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Mittwoch, 10. Dezember 2014

#accept every body: Das postmoderne Geständnis, Teil 1

Wer sich ein bisschen in den alternativen Ecken des Internets (*hust* tumblr *hust*) herumtreibt, stolpert immer häufiger über ein Set von Selbstidentifizierungen. In der Regel beinhaltet das eine Geschlechtszuschreibung, also sieht sich die Person als weiblich, männlich oder nicht-binär (also weder männlich noch weiblich), dann ob die Person die Geschlechtisdentität annimmt, die bei Geburt erfolgt wird (cis = Übereinstimmung, trans = Nicht-Übereinstimmung). In meinem Fall wäre das bspw. so, dass ich mich als weiblich identifiziere, was auch das Geschlecht ist, dass mir bei Geburt zugeschrieben wurde. Nach dem Muster würde ich mich also als cis-Frau bezeichnen.

Der Sinn dieser Unterteilung erschließt sich für viele erst mal nicht, weil sie zwischen dem, wofür sie die Gesellschaft hält, und ihrer eigenen Geschlechtsidentität keine Differenz wahrnehmen. Wenn mich jemand als Frau XY anspricht, dann ist das ja für mich korrekt. Nun hat aber sicher jede/r schon mal so einen Moment gehabt, in dem jemandem ein Fehler in der Ansprache unterlaufen ist. Z.B. wenn ein Brief falsch adressiert ist. Wenn ich als Herrn XY angesprochen werde, rolle ich die Augen und denke mir “Näh. Wie kommen die denn drauf, dass ich ein Herr XY sein könnte…”

Das ist natürlich eine Kleinigkeit, aber es stört mich doch so ein bisschen. Ein prägenderes Beispiel war für mich der Beginn meiner Pubertät – ich habe mich als Kind sehr stark mit Jungen identifiziert. Das spiegelt sich jetzt noch in der Wahl meines Nicknames (Georgina ‘George’ Kirrin von den Famous Five/5 Freunden). Hätte ich die Wahl gehabt, wäre ich lieber ein Junge gewesen, denn Jungen sind mutig und stark und schnell und irgendwie besser als weinerliche Mädchen. Sic! (Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen) Doch dann kam der Moment, in dem ich es plötzlich beleidigend und verletzend fand mit meinem Tomboy-Outfit und den kurzen Haaren für einen Jungen gehalten zu werden. Im Zuge des Erwachsen(er)werdens begann ich mich doch als Mädchen zu identifizieren. Daran hing für mich auch eine heterosexuelle Begehrensstruktur: ich wollte als Frau wahrgenommen werden. Um meine Weiblichkeit zu verdeutlichen, habe ich dann angefangen meine Haare wachsen zu lassen und meine Augen zu schminken. Das ist dann ein Teil von dem was man “doing gender” nennt: eine Geschlechtsidentität performen.

Hier sieht man vielleicht schon – an dieser wirklich nur klitzekleinen Brucherfahrung mit dem was wir in der Regel unhinterfragt als Normalität wahrnehmen – dass sich an dem Punkt mehrere Selbst- und Fremdzuschreibungen überschneiden, die letztlich bestimmen, wer man ist.

Und wir haben wohl alle das Bedürfnis, in unserer Individualität und Besonderheit von anderen anerkannt zu werden, also so gesehen zu werden, wie wir uns auch selber sehen.

Hier setzt das an, was ich in der Überschrift so ein bisschen flapsig das postmoderne Geständnis genannt habe: ich beschreibe mich öffentlich mit einer Reihe von “Markern”, um der Festlegung von außen vorzugreifen. Und auch um klar zu machen, dass nicht nur die Abweichung von der Norm etwas ist, das man benennen muss. Es ist auch prägend, wenn man mit seiner (Teil-)Identität auf gar keine Widerstände stößt, also das Privileg hat, dass Fremd- und Selbstbild gar nicht oder kaum auseinanderfallen.

Wenn mich jemand kennenlernt, dann wird er oder sie ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass ich eine cis-Frau bin, weil optisch alles darauf hindeutet. Für mich gibt es da entsprechend kein Problem, ich sehe mich ja selber so.

Es ist aber auch wichtig festzustellen, dass es Leute gibt, die ständig falsch zugeordnet werden, eben weil sich ihr Erscheinungsbild nicht mit dem deckt, was die gesellschaftliche Erwartunghaltung ist. Oder einfach weil sie – Skandal! – sich in keiner der beiden zur Verfügung stehenden Schubladen verorten können/wollen.

