört, ein Produkt dessen sexistisches Marketing fast schon legendär ist.

Links zum Thema (leider nur auf Englisch):

Was haltet ihr von dem Werbespot und der Kampagne an sich?





MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Montag, 26. November 2012

D/E: Normal ist Anders / Body Shaming

In English after the jump,
Vielleicht ist einigen von euch schon aufgefallen, dass hier im Gegensatz zu anderen Blogs aus der Boobosphere keinen Post zum Thema 'Große/Kleine/Mittlere Brüste sind schön' gibt. Nicht, weil wir Brüste nicht mögen oder schön finden, sondern weil wir versuchen wertende Beschreibungen zu vermeiden. Wir möchten mit unserem Blog Menschen primär helfen, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen, egal wie dieser beschaffen ist.

Vielleicht habt ihr auf Social Media Seiten schon dieses Meme gesehen:

"Wann wurde das ... heißer als das?" (Quelle unbekannt)
Oberflächlich betrachtet scheint dieses Bild ein Protest gegen den 'Magerwahn' zu sein, bzw. die gesellschaftliche Tendenz sehr schlanke Frauen* als wenn auch nicht unbedingt die Norm dann doch als Ideal zu propagieren. Diese Bild wurde dann auch entsprechend kommentiert: "Wer fährt denn schon auf solche Klappergestelle ab?!", "Das ist doch ungesund." und "Gruselig, da sieht man ja jeden Knochen". Problematisch wird es allerdings dadurch, dass hier ein Ideal gegen ein anderes ausgetauscht wird und die andere Seite geschmäht und lächerlich gemacht wird. Die Konsequenzen des Anderssein lasten hier dann eben auf den Schultern der schlanken Frauen*. Während es im medialen Main Stream, bzw. auf der Straße, dann doch die dickeren Frauen* sind. Wieder wird bewertet welche Körper 'gut' und welche 'schlecht' sind, statt Diversität zu akzeptieren und zu zelebrieren. Wieder zeigt sich, dass es okay und normal ist, den Körper von Frauen* zu bewerten, bzw. ihren Wert nach Äußerlichkeiten zu bestimmen und sie so zu objektivieren. Woher wissen wir denn, dass die Frauen* in der ersten Reihe an Essstörungen leiden und nicht 'natürlich' schlank sind? Vielleicht ist ihr Körpergewicht niedriger, weil sie dadurch mehr Cover, mehr Rollen, mehr Aufmerksamkeit bekommen und weil ihnen ihr Management im Nacken sitzt. Oder auch nicht. Und wer sagt uns, dass die Frauen in der unteren Reihe nicht auch dem Ideal ihrer Zeit entsprachen? Und vielleicht auch nicht unbedingt so aussahen, weil das ihr Wunschkörper war?

Es gab viele Blogger, die sich sehr kritisch mit dem oben genannten Meme auseinander gesetzt haben. Exemplarisch sei hier mal der Artikel bei der Mädchenmannschaft genannt (sicher gibt es noch mehr, aber ich bin schlecht mit bookmarken und auch nicht so 'drin' in der deutschen Blogosphere). Am Ende des Artikels findet sich ein Link zu diesem Bild:

"Wann wurde das ... heißer als das? Wurde es nicht. Sie sind alle wunderschön." Quelle: whirligigagogo.wordpress.com

Dieses Poster ist weit inklusiver als das erste Meme, da hier verschiedene Körpertypen als gleichwertig schön präsentiert und beurteilt werden. Wie einigen Kommentatoren des Mädchenmannschaftsartikels, geht mir dieses neue Poster nicht weit genug. Klar, es sind nun alles Frauen* einer Ära und es sich auch 'Women of Color' dabei. Ein Fortschritt keine Frage. Aber all diese Frauen* sind unter 50 (?), keine älter, alle wirken gesund, keine ist offensichtlich behindert, keine ist dick, keine ist ungeschminkt, alle tragen ‚sexy’ Klamotten, und schätzungsweise 100% sehen nicht so aus, wenn sie Samstags nach einer Partynacht vom Postboten um 8.00 Uhr aus dem Bett geklingelt werden. Bzw. wahrscheinlich auch nicht, wenn man sie im Discounter um die Ecke trifft. Sie werden also ebenfalls idealisiert dargestellt.

Jeder Mensch durchläuft nach seiner Geburt einen Prozess der Sozialisierung, bei dem bestimmten Werte und Normen in unsere Körper eingeschrieben werden und Teil des Rasters werden mit dem für uns die Welt begreifbar wird. Wenn wir immer wieder mit Bildern konfrontiert werden, die Frauen auf eine bestimmte Weise darstellen, werden diese normalisiert und zur Norm an der wir uns messen. Problematisch wird es wenn mensch dieser Norm nicht entspricht, was wenn mensch anders ist? Natürlich hinterfragen die meisten von uns diese medial simulierte Realität und den ungefilterten Effekt des Patriarchats und natürlich weiß jeder, auch ich, dass die wenigsten Frauen* diesem Ideal entsprechen können und das selbst bei vermeidlich perfekten Supermodels noch per Photoshop nachgeholfen wird. Aber manchmal hilft alles kognitive erkennen nichts gegen die kleine Stimme in meinem Unterbewusstsein, die anmerkt, wo meine 'Unzulänglichkeiten' liegen und die mich immer wieder mit anderen vergleicht. 

MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Samstag, 28. April 2012

D/E Brüste in der Presse Teil I/ Boobs in Media Part I

For English below...

Ich bin eine treue Leserin von Jezebel, einer feministischen Pressewebsite. Viele der Artikel dort regen zum Nachdenken an, sind amüsant oder stillen mein Verlangen nach Klatsch und Tratsch. Nur leider haben die guten Journalisten dort keine Ahnung vom Fitting. Es gab so einige Artikel, die ihr Unwissen zur Schau stellten, aber dieser hat mich doch am meisten aufgeregt: Danke Deutschland für deine eindrucksvollen Berichterstattung über die größten Brüste der Welt.

