D&D-Tip: Persönliche BH-Beratung in Hannover

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Dienstag, 21. Juni 2011

Wie sinnvoll ist ein Entlastungs-BH?

Heute mal wieder ein bißchen weniger Meinung und ein bißchen mehr Information - und zwar zum Thema Entlastungs-BHs. Als Entlastungs-BHs werden Modelle bezeichnet, die besonders viel Halt und Bequemlichkeit bieten sollen. Sie werden vor allem für große Brüste und/oder große Unterbrustumfänge empfohlen. Häufige Merkmale sind sehr breite Unterbrustbänder, bügellose Softcups, extra-Verstärkungen der Cups und extrem breite Träger.

Bildquelle: Anita, Produktseite Entlastungs-BHs
Ich hab mir hier mal ein Modell von Anita herausgesucht, die Nummer 5319. Wie man gut sehen kann, hat das Modell extrem breite Träger, die direkt in die Konstruktion übergehen. Bei genauerem Hingucken kann man auch erkennen, daß die Cups unten noch mal mit einem Band verstärkt sind. Darüberhinaus verfügt das Modell über einen Vorderverschluß, was für Frauen sicherlich von Vorteil ist, die nicht (mehr) so gelenkig oder durch eine Krankheit eingeschränkt sind.


Auf einer klitzekleinen, beigefügten Skizze kann man erkennen, wie die Entlastungsfunktion zustande kommen soll.

Laut Beschreibung sollen die eingefügten Bänder (orange) bei dem Modell die Bügel ersetzen. Die Träger sind gepolstert und am Rücken elastisch um die fehlende Verstellmöglichkeit auszugleichen.

Was soll ich sagen? Ein wenig schlucken muß ich bei der Sache doch. Klar, es gibt sicherlich einen Markt für das Produkt. Einige Frauen sind vielleicht mit diesem Modell sehr glücklich. Das will ich nicht absprechen.
Aaaber, Nummer 5319 ist für mich der Inbegriff dessen, wovor ich mich als großbrüstige Frau fürchte. 

Der hautfarbene Brustpanzer aus dem Sanitätsbedarf hängt seit meiner Jugend über mir wie ein Damoklesschwert. Nichts könnte weiter von meinem Selbstbild entfernt sein - und trotzdem drängt er sich in seiner Funktionalität scheinbar auf. Um ehrlich zu sein, waren Modelle wie dieses der Grund, weshalb ich über Jahre kein Fachgeschäft aufgesucht habe - aus der (wohl eher irrationalen) Angst, eine Verkäuferin stünde plötzlich mit so einem Gerät in der Umkleidekabine. Immerhin, so das Versprechen, sollen die Teile von allen Beeinträchtigungen durch große Brüste befreien. Keine kneifenden Unterbrustbänder mehr, keine drückenden Bügel oder einschneidenden Träger, unter denen sich Muskelstränge zu trotzigen Knoten zusammenballen.

Das vorgeführte Modell wird nun nur im relativ bescheidenen Größenspektrum zwischen Cup A-E und Unterbrustband 80 und 105 angeboten. Ich denke, es richtet sich recht deutlich an ältere Semester.
(Den Begriff Oma-BH haben die Busenfreundinnen aus Gründen von political correctness aus dem Vokabular verbannt und durch die allseits beliebte Bezeichnung (Brust-)Panzer ersetzt.  Die Sprachregelung haben wir für den Blog übernommen.)

Es gibt von Anita aber auch andere Modelle, beispielsweise die 5319 recht ähnliche Nummer 5409 (75-115 | A-H), aber auch die eher an herkömmliche BH-Designs angelehnten Nummern 5404 (75-120 | A-H), 5427 (75-120 | B-I) oder 5468 (75-105 | C-G). Der eingeschränkte Größenbereich des letzteren Modells mag damit zu tun haben, daß es sich hier um das einzige Modell mit Bügeln handelt.