Für jemanden, der noch nie darüber nachgedacht hat, erscheint das evlt. erst einmal schräg. Wir sind gewohnt, dass Menschen entweder männlich oder weiblich sind. Wenn wir jemanden nicht sofort zuordnen können, werden wir nervös. Vielleicht seid ihr auch schon mal im Bus jemandem gegenüber gesessen, den ihr nicht identifizieren konntet und habt euch dabei erwischt nach Bartstoppeln zu suchen oder den Hals auf einen Adamsapfel gescannt oder weiß der Teufel?

Es ist schwierig, das abzustellen, vielleicht unmöglich, aber wenn wir uns für liberal und weltoffen und progressiv halten (und ich hoffe, die LeserInnen dieses Blogs tun das ;)), dann müssen wir einfach mal festhalten, dass Individualität eben nichts ist, was notwendigerweise in unsere Denkschemata passt und unser Denken das ist, was sich anzupassen hat. Ich zumindest würde anderen Menschen gerne mit Respekt begegnen und sie so ansprechen, wie sie es sich wünschen.

Zur nichtbinären Identität gehört – zumindest im englischen Sprachraum – ein Sortiment von geschlechtsneutralen Pronomen. Also neben weiblichen (she/her) und männlichen (he/his) gibt es noch eine Reihe von anderen Pronomen, um deren Benutzung im Zweifelsfall gebeten wird. Am häufigsten ist ein einfacher Plural (they/their), der z.T. auch im Deutschen Anwendung findet. Eine Liste von anderen Optionen findet ihr bei der englischen Wikipedia im Artikel Gender-neutral pronouns.

Im Endeffekt geht es beim postmodernen Geständnis also um zwei Dinge: dass Menschen so angesprochen und betitelt werden, wie sie es möchten – aber auch darum, dass sichtbar gemacht wird, dass üblicherweise verwendete Zuschreibungen nicht selbstverständlich sind.

Wenn ich also über mich sage, ich bin cis-weiblich und für mich sollten bitte die Pronomen sie/ihr verwendet werden, das erscheint das erst einmal überflüssig. Aber gerade so kann ich zeigen, dass es eben keine ‘natürliche Sache’ ist, sondern eine gesellschaftliche, in der sich Fremd- und Selbstzuschreibung nicht zwingend harmonisch verhalten.

Puh, ja, starker Tobak für einen Lingerieblog, ich gebe es zu.
Allerdings gehört das für mich zur Kampagne “accept every body” schon ziemlich essentiell dazu. Und so richtig Brafitting-interessiert bin ich leider gerade nicht - ich hoffe, ihr findet das Thema nicht allzu off topic und vielleicht doch ein bisschen interessant und auch wichtig.

Ich mache jetzt hier für heute mal einen Cut. Demnächst mehr über Sexualität, Hautfarbe, Herkunft, und was sonst noch so dazu gehört...

Habt ihr schon eine Meinung zum Thema?
Immer her mit den Kommentaren!

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Jessica Simpson for Esquire via 90swoman.wordpress.com

Sonntag, 23. November 2014

Arte: Busenwunder, ein “Meisterwerk der Evolution”

Monate des Schweigens und eine Arte-Doku holt mich nun aus den Tiefen der Versenkung. Verrückt.



Erst einmal ein groooßes Dankeschön an Anja, die hier so lange die Stellung gehalten hat. Red rose
Zu meinem Hiatus sag ich bei Gelegenheit noch was.

An dieser Stelle nur eine kurze Notiz - am Freitag (21.11.) wurde auf Arte eine Dokumentation namens “Busenwunder” ausgestrahlt (in der Mediathek verfügbar bis voraussichtlich 28.11.2014, Wiederholungen am Dienstag, 02.12. um 1:50 Uhr und am Dienstag, 09.12. um 8:55 Uhr). 

Da ich selber keinen Fernseher besitze und in der Regel auch nicht in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender rumschnurke, komme ich kaum in den zweifelhaften Genuß solcher vorgeblichen high-quality Produktionen. Insofern war ich auch ein wenig schockiert darüber, dass die gesamte Dokumentation darauf angelegt ist, biologistische Analogieschlüsse zwischen Tieren und Menschen zu ziehen und über “den Busen” zu sprechen, als sei das eine irgendwie selbstständige Entität jenseits jedes Bezugs zu Frauen (es wurde quasi ununterbrochen nur vom “Menschen” als Spezies gesprochen, crazy) oder gar gesellschaftlichen Zusammenhängen. Dass “der Busen” natürlich ein erotisch besetztes Organ ist, das ist ja auch ganz logisch weil [pseudonaturwissenschaftliche Platitüde 1] und [pseudonaturwissenschaftliche Platitüde 2] und hat NIX mit einer sozial bedingten Sexualisierung zu tun. Nö, gaaar nicht. Weil: Gesellschaft – was soll denn das genau sein? 