Der Artikel verweist auf einen anderen 'Artikel' auf der Website der BILD, der den schönen Titel Weltkarte der Brüste trägt. Natürlich ist der Artikel alles andere als ernst zu nehmen und der dazugehörige Blogpost auf BILDblog.de zeigt auch, dass das so faktisch nicht richtig ist, denn es gibt keinerlei empirische Erhebungen zu dem Thema. Aber statt darauf hinzuweisen, dass 
a) es gar keine Möglichkeit gibt so etwas ernsthaft zu vergleichen, da nicht alle Länder diese Daten erheben, bzw. die meisten Frauen ihre richtige Größe nicht kennen; 
b) die Erklärung, dass sich die Größe aus dem Verhältnis von UBB und Körbchen ergibt, zwar richtig ist aber ein Unterschied von 12-14 cm keineswegs einem A-Körbchen entspricht oder 
c) es auch Quellen gibt die sich ernsthaft mit Fitting auseinandersetzen und Tipps zum Thema geben, wird die BILDzeitung dafür gescholten, dass sie ihre (über) 3 Millionen Leser nicht mit qualitativ hochwertigerem Journalismus versorgen. Gute Güte, es ist die BILD und diese sind nicht gerade für ihren Publitzer-Preis verdächtigen investigativen Journalismus bekannt. Komisch wird es erst recht, wenn BILDblog behauptet, dass "(d)ass Skandinavierinnen und Russinnen sogar Brüste vor sich her tragen sollen, die im Durchschnitt (!) "größer als D-Körbchen" sind, lässt vermuten, dass die gesamte Karte einfach nur ausgedacht ist." Nöh, das ist wahrscheinlich versehentlich näher an der Realität dran als alle anderen Aussagen zum Thema Busengröße, die den Artikeln herumschwirren.

Ich kann gar nicht genau sagen, warum mich das so aufregt. Vielleicht weil ich solche Artikel in der BILD erwarte aber nicht von Jezebel? Wir alle wissen, dass viele Menschen keine Ahnung vom richtigen Sitz eines BHs haben oder ihre/ die Größe ihrer Mitmenschen nicht realistisch einschätzen können. Aber sollte nicht ein Magazin wie Jezebel, dessen Zielgruppe eindeutig Brustträger_innen sind und sehr viel Wert darauf legt keine Körperform auszugrenzen und zu diffamieren, mehr Ahnung von diesem Thema haben?


In English please, 

MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Montag, 12. März 2012

I'm a fookin' Rocket Scientist!

So, die Nörgelwoche ist zwar rum, aber kopfmäßig stecke ich immer noch an ein paar Punkten fest...

Echt beeindruckt hat mich die Beliebtheit des Kondom-Postings - wurde sogar bei der Mädchenmannschaft verlinkt. Wow. o.O (Sehr gefreut hab ich mich übrigens auch über das allgemeine Lob der Faserpiratin in ihrem Beitrag Busty Girl Problems. Daanke!)

Vor allem habe ich aber noch recht lange über die Einwände zu meiner Einschätzung des Agent Provocateur-Videos nachgedacht und darüber, wie eine systematische Analyse meiner Probleme damit aussehen könnte. (Weil es doch recht lang geworden ist, gibt es den Text erst nach dem "Jump")

Nur ganz kurz vorneweg: Selbstverständlich will ich nicht dieses eine Video als Wurzel allen Übels ausmachen - es gibt viele schlimmere Darstellungen; und wie noch niemand Amok gelaufen ist, nur weil er zu viele Egoshooter gespielt hat, so wird auch das eine Video niemanden zum Hardcore-Sexisten oder Vergewaltiger machen. Allerdings bilden solche Produkte die Spitze eines Sexismus-Eisbergs und eines Klimas, in dem Frauenkörper als verfügbar und objekthaft konstruiert werden. 

Bei Frauen kommt das auch so an - wie man an der Sache mit dem Tausch von Intelligenz gegen größere Brüste sehen kann. Da die Aufmerksamkeit, die man von Männern bekommt, häufig an ein sexuelles Interesse gebunden ist, ist offensichtlich für viele die logische Konsequenz, sexier, attraktiver, schöner sein zu wollen.

Ich meine, wie verrückt kann man sein, Intelligenz gegen optische "Verbesserung" eintauschen zu wollen? Umgekehrt würde ich mich noch drauf einlassen (kleinere Brüste, mehr Intelligenz. :D) - aber so? Damit reduzieren sich Frauen doch selbst auf ihre Funktion als Sex-Objekt?!

Neben dem Umstand, daß unter Anerkennung dieser 'Wahrheit' über das Geschlechterverhältnis unglaublich viel Zeit, Geld und Arbeit auf ein möglichst perfektes Aussehen verwendet werden muß, heißt das auch, das man platonische Freundschaften mit (heterosexuellen) Männern recht kategorisch ausschließt (bei der Gelegenheit übrigens eine Empfehlung der Friendzone-Rants von 'Paula') - irgendwie ist das furchtbar anachronistisch und echt traurig, oder?

Gar nicht phallisch gemeint sondern titelbezogen:
NASA Magnum Booster Rocket
Assoziiert habe ich übrigens zu der Intelligenz vs. Brüste-Entscheidung einen Charakter aus der britischen TV-Serie Misfits (eine Art Parodie auf Heroes): Kelly ist eine der fünf 'Misfits', die zur Strafe für kleinkriminellen Vergehen Sozialarbeit leisten müssen; durch ein Gewitter bekommen einige Menschen, u.a. die besagen fünf, auf mysteriöse Art und Weise Superkräfte, was zu allen möglichen Verwicklungen führt.
Kelly stammt aus der Unterschicht, ist extrem prollig (Chav-Stereotyp) und tough und - wie ich finde - eine ganz gute Identifikationsfigur. Komplexe, eigenständige, weibliche Charaktere sind ja leider auch heutzutage (fast 17 Jahre nach Xena und 15 Jahre nach Buffy) nicht allzu häufig zu finden.

In der dritten Staffel hat Kelly eine neue Superpower, die einen herrlichen Kontrast zu ihrem sonstigen Auftreten bildet - sie ist, wie sie es selbst so schön sagt "a fookin' Rocket Scientist", also eine Raumfahrt-Ingenieurin... Das will ich auch werden, wenn ich groß bin. ;-)
Video-Tribut an Kelly
(Achtung, Staffel 3-Spoiler!)



Habt ihr auch weibliche Identifikations-/
Lieblingsfiguren aus TV-Serien?

Donnerstag, 8. März 2012

Frauentagsambivalenz...

Heute morgen weckte mich eine gut gemeinte SMS einer Freundin, die mir einen "kämpferischen Frauentag" wünschen und "solidarische Grüße" überbringen sollte. Reflexartig zuckte meine skeptische Spock-Augenbraue... Dieser Tag ist also schon wieder, stöhnte ich innerlich und zog mir die Bettdecke über den Kopf.

Wahrscheinlich geht es mir wie den meisten Frauen -  ich fühle mich mit diesem "feierlichen Anlaß" nicht so richtig wohl. Nicht weil ich glaube, daß es sich dabei um ein Relikt aus der Steinzeit handelt, das angesichts der vollständig durchgesetzten Gleichheit von Männern und Frauen obsolet geworden wäre. Eher weil sich der Tag (wie alle diese Gedenk-/Info-und Awareness-Daten) besonders gut dazu eignet, das Problem der realen Ungleichheit den Rest der Zeit auszublenden; zumal es ja nicht mal um einen konkreten Punkt geht, der ins Bewußtsein gerückt werden soll, so wie es etwa der Equal Pay Day (dieses Jahr der 23. März) versucht.
Nein, es geht um "unsere Situation als Frauen" - insgesamt und das ganze Jahr über, weltweit, durch alle Classes, Races, Mileus, Orientierungen und was weiß ich. Nur halt schön konzentriert auf den einen Tag. Da wird dann zur Frauenrechten und Gleichstellungspolitik geschrieben, vorgetragen, demonstriert und gepostet, was das Zeug hält. Damit man morgen wieder zum Tagesgeschäft übergehen kann - und über Hardcore-Emanzen lästern, die den Hals nicht vollkriegen (Solln se doch mal zufrieden sein mit dem was se schon erreicht haben!), Vorurteile pflegen (Frauen sind nun mal mehr so... emotional.), Frauenquoten blöd finden (Die schließen ja Männer aus!) und Mario Barth womöglich lustig (Ist doch nicht ernst gemeint!).