Die große Gemeinsamkeit der Modelle besteht in ihren extra-breiten Trägern, die die Last der Brüste auf eine größere Fläche verteilen. 
Nun sollte ein gut angepaßter BH aber das Brustgewicht hauptsächlich über das Unterbrustband und die Körbchenkonstruktion aufnehmen. Im besten Fall sorgen die Träger nur dafür, daß die Brust angehoben wird, nicht jedoch für den allgemeinen Halt. D.h. wenn man die Träger über die Schultern streift, sollte der BH einigermaßen dort bleiben wo er hingehört.
Hierzu ist es relevant, 
  • - daß das Unterbrustband stabil ist und eng genug gewählt wird.
  • - daß die Bügel die gesamte Brust umschließen und nirgends auf dem Brustgewebe aufliegen.
  • - daß der Steg zwischen den Brüsten auf dem Brustbein sitzt
  • - daß die Konstruktion der Körbchen der Brust auch ohne Träger bereits Halt und Form gibt.

Panache Ariza pink, Sommer 2011
(Bildquelle: Panache Superbra)
In der Beziehung schwöre ich auf den Panache Ariza, der wirklich ganz großartig konstruiert ist. Ich kann ihn beinahe als trägerlosen BH tragen, so stabil ist er. Er wird im Bereich zwischen 30-40 (= 65-90) D-K und in drei Grund- sowie wechselnden Saisonfarben angeboten. 
Obwohl der obere Cupteil ab Cup GG nicht mehr (wie auf der Abbildung) transparent sondern doppellagig ist, finde ich ihn optisch gar nicht vergleichbar mit dem Sanitätslook der Anitas.
Die Träger sind bei der Größe 34H (wird, nicht ganz richtig, allgemein übersetzt als 75H) ca 1.3cm breit und schneiden überhaupt nicht ein.

Wie immer ist das eigentlich Ausschlaggebende für den richtigen Sitz die passende Größe - egal für welches Modell man sich entscheidet. Auch ein Entlastungs-BH in der falschen Größe wird seinem Versprechen nicht gerecht werden, sondern vielleicht nur das kleinere Übel zu herkömmlichen BHs darstellen. Wer also Probleme mit einschneidenden Trägern und Verspannungen im Schultern und Nackenbereich hat, sollte unbedingt den Sitz des BHs prüfen! Entlastungs-BHs oder auch die im Handel erhältlichen Trägerpolster aus Silikon sind nicht unbedingt die Lösung.

Wie bereits oben gesagt: Ich will nicht unterstellen, daß Entlastungs-BHs per se sinnlos sind, sondern nur aufzeigen, daß es für viele Frauen noch Alternativen gibt, die ich persönlich weitaus attraktiver finde.

Habt ihr Erfahrungen mit Entlastungs-BHs oder so Trägerpolstern?
Wie sieht euer persönlicher BH-Alptraum aus?  


Fragen, Anmerkungen, Feedback, Kritik etc. sind natürlich auch höchst willkommen.


Weitere Informationen:
Der erste BH-Passform-Check - Paßt er nun oder paßt er nicht?
Häufige Passform-Probleme - ein FAQ-Unterforum bei den Busenfreundinnen

Montag, 20. Juni 2011

Der Schöne und das Biest: Dessous vs. Büstenhalter...

Oder: Sollte ein BH in erster Linie schön oder praktisch sein?

Vorab: Natürlich muß das eine das andere nicht ausschließen. Es gibt BHs, die gut sitzen, Halt geben *und* hübsch aussehen. Aber...

(Wenn es kein Aber gäbe, würde ich hier ja wohl kaum einen Beitrag verfassen, oder?)

... die Frage zielt ja auf die Präferenz. Wo macht man ggf. Abstriche? Ist es wichtiger, daß der BH genau den eigenen optischen Vorstellungen entspricht oder legt man mehr Wert darauf, daß er seine Funktion erfüllt?
Hintergrund dieser Überlegung sind zum einen meine eigenen Erfahrungen, zum anderen die Reaktionen von Frauen, die sich bei den Busenfreundinnen haben beraten lassen und nun in den empfohlenen Größen nach BHs suchen.

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich früh eine Abneigung gegen weiße Unterwäsche entwickelt. Im Zuge einer jugendlichen Hippiephase habe ich alle meine weißen Baumwollslips und Unterhemdchen bunt gebatikt und das war das Ende der hellen Wäsche in meinem Schrank: Später habe ich immer erst zu schwarzen BHs gegriffen. Schwarz mit Spitze, wenn irgendwie zu ergattern rot mit Spitze, das war mein Beuteschema. Absolutes Feindbild: der hautfarbene Brustpanzer aus dem Sanitätsfachgeschäft. Brrrr. Noch heute verfolgt er mich bis in meine Alpträume.