Naja, ich hab mich also so durchgequält. Abgesehen vom unerträglichen ideologischen Gehalt des Films wie die Begründung von Monogamie aus Hormonausschüttungen bei Feldmäusen – klar dass das bei Menschen identisch funktioniert, ne? – oder unsäglichen körpernormativen Aussagen, gibt es schon ein paar nicht uninteressante Infos (z.B. über Brustkrebsforschung, Giftstoffe  in der Muttermilch, Immunabwehr bei Säuglingen etc.)  – kann ja nicht schaden zu wissen, woran gerade so geforscht wird. Nur so einfach 1:1 glauben sollte man der Doku halt nicht.

Bei den Busenfreundinnen wurde übrigens darauf hingewiesen, dass die Doku wohl anläßlich des 100. Geburtstag des BHs lief – zusammen mit Bin ich sexy? (ebenfalls am Freitag ausgestrahlt und in der Mediathek auffindbar) und Bra Wars, das heute um 23:15 gesendet wird. 

Also, falls euch gerade langweilig ist und ihr euch ein bisschen ärgern aber auch ein bisschen informieren wollt – knock yourselves out!

Und, was haltet ihr von der Doku?

Mittwoch, 3. September 2014

Die Wahrheit über Büstenhalter - Das Interview


Das Bild, das Marcus Richter für seinen Beitrag verwendet hat, fand ich so gut, dass ich es gleich übernommen habe: Der "Purr-fect Bra" von Patti Haskins (Quelle)

Kurzmeldung:

Elisabeth (Denocte) von den Kurvendiskussionen und Eva von ParaNoire Design haben auf Richter.FM ein gut einstündiges Interview zum Thema Büstenhalter gegeben. Sehr empfehlenswert, hört doch mal rein:

Die Wahrheit #023 - Büstenhalter

Wie fandet ihr das Interview?

Anja ist seit November 2013 mit dabei. Eigentlich Diplom-Psychologin hat sie nach ihrem Studium erst einmal ihre Leidenschaft für Lingerie und die richtige Passform zum Beruf gemacht und arbeitet derzeit als Bra-Fitterin. Ihren Vorstellungpost findet ihr hier: Neue Autorin an Bord. Seit Juni 2014 schreibt Anja auch ihren eigenen Blog: Everyday Boudoir.

Faires für drüber & drunter: Urlaubszeit & Link-Tipps

Seele baumeln lassen unter blauem Himmel - sollte ich öfter machen!
(Foto: Privat von Anja)

Puh, letzten Monat war ja gar nichts los auf drüber & drunter (wie euch sicher aufgefallen ist). Ich war beispielsweise im Urlaub, hab den blauen Himmel genossen, die Seele baumeln lassen und mir eine Internetpause verpasst.

Dafür wird es im September wieder besser aussehen. Ich habe z.B. ein Interview mit der Designerin von ParaNoire Design und eine Review ihrer empfehlenswerten Panties in Planung. Außerdem möchte ich euch gern Made in Preston vorstellen: eine Firma, die in Großbritannien pfiffige busenfreundliche Kleidung, Bademode und Lingerie in den britischen Größen 55-85 DD-J produziert - und dabei noch erschwinglich ist.

Für heute gibt es eine kleine Übersicht über andere Blog-Beiträge zum Thema "fair produziert", falls ihr euch weiter zum Thema informieren möchtet:

Scarlet's Letter:

A Newbie's Guide to Shopping Ethically Made Lingerie
Made in Canada
Made Internationally
Made in UK
Made in USA


Anmerken möchte ich zu ihrem Beitrag "Made in UK", dass Eveden (Hersteller der Marken Freya, Fantasie, Elomi, Goddess und Huit8) meines Wissens nach nicht in UK produziert. In meinen Freya und Fantasie BHs steht im Label entweder "Made in Sri Lanka" oder "Made in Tunisia". Ich habe Bloggerin Amber aber gefragt, woher sie ihre Infos hat, vielleicht ist ja was an mir vorbeigegangen, und warte noch auf ihre Antwort!