Wobei für viele heute wohl nur der Tag ist, an dem frau im Supermarkt (Verzeihung: Kaufhalle), vom Chef oder von irgendwem anderen eine Blume geschenkt bekommt. (Jaja, ich bin ein assimilierter Wessi in Ostberlin. Eine geduldete Schwäbin quasi. Wobei ich nicht mal aus Schwaben komme... egal! Zurück zum Thema...)

Nun finde ich es ja schon auch irgendwie charmant, wenn man Gratulationen von Menschen bekommt, deren DDR-Sozialisation plötzlich wieder spürbar wird. (Man sieht sie direkt als kleine Pioniere vor sich. Wie süß!. ;-)) Der internationale Frauentag war schließlich ursprünglich mal eine genuin sozialistische Angelegenheit (bei Interesse: Wikipedia-Eintrag lesen!). Aber so richtig-richtig ernstgenommen fühle ich mich dabei trotzdem nicht.

Noch weniger von angedockten Konsumangeboten à la "Treat yourself with fancy lingerie" (=Verwöhne dich selbst mit chicer Unterwäsche)... Gleiches gälte dann ja auch für andere Frauen-Konsumartikel wie Lippenstifte, Handtaschen, Stöckelschuhe, eine Kitchenaid oder Tampons (haha). Betty Draper läßt grüßen...
Happy (!) International Women's Day halt. 

Kurzfristig habe ich überlegt, ob ich mich ein bißchen lustig machen soll und dazu aufrufen, heute lila Unterwäsche anzuziehen... aber damit bin ich wohl einfach zu spät dran. Nächstes Jahr dann...

[Ironie] Besonders schön finde ich übrigens auch die Herangehensweise von Familienministerin Kristina Schröder - die macht heute offiziell gar nix zum Thema Frauen. Außer den "Spitzenväter"-Preis zu verleihen. Ist ja auch unglaublich großzügig, bei den Kindern daheim zu bleiben, während die Ehefrau Karriere macht. Das ist schon eine Auszeichnung wert... [/Ironie]

Irgendwie habe ich eine Meckerwoche. Trotz frühlinghafter Stimmung. Ich hoffe mal, die schlechten Vibes nerven euch noch nicht total?! Ich übe mich jetzt mal in positivem Denken und versuche dem Event was abzugewinnen und vielleicht noch ein bißchen was zur Geschichte nachzulesen.

Was sind so eure Gedanken zum 8. März?


Beim Thema bleiben...  Heute: Internationaler Frauen(kampf)tag 2012  bei der Mädchenmannschaft (Nicht nur dort natürlich.)



Comments:

  • Meine Gedanken zum achten März? Mein Freund hat Geburtstag, sonst nichts ;) Da bin ich auch ganz unemanzipert und stelle meine "Rechte" heute zurück und stell mich in die Küche um was tolles für ihn zu kochen ;)
  • Ich habe gesprochen, hugh!

    Ich denke, du hast gut abgedeckt, was ich mir bei solchen "Awareness" Tagen oft denke - morgen ist ja alles wieder paletti und außerdem: Diese Frauen immer, extra Tage brauchen&#039s! Was ist mit uns armen Männern...Gott, ich höre schon meinen Ex-Lehrer, wie er über Stellenausschreibungen jammert, wo "bevorzugt" weiblich drinnen steht - omgz wie diskriminierend.

    Dass die Welt aber seit jeher männlich perzipiert wird, ist ja vollkommen - jetzt kommt&#039s - normal. Dass nicht mal Krankheitssymptome für beide Geschlechter gleich sind, man aber von einem Standardpatienten ausgeht, der natürlich männlich ist, ist doch nur Feministenhysterie.

    Es widert mich an, dass es 2012 immer noch nicht möglich ist, "Menschen" zu beschäftigen, nicht extra "Frauen", die gleich mal im Jahr Tausende Euro weniger verdienen, alleine der Tatsache wegen, dass sie ihre Reproduktionsorgane intern tragen.

    Aber Gott sei&#039s gedankt gibt&#039s den Weltfrauentag!

    ...ah, ich steigere mich rein. Sorry ;)
    My recent post Review: Burt’s Bees Tinted Lip Balm

  • george
    Bitte nicht fürs Sich-Reinsteigern entschuldigen! (Ich bin ja eine große Freundin des Meckerns, Nörgelns und Schimpfens!)

    Des weiteren: Zustimmung! :D
  • Leni
    Hm, manchmal nervt mich die ganze Debatte wirklich, da hab ich das Gefühl, manche nörgeln nur aus Fleiß an jeder Kleinigkeit rum (nicht dass damit du gemeint bist). Aber als ich heut einen Artikel über die "Spitzenväter" gelesen hab, hab ich mich auch extrem geärgert. Einmal wurde eine Vorzeigefamilie vorgestellt (der Mann hat sieben Kinder, drei davon Pflegekinder, einen Hund, eine Katze, einen Job als selbstständiger Seelsorger und eine Frau die Krankenschwester ist. Wirklich bewundernswerte Leistung, aber wieso verdient er mehr Ehrung als seine Frau?) und ein alleinerziehender Vater (seine dreijährige Tochter heißt Zora-Fee, wenn das mal nicht Gefährundung des Kindswohls ist).
    Ich glaub ich lass mich jetzt auch schwängern und nenn mein Kind Heinz-Kobold, mal schauen wieviele Preise ich bekomme.

Dienstag, 6. März 2012

Best of: Frauenfeindliche Werbung der letzten Zeit

Quelle
Sex sells. (Seit gestern unglaublich viele Klicks für mein Kondomgrößen-Posting bekommen. Dankeschön. Ist ja auch ein wichtiges Thema!) 
Seximus aber offensichtlich auch, sonst gäbe es nicht so viel bescheuerte Werbung. Nachdem ich in letzter Zeit einen guten Teil meiner Freizeit mit der Diskussion von wirklich bodenlosen Kampagnen verbracht habe, hier mal ein "Best of"...