Nun war ich als Forenneuling bei den Busenfreundinnen auch wenig begeistert von den vorgeschlagenen Anfängermodellen: Blümchenmuster wie auf einer Teetasse ist selbst mir zu "british" und wenigstens ein bißchen Spitze auf dem einfarbigen BH wäre mir schon ganz lieb gewesen. Eine Zeit lang habe ich daher recht wild irgendwelche Modelle probiert, die mir gefielen - mit einer frustrierend geringen Trefferquote. Mittlerweile habe ich in BHs wie dem Panache Ariza oder dem Cleo Lizzie einen ganz akzeptablen Kompromiß gefunden. Klar, sie entsprechen nicht der Vorstellung des zarten Hauch von Nichts, das sich verführerisch in der Auslage eines sündhaft teuren Dessousladen räkelt, aber man erstarrt bei ihrem Anblick auch nicht zu Stein, die Träger sind nicht so breit wie der Schultergurt meines MessengerBags und sie sind schwarz - my colour of choice. Zudem entlasten sie mein Portemonnaie: Ein BH kostet mich nun nicht mehr 60 bis 100, sondern noch ca. 30€, und das Beste ist - er paßt auch endlich richtig!
Ich bin also eigentlich ganz zufrieden. (Mal von so kleinen Extrawünschen abgesehen...)

Manchmal lese ich aber auch von Frauen, für die das Brafitting die Vertreibung aus dem vermeintlichen BH-Paradies bedeutet: Eigentlich liegen sie mit ihren Maßen im Standardgrößen-Bereich, hatten also immer die Auswahl aus Unmengen von Modellen unterschiedlichster Designs, Hersteller und Preisklassen. Beim kritischen Hingucken hat sich herausgestellt, daß 75B wohl doch nicht so die optimale Größe ist und z.B. 30E  oder 28F (UK-Größen) besser wären, womit sich plötzlich nicht nur der Preis für einen BH verdreifacht, sondern auch die Auswahl dramatisch schrumpft.

Hier folgt auf die üblichen Größen- und Modellempfehlungen also nicht die große Erleichterung: endlich mehr Auswahl und richtig passende BHs für weniger Geld, sondern umgekehrt die große Ernüchterung: weniger Auswahl für mehr Geld mit einem kleinen Bonus (Naja, irgendwie paßt der BH dann doch auch besser). In diesen Fällen überwiegt dann oft das ästhetische Empfinden in der Entscheidung - frustrierte Forenbeiträge berichten davon, daß man sich mit den Designs gar nicht anfreunden kann und eigentlich keins von den in Frage kommenden Modellen gefällt. Dazu kommen Sorgen über zu enge, möglicherweise einschneidende Unterbrustbänder. Wenn dann noch klar wird, daß eine Größenempfehlung nur eine Ausgangsgröße bestimmt und man sich von dort aus weiter durchprobieren muß, ist es häufig ganz vorbei...

Nachdem mir so Gedanken ja nicht fremd sind, kann ich verstehen, warum man sich dann doch gegen den ganzen Aufwand mit den gefitteten BHs und für die alten Größen entscheidet. Wenn man mit diesen gut zurecht kommt bzw. keinen Leidensdruck verspürt - wieso sollte man dann etwas verändern?!

Allerdings habe ich gelegentlich das Gefühl, daß hier nicht mitgedacht wird, daß es sich dabei um eine persönliche Entscheidung handelt, die aufgrund der eigenen Möglichkeiten getroffen wird, sondern daß gleich die ganze Brafitting-Sache als Unsinn verworfen wird.
Einen solchen Ausgang finde ich sehr traurig, denn nicht nur kostet jede Beratung, die von den ehrenamtlichen Brafitterinnen bei den Busenfreundinnen durchgeführt wird, Zeit und Mühe, es macht auch eine persönliche Entscheidung, nämlich ob man der Optik oder der Statik (aka der Paßform) den Vorzug geben will, zu einem absoluten Urteil über das Brafitting selbst.