The Lingerie Addict:

The Real Cost of Cheap Lingerie: Why Who Made Your Intimates Matters
Where to Buy Ethically Made Lingerie: over 60 Places to Start

Heute mal ohne Fragen zum Artikelende.

Anja ist seit November 2013 mit dabei. Eigentlich Diplom-Psychologin hat sie nach ihrem Studium erst einmal ihre Leidenschaft für Lingerie und die richtige Passform zum Beruf gemacht und arbeitet derzeit als Bra-Fitterin. Ihren Vorstellungpost findet ihr hier: Neue Autorin an Bord. Seit Juni 2014 schreibt Anja auch ihren eigenen Blog: Everyday Boudoir.

Freitag, 18. Juli 2014

Faires für drüber & drunter: Femkit - Made in Berlin!

 (Bild: Femkit)

Mögt ihr Kleider mit einer Mischung aus Vintage, zeitloser Eleganz und modernen Schnitten? Geht doch gar nicht, denkt ihr jetzt? Und wie das geht! Und zwar bei Femkit, einem Ende 2011 von Designerin Cindy Schlobinsky gegründeten Berliner Start Up, das mittlerweile zu einem kleinen Team aus lauter Frauen gewachsen ist. Und das Beste: Es ist alles Made in Berlin :) Und die Preise sind erfreulicherweise trotzdem noch erschwinglich. Entdeckt habe ich das Label vor ein paar Monaten auf DaWanda und habe diese drei Schmuckstücke auf meiner Wunschliste (Bilder: Femkit):

A.G.N.E.S war das erste Kleid, das ich von Femkit entdeckt habe und
war sofort hin und weg

Dann verfiel ich J.O.S.E.Y

Und wenn M.A.G.G.Y grad mal nicht vorübergehend ausverkauft ist,
werde ich sie mir am besten schnappen,
bevor das Kleid endgültig weg ist


Dieses Jahr scheint das Label richtig durchzustarten (ich finde es immer spannend, diese Entwicklungen mitzuverfolgen): Mitte Mai rief das Femkit-Team eine Startnext-Crowdfunding-Kampagne ins Leben, um im Berliner Malzwerk eine Modenschau am Vorabend der Fashion Week veranstalten zu können. Geschafft haben sie's und so konnten interessierte Besucher/innen am 07.07. die kommende Frühjahr-Sommer-Kollektion "Colours & Shape" bewundern. Ich war zwar nicht dabei (ich werde mir das aber echt mal überlegen, jetzt lebe ich schließlich schon in Berlin, da ist die Fashion Week ja direkt um die Ecke ^^), habe aber ein paar Bilder von Femkit zur Verfügung gestellt bekommen:
(Bild: Kowa-Berlin.com)

(Bild: Martin Lejeune)

(Bild: Kowa-Berlin.com)
 
War Femkit bislang auf Frauenmode ausgerichtet, kommt nächstes Frühjahr übrigens die Menkit-Linie dazu, die von Vera Kloiber entworfen und gesteuert wird, die 2012 noch Praktikantin bei Femkit war und mit ihrem Abschluss in diesem Jahr gleich richtig ins Team eingestiegen ist:

Links Cindy, rechts Vera - im M.A.G.G.Y-Kleid, würde ich mal sagen :D
(Bild: Kowa-Berlin.com)

Ein paar Eindrücke von Menkit (Bild: Marin Lejeune)
 
(Bild: Kowa-Berlin.com)

Neben Femkit und Menkit gibt es übrigens auch eine Femkit Bride's Collection und um diese drei Label unter einen Hut zu bringen, wurde vor kurzem die Modekonstrukt GmbH gegründet. Und genau dieses Modekonstrukt eröffnet im August ein Geschäft in der Eberswalder Straße. Da werde ich mich dann aber wirklich in die M10 (Straßenbahn) setzen, mir alles live ansehen und eigene Bilder schießen. Wozu wohne ich schließlich in Berlin?

(Bild: Femkit Modekonstruk)
Wie sieht's aus? Kanntet ihr Femkit schon? Und wie gefallen euch die Sachen?

Anja ist seit November 2013 mit dabei. Eigentlich Diplom-Psychologin hat sie nach ihrem Studium erst einmal ihre Leidenschaft für Lingerie und die richtige Passform zum Beruf gemacht und arbeitet derzeit als Bra-Fitterin. Ihren Vorstellungpost findet ihr hier: Neue Autorin an Bord. Seit Juni 2014 schreibt Anja auch ihren eigenen Blog: Everyday Boudoir.