Den Anfang machte ein Clip von PETA, die ja bekannt sind für geschmacklose Reklame (ich sag nur: "der Holocaust auf deinem Teller"), in dem man eine Frau sieht, die wirkt als wäre sie verprügelt/vergewaltigt worden - sie trägt eine Halskrause und nur Unterwäsche unter ihrem Parka. Während sie sich eine Treppe hochschleppt, wird sie von schräg unten gefilmt, so daß man ihr verrutschtes Höschen sehen kann. Der Grund für ihren Zustand ist aber kein Mißbrauch, sondern daß ihr Freund neuerdings Veganer ist und es seither bringt wie ein "tantric Porn-Star". Äh... ja. Sieht voll chic und einvernehmlich aus, was die beiden da machen. Und sie bringt ihm sogar noch Nahrungsmittelnachschub, während er das Loch in der Wand zugipst, das dadurch zustande kam, daß er sie beim Vögeln, Verzeihung Geschlechtsverkehr - vorher wiederholt mit dem Kopf dagegengestoßen hat. 
Sorry Leute, das ist nicht kinky, das ist Körperverletzung!

Boyfriend went vegan:
Mehr Infos:  


Dann gibt es die allgegenwärtige Axe-Werbung zur Weltuntergangsprophezeiung, die mit so reizenden Sprüchen aufwartet wie "Prüf sie mündlich", "Such dir ne Stellung als Missionar" oder auch sehr schön "Egal was sie trinken will - besorg's ihr" - was nicht nur bei mir Assoziationen zu Date-Rape-Geschichten weckt. Aber hey, wenn schon die Welt untergeht, dann "Mach das Beste draus".
Der zugehörige Werbeclip wirkt gegen die Posterkampagne direkt harmlos - ein Mann baut eine Arche, besprüht sich großzügig mit dem beworbenen Deo und schon kommen die Frauen in Scharen angetrabt. 


Das letzte "Highlight" in der Gruselreihe bildet ein Werbespot der EON-Tochter "E wie Einfach":
Neben dem rassistisch/homophoben Gut-Drauf-Sein und dem etwas fragwürdigen Widerstand (ältere Dame haut einen scheinbaren Nazi-Skin - nachdem der auf den Boden gespuckt hat. Was sagt das jetzt über die - antifaschistische? - Motivation aus?! Eben! Im übrigen ist auch nicht jeder Skinhead ein Nazi.) gibt es noch Einfach-Einschlafen, in dem ein Typ seine Freundin per 'Head-Butt' ausknockt, weil sie sich beschwert, nicht schlafen zu können... Ja, wirklich!
Die Firma hat den Clip mittlerweile wieder zurückgezogen und die MacherInnen ihre Verwunderung darüber ausgedrückt, daß ihn manche Leute (zu?) ernst genommen haben. Tja. 


Siehe dazu auch die Beiträge bei der Mädchenmannschaft: E WIE EKELHAFT: Gewaltverherrlichender Werbeclip und "Du hast den Witz einfach nicht verstanden."

Ich bin wirklich entsetzt, was alles so als "witzig" durchgeht...

Passend zum Thema: or ein paar Tagen entdeckte ich bei Venusian Glow den Link zur ganzen Version von Killing us softly. Advertising's Image of Women von Jean Kilbourne. Wenn ihr euch erinnert, ich hatte vor ein paar Monaten schon mal den Trailer dazu gepostet und kann wirklich empfehlen, sich den ganzen Film anzusehen:  Teil 1 auf Youtube | Teil 2 auf Youtube
Es gibt natürlich auch ein paar Punkte, an denen ich nicht hundertprozentig einverstanden bin, aber das meiste, was so gesagt wird, finde ich recht einleuchtend.



Und, kürzlich auch beinahe in die Tischkante gebissen vor Wut?

Kommentare nach dem Jump.

Freitag, 17. Februar 2012

"Busty girl problems"... und die Bra Fitting Community

«Paula» von den Puzzlestücken hat mir gestern einen Link zugezwitschert: Busty Girl Problems ist eine Reihe von Comic-Strips, gezeichnet von der Blogbetreiberin Rampaige, die einige Probleme illustrieren, die man als großbrüstige Frau so hat oder haben könnte... Einige davon finde ich recht amüsant, andere eher traurig. Naja, gemischt eben.
Neben den Bildern gibt es noch Fragen und Antworten zu großen Brüsten bzw. passenden BHs. An einigen Punkten fühlte ich mich natürlich auch direkt bemüßigt, einen Kommentar zu hinterlassen. Leider ist Tumblr als Microblog nicht gerade kommunikationsfördernd; die Beiträge, zu denen ich gerne ein paar Worte gesagt hätte, konnte ich nur "mögen" (via Facebook natürlich *augenroll*).

Busty Girl Comics ist ein US-amerikanischer Blog, der an die englischsprachige Boobosphere offensichtlich noch nicht angedockt hat, so daß die Beiträge noch etwas von der desolaten Lage der Brafitting-Unaufgeklärten widerspiegeln.Wenn jemand beispielsweise eine Bademoden-Lösung in den Größen 38DD (=85DD) und M/L als Unterteil sucht, dann rollt sich bei mir direkt das Maßband in der Tasche auf... Das klingt nach einem klassischen Fall von "gefühlter Größe" und nicht nach einer realistischen Einschätzung der tatsächlich benötigten (aka gefitteten) - DD ist das größte bekannte Cup (aka Pam Anderson-Möpse). In der Kombination mit einem Unterbrustband 85, was soweit mir bekannt, etwa mit Konfektionsgröße 42 übersetzt wird, ist das dann das größte Cupvolumen, das man im Standard-Handel so finden kann.

Eine gefittete Größe 38DD oder 85E entspräche übrigens der mittelgroßen Brust einer etwas umfangreicheren Dame und vielleicht einem gefühlten B-Cup. Gefühlt soll heißen, nach dem gängigen (buchstabenphobischen) Vorurteil, daß ein A-Cup kleine Brüste bezeichnet, ein B-Cup mittlere, ein C-Körbchen bereits große, D sehr große und alles darüber ist quasi riesig. Ein H-Cup als "gefühlte Größe" entspräche dann etwa einer Lolo Ferrari-Brust; ein gefittetes H-Körbchen wird meist eher als DD/E-Cup interpretiert.
Na, ihr kennt die Story ja... (Wer masochistisch veranlagt oder auf der Suche nach einem Brechmittel ist, kann sich zum Thema "gefühlte Größen" und sexistische Vorurteile noch mal das extrem widerliche Bra-Meter reinziehen, das erklärt A=Almost Boobs, B=Barely Boobs, C=Can't Complain etc.)

Jedenfalls wäre eine Frau, der 38DD paßt, nicht außergewöhnlich busty - und die Frauen, die sie vermutlich zu größten Teilen tragen, dürfte, nach allen Erfahrungswerten, das Unterbrustband deutlich zu weit und das Körbchen wohl zu klein sein... [Zum Thema Buchstabenphobie vgl. MiaRoses gleichnamigen Blogbeitrag.]