Viele Frauen, vielleicht die meisten, stehen nicht völlig frei vor der Entscheidung, Schönheit über Passform zu stellen. Vor allem nicht die, die aufgrund ihrer Brustgröße und/oder ihres Unterbrustumfanges deutlich aus dem herkömmlichen Größenangebot rausfallen, weil sie sehr kleine oder sehr große Brüste habe, wenig Unterbrustumfang haben oder viel. Und auch unter diesen gibt es Skeptikerinnen.
Immerhin, die Skepis löst sich meist in Wohlgefallen auf, wenn sich herausstellt, daß zwar das Modell nicht hundertprozentig den Vorstellungen entspricht, die falsche Farbe oder ein wenig begeisterndes Design hat, der Effekt  unter Klamotten aber umso toller ist. Und wenn man mal ehrlich ist - das ist doch eigentlich die Hauptsache oder?

Wie ist das bei euch? Fällt es euch schwer, zugunsten der Paßform Abstriche beim Design zu machen? Oder ist euch das egal? Zählt Form oder Halt? Und kauft ihr manchmal Wäsche, obwohl sie gar nicht paßt, nur weil sie so schön ist?

Kaktus: Schön *und* irgendwie praktisch ;) [Quelle]


Samstag, 18. Juni 2011

BH-Zubehör: "Magic-Clips" statt überkreuzter Träger für Ringerrücken-Tops

Unter dem Namen "Magic Clips" oder auch "Happy Straps" werden im Fachhandel Klammern verkauft, mit denen man die Träger von normalen BHs im Rücken zusammenfassen kann - z.B. damit man sie unter Tanktops mit Ringerrücken nicht mehr sehen kann.
[denocte hat übrigens auf ihrem Blog Kurvendiskussionen ein D.I.Y-Tutorial gepostet, wie man so einen Clip schnell und kostengünstig selbst basteln kann.]

Wie vielleicht schon durch mein Lamento in Das Multiway-Déjà vu bekannt, bin ich ja eine große Freundin von im Rücken überkreuzten BH-Trägern: Ich finde die Gewichtsverteilung angenehmer und die Bewegungsfreiheit größer. Nebenbei wird durch den Zug der Träger das Brustvolumen - wie bei Neckholderschnitten - von außen nach innen gepushed, was vielleicht für diejenigen interessant ist, die sich mehr "Cleavage" wünschen.

Vor einer Weile habe ich mir - mangels passenden Multiway-BHs in meiner Größe - für 4€ ein paar Clips von Hunkemöller gekauft, um sie einfach mal auszuprobieren.


Abgesehen davon, daß die Anbringung des Clips einiges an Gelenkigkeit und Geschick erfordert, war das Ergebnis erst mal einigermaßen zufriedenstellend. Meine größte Befürchtung, das Unterbrustband könnte sich hinten durch die ungewohnte Trägerstellung (also eher 45 als 90°-Winkel) verziehen, so daß sich zwei Knubbel am Rücken bilden, trat nicht ein. Es knickte zwar etwas ein und bildete kleine Falten, aber im einigermaßen tolerierbaren Bereich. Möglicherweise war das nicht unwesentlich auf einen Punkt zurückzuführen, der bei der ganzen Sache zu beachten ist:

Man sollte einen BH verwenden, bei dem man die Träger noch ein gutes Stück länger stellen kann. Wenn man die BH-Träger normalerweiseschon auf maximaler Länge trägt, werden sie durch den Umweg über den Clip zu stark angespannt. Das führt dazu, daß die Träger einschneiden, der Clip sich unter dem Zug verformt und ggf. einfach abspringt.

Da ich leider keinen BH besitze, bei dem mir die Träger signifikant zu lang sind, konnte ich das Experiment also auch nicht zufriedenstellend zu Ende führen.

Nach einem Nachmittag tragen wurde mir klar, daß es sich bei den BH-Clips für mich nicht um eine Dauereinrichtung handeln kann, sondern eher eine Lösung für besondere Gelegenheiten - das sehr flexible (und daher tendenziell unzerbrechbare) Plastikstück hatte sich nach einigen Stunden tragen unter den einwirkenden Kräften deutlich verbogen und die Träger waren an der Stelle, an der sie zusammengefaßt worden waren, auch leicht eingedellt.
Das kann nun a) am nicht unbeträchtlichen Gewicht meiner Brüste liegen oder b) eben an der Tatsache, daß die Träger des Experiment-BHs (Cleo Lizzie in 34H) nicht lang genug waren.

Mein Fazit:
Ich glaube, die Clips sind empfehlenswert für alle, die es mal ausprobieren möchten, wie sich der Sitz des BHs damit verändert oder die schnell eine Lösung für ein Kleid oder ein Top benötigen. Als dauerhafte Lösung für den Alltag kann ich mir die Clips (zumindest in meinem Größenbereich) nicht vorstellen.