Nicht zuletzt aus diesem Umstand - des rutschenden, drückenden, pieksenden, ganz und gar nicht sitzenden BH - resultiert für viele Frauen ein Gefühl von Unbehagen mit dem eigenen Körper. Man ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, die Brüste quellen bei heftigeren Bewegungen aus dem Körbchen oder sie wackeln einfach so unkontrolliert vor sich hin. (Wie in den Comics mit den zwei Sport-BHs oder den Flugzeugturbulenzen illustriert.)

Ich habe ja schon an mehreren Stellen erwähnt, daß ich Bra Fitting für eine genuin feministische Angelegenheit halte. Passende BHs sind für Frauen, völlig unabhängig von ihrer jeweiligen Figur, ein großer Schritt auf dem Weg zu körperlichem Wohlbefinden und zur Selbstakzeptanz. Es geht dabei gleichermaßen darum, sich mit dem eigenen Körper anzufreunden wie auch darum, ein Verständnis für die Probleme anderer Frauen zu entwickeln, also die eigene Perspektive zu erweitern. Bra Fitting ist dabei nur ein Moment in einem Gesamtkonzept eines liebe- und respektvollen Umgangs mit der realen Unterschiedlichkeit von Menschen und einer anti-normativen Positionierung gegen Zwänge, Ideale und Diskriminierungsformen.

In diesem Kontext ist die Aufklärungsarbeit von Brafitting-Interessierten auf der ganzen Welt auch als Kampagne für female Self-Empowerment zu verstehen und kann gar nicht genug angepriesen werden. Leider trennt uns ja eine Sprachbarriere von den Frauen in Polen oder in Großbritannien und den USA (bzw. allen anderen Nicht-Englisch-Muttersprachlerinnen, die auf Englisch bloggen), so daß der Austausch nicht besonders rege oder sehr einseitig ist. Das finde ich nach wie vor ärgerlich, denn die Community ist ja immer noch sehr klein und aufgrund der Sprach-Sache auch noch zusätzlich geteilt. Ich habe mich aber im Frühjahr recht bewußt dafür entschieden, auf Deutsch zu schreiben, weil es bis zu dem Zeitpunkt noch gar keinen deutschen Bra Fitting Blog gab und ich das als Ergänzung zu den Busenfreundinnen sinnvoll fand.

Denocte von den Kurvendiskussionen hat ja damals lustigerweise genau zum gleichen Zeitpunkt wie ich einen BH-Blog gestartet und sie führt gerade eine kleine Umfrage durch, ob es Bedarf an einer zusätzlichen englischen Version ihrer Beiträge gibt... ich prophezeihe ja, daß es den gibt. ;-) Die Frage ist nur immer, ob eine solche Übersetzung oder zumindest Zusammenfassung leistbar ist.

Tja, ihr seht schon, ich komme gerade mal wieder vom hundertsten ins tausendste... Schlußbemerkung nun also: Wenn ihr gute Blogs/Seiten kennt, die noch nicht in den D&D-Links oder Blogrolls gelistet sind, laßt mir doch die URLs zukommen! Ich freu mich immer über Links.
Und: Schaut doch auch selber mal bei den ganzen tollen Blogs meiner Blogroll vorbei - ggf. kann man fremdsprachige Seiten auch mit dem Google Translator halbwegs verständlich machen!

Wie findet ihr die Comics? 
Lest ihr regelmäßig andere Bra Fitting Blogs?

Comments:
  • Ein klasse Beitrag! Die &#039Busty Girl Problems&#039 kannte ich schon und stimme dir da auf ganzer Linie zu. Ich befürchte die Dame bräuchte einfach mal ein gescheites Fitting.
    Für die Blogroll: Lingerieaddict!
  • george
    Dankeschön. :)

    Lingerie-Addict ist schon bei den Links dabei (unter kommerzielle Lingerie Blogs) - ich hab nur keine eindeutig kommerziellen Blogs in die Brafitting-Blogroll aufgenommen, weil die dann ständig die ersten Plätze belegen, vgl. meine andre Blogroll. (Außer, ähem, *räusper*, Brastop. Aber die eigentlich wegen der Gastbeiträge von UK-Bloggerinnen und der BH-Reviews...)

Sonntag, 22. Januar 2012

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Kürzlich stellte ich fest, daß uns dieses Jahr gleich zwei Kino-Versionen von Schneewittchen bescheren wird, nämlich Snow White and the Huntsman mit Kristen Steward (Twilight) als Snow White, Chris Hemsworth (Thor) als Huntsman und Charlize Theron als böser Königin sowie Mirror, Mirror mit Julia Roberts als Stiefmutter, Sean Bean als König (Irgendwann wird er mal wieder nen Charakter spielen, der das Ende vom Film erlebt… *daumendrück*) und Lily Collins (Priest) als Schneewittchen. Daneben wird es im Februar noch einen Direct-to-DVD-Release von Grimm’s Snow White mit Eliza Bennet (Inkheart) in der Hauptrolle geben.

Bildquelle: Wikicommons
Ich muß gestehen, daß mich die offensichtlich anhaltende Beliebtheit des Stoffes ganz schön überrascht – aus feministischer Perspektive betrachtet ist die Geschichte ja schlichtweg eine Katastrophe: Nicht nur wird die Stiefmutter zum giftmischenden, menschenfressenden Monster stilisiert, sondern auch noch mit Schneewittchen als unschuldig-naivem, hausfräulichem Ideal kontrastiert, dessen genuine Jugend und Schönheit vor der pervertierten Eitelkeit einer älteren Frau gerettet werden soll. Wahrscheinlich gibt es kein misogynes Klischee, das das Märchen ausläßt. Und obwohl man die Sache ja auch etwas anders interpretieren könnte, wird diese Dichotomie von Hure/Hexe und Heilige nun in jeder Adaption der Geschichte - mal mehr mal weniger extrem - reproduziert. Während Mirror, Mirror, dem Trailer nach zu urteilen, eine Art augenzwinkernde Komödie sein soll, buchstabiert Snow White and the Huntsman den frauenfeindlichen Gehalt der Vorlage recht drastisch aus: Charlize Therons Charakter ist hier nicht nur eine böse, machtbesessene Hexe, sondern auch eine Art Vampirin, die anderen Frauen das Leben aussaugt. 

Eine ähnlich gruselige Darstellung gab es schon in einer Verfilmung mit Sigourney Weaver von 1997 (Snow White: A Tale of Terror), aber auch in Terry Gilliams Brothers Grimm (2005), in der eine böse Hexe (Monica Bellucci) junge Mädchen entführt, um mit deren Leben ihr eigenes zu verlängern. Sogar die Disney-Variante von Rapunzel (Tangled | 2010) erzählt von der bösen Stiefmutter, die Rapunzel als Quelle anhaltender Jugend mißbraucht.

Auch wenn in die Neuerzählungen immer mehr “mildernde” Umstände mit eingesponnen werden – etwa in der Form einer weniger passiven “Heldin” (Schneewittchen, respektive Angelika oder Rapunzel) – wird an der  Stiefmutter/Hexe als Inbegriff des Bösen doch durchweg festgehalten. Ihre kriminelle Energie speist sich dabei aus dem Wunsch, unnatürlicherweise (!) ewig jung und schön zu bleiben und damit (implizit) ihre Machtposition als “first lady” zu behalten, die sie eigentlich - aus Altersgründen - an Schneewittchen (oder eine andere Konkurrenz) abgeben müßte. Dabei wird nicht Schönheit als solche problematisiert, sondern Eitelkeit, Stolz, Neid und Hochmut - also die guten alten Todsünden... Schönheit ist erlaubt, solange sie "natürlich" ist und zweckfrei bleibt und die schöne Frau passiv, Gegenstand der Bewunderung irgendwelcher Kerle.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in der Konstellation stellt sich dann plötzlich die böse Stiefmutter als geschmähte Karrierefrau und damit irgendwie Sympathieträgerin dar und Schneewittchen als die Verkörperung einer Frauenrolle, die hinter eigentlich alles zurückfällt, was man jemals als emanzipative Errungenschaft hat betrachten können. Das ist schon auch eine merkwürdige Situation, denn Schönheit als Mittel der Macht ist ja nicht unbedingt etwas, das man affirmieren möchte, oder?


Die Idee, der “Wert” einer Frau und damit verbunden ihr Einfluß (nämlich auf die Männer) ließe sich auf ihre körperliche Attraktivität reduzieren, ist natürlich keine Erfindung irgendwelcher Märchenerzähler, wenngleich sie auch in allen möglichen Geschichten von der Antike bis in die Gegenwart eine Rolle spielt: Die begehrenswerte Frau ist Motivation für Heldentaten, Ursache von Kriegen, ja sogar der Grund, weshalb die Menschen aus dem Paradies vertrieben wurden. Diese Vorstellungen prägen durchaus sehr nachhaltig unsere Vorstellungen von Identitäten und damit auch irgendwie die Realität. Wenn man beispielsweise mal versucht aus der Menge aller möglicher berühmter Frauen der älteren und neueren Geschichte, diejenigen auszuklammern, die vor allem über ihre Schönheit und/oder ihre Liaison mit einem einflußreichen Mann bekannt geworden sind, bleibt eine erschreckend kleine Zahl übrig. (Die Mütter kann man auch mal rausrechnen.) Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen, Schriftstellerinnen, erfolgreiche Unternehmerinnen oder Künstlerinnen sind nicht nur im Vergleich zu ihren männlichen Pendants bis heute extrem in der Minderzahl, sondern auch gegenüber all den weiblichen Stars, IT-Girls, Musen und Geliebten, die ihren Ruhm ihrer Attraktivität verdanken.

Weibliche Schönheit gerinnt damit zu einer Art von schlechtem Äquivalent für die Leistungen von Männern, seien es nun Erfindungen, Entdeckungen, Eroberungen oder sonst was; und bestenfalls ist sie auch noch so natürlich und unschuldig ist wie die von Schneewittchen - ohne den Beigeschmack künstlicher Hilfsmittel versteht sich.

Nun wirkt sich dieses gesellschaftliche Klima nach wie vor auf die individuelle Entwicklung und Sozialisation von Mädchen aus. Sicherlich gibt es heutzutage noch andere Karriereoptionen als Haushälterin bei den Sieben Zwergen und Hochzeit mit dem Prinzen oder eiskalte Hexe, die versucht sich einen Millionär zu angeln - trotzdem werden Kinder immer noch mit Prinzessinnengeschichten und Hochglanzzeitschriften bombardiert, in niedliche Kleider gesteckt und gelobt wie süß sie darin aussehen, gemaßregelt wenn sie zu viel (Süßes) essen, ermahnt, schön schlank zu bleiben, gehänselt wegen ihrer Brillen, Zahnspangen, Pickel, Körperhaare, Brüste, Klamotten usw. - kurz: indokriniert mit dem Dogma des "ansprechenden Äußeren".
Der Mangel an Role-Models, die nicht über körperliche Attraktivität definiert sind, führt genauso wie immer noch existierende und immer wieder wiederholte Anspruch an Mädchen gesellschaftliche Schönheitsideale zu erfüllen dazu, daß Optik nach wie vor einen, wenn nicht den zentralen Aspekt weiblicher Identitätsbildung darstellt.
Wen wundert es also, wenn viele Frauen tatsächlich genau wie Schneewittchens böse Stiefmutter den Tag mit einem überkritischen Blick in den Spiegel beginnen und die damit verbundene Erkenntnis der eigenen Imperfektion wiederum einige von ihnen in eine tiefe Krise stürzt? Die Balance zwischen Selbstakzeptanz und Perfektionsanspruch oder Selbstverbesserungstechniken und Körperschemastörung zu halten ist bisweilen schwierig; nicht umsonst leiden so viele Frauen unter Esstörungen und Minderwertigkeitskomplexen.
Im Zeitalter des Photoshop-Schneewittchens hat man als böse Königin sowieso von vorneherein verloren: Mit dem perfekten Bild der Anderen kann kaum jemand mithalten. Irgendein Makel wird sich immer finden, der die reale Frau von den quasi-fiktiven Schönheiten der Medien unterscheidet, deren ikonographische Perfektion andererseits mit jedem Jahr, jeder zusätzlichen Makeup-Schicht, jeder OP und jeder Botoxspritze bröckelt, bis sich das Schneewittchen schließlich selbst als böse Stiefmutter entpuppt. Das Phantasma der natürlichen Schönheit zerfällt in seine künstlichen Bestandteile, nur um gleichzeitig umso fanatischer behauptet zu werden.

Dabei ist es langsam höchste Zeit, dem Märchenquatsch ein Ende zu bereiten und den Teufelskreis zu durchbrechen: Frauen mögen – alle auf ihre Weise – schön und attraktiv sein, aber wir sollten nicht ewig darauf reduziert werden. Warum können wir zur Abwechslung nicht mal die Jäger, Prinzen oder Zwerge in der Geschichte sein?!

Das "Original" zum Nachlesen - Gebrüder Grimm: Schneewittchen

Bei der Gelegenheit, weil es gerade paßt, noch ein Link
zu einem Blogbeitrag über Frauenfiguren in Fernsehserien: 
denkwerkstatt: Fernsehen. Mein persönlicher TV-Frust

Der Trailer von Snow White and the Huntsman



Snow, Glass, Apples
Eine etwas ungewöhnliche Version der Geschichte,
in der Schneewittchen eine Vampirin und ihre Stiefmutter die Heldin ist.
Geschrieben von seiner Großartigkeit Neil Gaiman.

part one, read by Bebe Neuwirth and the Seeing Ear Theater.

Edit: Political Correctness wäre aber auch was anderes...  
Edit2: Öööhm. Kinky. Oder besser: disturbing.
Triggerwarning vgl. Plot / Wikipedia.


Kommentare nach dem Jump

Samstag, 3. Dezember 2011

Crossposting: Unterstütze 20 Mädchen in Kamerun mit einer Spende an eine Graswurzel-Organisation

Vor Weihnachten wird man ja bombardiert mit Spendenaufrufen - jenseits von den eher alltäglichen Advents-Ausprägungen wie Geschenkestress und Familienstreit, aber auch Plätzchenbacken und Weihnachtskarten basteln, wird damit an die christlichen Grundlagen von Weihnachten als "Fest der Liebe" appelliert. Vielleicht trägt auch die Tatsache, daß das Jahr sich dem Ende zu neigt und ein neuer Zettel mit guten Vorsätzen von 2012 auf uns wartet, dazu bei, daß die Spendenbereitschaft im Dezember relativ groß ist. Allerdings stellt sich dann auch immer wieder die Frage: An welche Organisation spende ich am besten? Wo versanden meine paar Euros nicht in den Mühlen der Bürokratie oder noch schlimmer, enden in der Tasche irgendwelcher Privatpersonen? 
Wer vor diesem Dilemma steht, spenden zu wollen aber nicht zu wissen an wen, den möchte ich hiermit auf einen Beitrag meiner guten Busenfreundin palast hinweisen, die eine Aktion empfielt, die konkret 20 Mädchen in Kamerun fördern soll.

Vorab, worum geht's?
Finanziert werden soll eine Bildungseinrichtung, die jungen Frauen/Mädchen Möglichkeiten aufzeigen und eröffnen soll, ökonomische Unabhängigkeit zu erreichen. Im Rahmen einer 6monatigen Schulung sollen Einkommensoptionen vorgestellt werden. Darüberhinaus wird es Workshops zur Business Planung und Durchführung geben aber auch Aufklärung zu Familienplanung und Fragen HIV/AIDS betreffend. Das Projekt richtet sich gezielt an alleinstehende Mütter, junge Witwen, Schulabbrecherinnen und HIV-infizierte Frauen, also besonders prekarisierte Personen.
  
Tollste NGO der Welt braucht UnterstützerInnen

Ihr Lieben,

Kurzversion: Bitte, bitte bitte hier 10 Dollar spenden: Make an Impact on 20 Girl's Education - Cameroon

Langversion: 
Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier schon gepostet habe, dass ich einige Zeit in Afrika gearbeitet habe. Nach der Regierungsberatung in der Hauptstadt von Kamerun bin ich durchs Land gereist, und hab bei verschiedenen NGOs ausgeholfen. Diese waren von sehr unterschiedlicher Qualität und Form - so gab es NGOs, die sogar von internationalen Organisationen unterstützt wurden, aber eigentlich nur aus einer Familie bestand, die sich bereichert, oder auch NGOs, die gar nicht genau wissen wohin sie wollen..
Die längste Zeit blieb ich bei Reachout, einer NGO im Südwesten Kameruns, zwischen Meer, Nigeria und Primärwald, wo im Gegensatz zum Rest des Landes überwiegend englisch gesprochen wird. Die Organisation kümmert sich um alles, was mit HIV/AIDS und Armut von Frauen und Kindern zu tun hat. Auf Microebene werden z. B. Personen besucht, die HIV/Aids infiziert sind, und mit den nötigen Informationen zum Umgang mit der Krankheit, aber auch seelsorgerisch versorgt. Oder im Auftrag der Regierung wird geschaut, ob Aidswaisen gut versorgt sind, und falls nicht, für Schuluniformen, Bücher, Essen etc gesorgt. gerade diese aufsuchende Sozialarbeit ist unendlich mühsam und mit stundenlangen Bus- und Fusswegen über matschige Strassen und Berge verbunden und eine echte Herausforderung.

Auch ist die Organisation gut vernetzt und hat ihre Leute in Krankenhäusern und Informationszentren der Provinz, um sich um HIV/Aids Versorgung und Prävention zu kümmern. Sie nimmt unter den NGOs in der Provinz Southwest eine Vorreiterstellung ein, weil sie vergleichsweise international ist und immer an vorderster Front kämpft, wenn es darum geht, die Interessen der NGOs oder der Region zu vertreten. Kopf von Reachout ist eine phantastische Frau, Esther Oman, die ehrenamtlich als Direktorin der Organisation fungiert und einfach ein unglaublicher Quell an Energie und Engagement ist. Daneben gibt es noch einige bezahlte Kräfte und einige Freiwillige.

Obwohl die NGO zum Teil sogar Partner der Regierung ist und für diese viele Programme durchführt, ist sie als Organisation sozusagen bettelarm. Sie haben kaum Mittel um die wenigen Angestellten, oder die Miete der Büroräume zu bezahlen. Gezählt und gerechnet, archiviert undsoweiter wird per Hand und nicht per Computer. Esther steckt einfach jeden Euro in die Arbeit..

Reachout möchte endlich mal wieder ein eigenes Projekt machen. Diesmal geht es um ein Zentrum für Ausbildung und Starthilfe für junge Frauen und Mädchen, die ohne das Projekt in Armut leben würden. Zur Finanzierung machen sie bei einem Spendenmarathon mit, dessen Ziel es ist, Ende des Jahres 4000 Dollar von mindestens 50 Personen zusammenzukriegen. Wenn sie das schaffen, sind sie dauerhaft Mitglied einer Plattform, die regelmäßig Spenden einnimmt und an ihre Mitglieder verteilt und somit wäre bei Zielerreichung nicht nur das Projekt finanziert, sondern auch die laufenden Kosten der Organisation gedeckt.

Ich habe jemanden gefunden, der am Ende des Jahres die fehlende Summe aufstocken wird. Jedoch ist das nur sinnvoll, wenn bis dahin 50 verschiedene Leute gespendet haben. Daher nun mein Aufruf: klickt den Link unten, und spendet 10 Dollar! Ich versichere Euch, dass dieser Betrag zu 85% (15% Gebühren der Plattform) direkt bei den jungen Frauen in Kamerun ankommt, und die NGO dieses Geld ausgezeichnet und verlässlich einsetzt. (nix Nigeria-Connection) Darüber hinaus ist ein Multiplikatereffekt zu erwarten, von dem deutsche Volkswirtschaftler nur träumen können. ich zahle Euch das Geld zur Not auch zurück oder geb Euch was anderes dafür - es geht auch darum die 50 unterschiedlichen Leute zusammenzukriegen.

links auf der Seite findet Ihr Bilder und Projektbeschreibung, rechts die Spendenmöglichkeit.
http://www.globalgiving.org/projects/ma ... n-cameroon

Ich hoffe sehr, dass Ihr mir helfen werdet. Ich bin nicht gerade das, was man ein Fundraising-Monster nennt. Seid bitte nachsichtig mit mir, wenn meine Bitte irgendwie komisch rüberkommt. einfach bei Unklarheiten fragen =)

pala

FAQ:

Was ist eine NGO?
NGO steht für Non-Governmental-Organisation, also eine Organisation, die nicht der Regierung angehört. Prinzipiell sind auch Firmen NGOs, aber gängigerweise bezeichnet man damit gemeinnützige Organisationen mit vielen Freiwilligen. Gerade in der Entwicklungszusammenarbeit wird immer mehr dazu übergegangen über lokale NGOs zu helfen, statt über Regierungsberatung oder grosse fremdfinanzierte Projekte, weil die Organisationen von Ort die Bedürfnisse und Menschen viel besser kennen, als irgendein westlicher Gutachter.

Sind 15% "Provision" für die Plattform nicht ganz schön viel?
Ich fand auch, dass 15% viel ist. Aber mein sich mit Finanzen von Firmen auskennender Liebster (der auch den Aufstocker besorgt hat) hat auf mein Misstrauen hin recherchiert und befunden, dass die 15% für die Verwaltung der riesigen Geldmenge, die die Plattform einnimmt angemessen ist. Das sagt auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen, dessen Spendensiegel einen Verwaltungsabzug von 10-20% als angemessen bezeichnet. Weniger kriegen nur Organisationen hin, die den Verwaltungsaufwand aus eigener Tasche bezahlen, wie z. B. Deichmann Wort und Tat. reachout ist aber eine Grassroot Organisatione von Leuten vor Ort, was ich auch wichtig finde. Ownership undso.

Der "Girls Club" in einer Teeplantage | Bildquelle:
Make an Impact on 20 Girl's Education - Cameroon

 Website: reachout cameroon

Fragen zur Aktion könnt ihr gerne hier stellen - ich leite sie dann weiter
oder, falls ihr bei den Busenfreundinnen registriert seid, 

in diesen Thread: Tollste NGO der Welt braucht UnterstützerInnen

Freitag, 18. November 2011

Was Frauen wirklich wollen. Heute: Unterwäsche als Weihnachtsgeschenk?!

Edle Lingerie und hauchzarte Dessous - das ist doch was wir uns alle zu Weihnachten wünschen, oder?!
Na los, gebt's schon zu! Auch ihr da hinten in der letzten Reihe. Keine falsche Scham.
Und, werden euch eure Ehemänner, Lebensabschnittsgefährten, Geliebten und Herzensprinzen doch wieder nur neue Küchengeräte schenken?! Grund die Scheidung einzureichen? Mitnichten! 
Die Unterwäschefirma Lascana zeigt uns wie wir Frauen uns wirkungs- und vor allem humorvoll und mit pädagogischem Geschick gegen solche Mißverständnisse zur Wehr setzen können. Ich präsentiere:

Denn... nur Frauen wissen, was Frauen wollen [sic!]


So, ich reiche jetzt statt der Popcorn-Tüte einmal den Kotz-Eimer durch.

Ist das nicht unfaßbar?!
Als ich den Werbespot letztes Jahr vor der Harry Potter 7.1-Vorstellung zum ersten Mal sah, hätte ich dem Cinestar beinahe ein Stück aus seinen Sitzmöbeln gebissen. Mein Freund konnte mich nur mit Mühe davon abhalten. (So ein Glück, wo hätten wir sonst den zweiten Teil sehen sollen?)

Also ja, das Anliegen des Unternehmens ist, Unterwäsche zu verkaufen, schon klar. Aber muß das auf einem Niveau wie bei den Drapers zuhause stattfinden? Irgendwie niedlich-dümmlicher Typ glaubt in hoffnungloser Navität, seine Frau stehe auf Küchengeräte (also bitte, das sind ja noch nicht mal die Kitchenaid-Ferraris, die er da anschleppt); sie ist von soviel männlicher Ignoranz nur leicht belustigt. Ist doch klar, worauf so heiße Feger wie sie abgehen: Länscheriee natürlich. Wie üblich bei männlichem Versagen tritt die Plan B in Kraft: Selbst ist die Frau (wow, wie emanzipiert) und sie zieht los, die begehrten Dessous eigenhändig zu erlegen, die sie dann - wie gerissen - genauso verpackt wie vorher die Kochutensilien. 
Nach so viel female DIY ähnelt die Bescherung dann komischerweise aber trotzdem einer 0815-Männerfantasie. Frau zieht sich bis auf die Unterwäsche aus, hält verführerisch eine Geschenkpackung vor sich - was will sie uns damit wohl sagen?! Vielleicht: "Pack mich aus, ich bin dein sexy Xmas Present?"... nur so ne Idee... Denn was der Typ eigentlich von ihr bekommt ist natürlich irrelevant. (Ich tippe mal auf nen Werkzeugkoffer zum Autoschrauben und eine Geschenkedition Davidoff Cool Water. Vielleicht auch ein Cocktailset "Old Fashioned".)
Und schlußendlich räkelt sie sich bei ihrem Kerl auf dem Schoß, der dabei selbstverständlich noch komplett bekleidet ist. Worst moment: Er stupst ihr paternal auf die Nase à la "Du bist ja eine ganz Freche." The End.

WHAT THE FRAK?! kann ich da nur empört rufen. Das ist ja wahrlich schlimmer als ein Toaster!

Also, bitte versteht mich nicht falsch: Nix gegen Wäsche als Weihnachtsgeschenk. Es gibt schließlich durchaus BH-Junkies unter uns. Oder vielleicht auch Paare, denen chice und/oder teure Lingerie für besondere Gelegenheiten wichtig ist. Also schenkt euch kinky Sextoys und fancy Dessous soviel ihr lustig seid. 

ABER, liebe Unterwäscheindustrie, bitte verschont uns mit solch mittelalterlichen Werbeclips.

Wir wissen alle, in Deutschland wurde der Humor noch nicht erfunden und offensichtlich auch nicht der etwas erträglichere "Tough-Hot-Chick"-Voyeurismus à la Tarantino, Rodriguez und Konsorten. (Hier mal ein Beispiel was ich damit meine: Bitch Slap Movie Trailer - Und ja, der Film ist wirklich so schlecht wie der Trailer.) 
Was ich damit sagen will: Es gibt sicherlich noch 1000 andere und bessere, witzigere, selbstironischere und erotischere Möglichkeiten, Dessous zu bewerben.

Immerhin könnte man dem Lascana-Spot noch zugute halten, daß wenigstens die weibliche Hauptfigur mal mit einer nicht-weißen Person besetzt wurde. In dem Fall macht es die Objektifizierung der Frau als auch noch "exotisches" erotisches Geschenkpäckchen meiner Meinung nach nur noch schlimmer.

Mein Fazit: Triple Face Palm for super-epic-fail!

Was meint ihr?

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