Es steht zu hoffen, daß der Bereich jenseits des G-Cups doch irgendwann multiway-BH-technisch erschlossen wird und man auf diesen Notbehelf dann verzichten kann.


Habt ihr Erfahrungen mit Magic-Clips?

Tip: Back-Clip D.I.Y-Tutorial von denocte [Kurvendiskussionen]

Mittwoch, 15. Juni 2011

Killing us softly: Objektivierung von Frauen in der Werbung

Eben bin ich über die wöchentliche Blog-Schau bei der Mädchenmannschaft auf diesen Trailer gestoßen:


Es handelt sich hier um eine Zusammenfassung des jüngsten Teils von Jean Kilbournes Filmreihe Killing Us Softly: Advertising's Image of Women, die als Lehrmaterial für us-amerikanische Schulen, Colleges und Universitäten gedacht ist (vgl. mediaed-Website). Das Video soll über die unrealistische Darstellung von Frauenkörpern in der Werbung und ihre Objektivierung aufklären. Objektivierung heißt hier nicht nur, daß Frauen nicht als Subjekte dargestellt werden, sondern daß Werbung sie buchstäblich mit dem beworbenen Produkt verschmilzt - die Frau wird dann Teil der Bierflasche oder der Videospielkonsole.

Da sich Bilder recht unmittelbar einprägen, finde ich es wichtig, ab und zu mal einen Schritt zurückzutreten und sich anzusehen, was da eigentlich wie dargestellt wird. Auf ne Art ist ja vieles schon so normal geworden, daß man sich wirklich nur noch über die absoluten Hämmer aufregt. Wenn überhaupt... 
Bildquelle: Svedka
Vielen Frauen ist erfolgreich beigebracht worden, daß sie das Problem sind, wenn sie sich beschweren und auf Mißstände aufmerksam machen - und keine(r) wird gerne als Spielverderberin oder männerfeindliche Hardcore-Emanze betrachtet. Um also nicht als humorlos oder verklemmt zu gelten, hält man lieber die Klappe und denkt sich seinen Teil...
Als Rechtfertigung hört man auch immer öfters daß ja auch Männerkörper mittlerweile nackt, makellos und glattrasiert sein müssen.
Ja, aber... möchte ich da einwenden, zugegeben, das ist unschön für die Männer; trotzdem handelt es sich bei den Abbildungen beinahe ausnahmslos um Repräsentationen körperlicher Stärke und weniger um eine Ausstellung eines zu begehrenden Körpers.

Das verlinkte Video ist leider auf englisch. Ein großes Sorry an alle, die dadurch ausgeschlossen werden. :( Ein deutschsprachiges Äquivalent fällt mir gerade nicht ein. Falls jemand was weiß, bitte in die Kommentare reinschreiben. Danke! :)


 Wie seht ihr das - läßt euch die Darstellung von Frauenkörpern völlig kalt oder kriegt ihr jedes Mal die Krätze, wenn ihr den Fernseher anschaltet, eine Illustrierte aufschlagt oder auf den Bus wartet?

EDIT, 20:02: Wie witzig, ich lese gerade im Newsletter, daß das Titelthema der morgigen ZEIT-Ausgabe sein wird: Wann wird die Frau zum Objekt? Aufhänger ist wohl die Frauen-Fußball-WM. Liege ich mit meiner Themenwahl im Trend oder was? (Achtung, Scherz!)


Links zum Thema:
Mädchenmannschaft - Gemeinschaftblog junger FeministInnen
Wikipedia-Artikel zu Jean Kilbourne (englisch)
Feminist Frequency - Conversations with Pop Culture (englisch)

Dienstag, 14. Juni 2011

Begriffsfragen: Busen vs. Brüste und was das mit dem "Fichu" zu tun hat

Umgangsssprachlich sagt man ja häufig Busen statt Brüste, was - wie Sprachnerds immer wieder einwenden - nicht ganz richtig ist. Der Busen, das ist eigentlich der (flache) Bereich zwischen den Brüsten und zwar geschlechtsübergreifend, also sowohl bei Männern als auch bei Frauen.
Die Frage ist natürlich, ob man nicht von so einer sprachpuristischen Position abrücken und der Sprache nicht etwas Entwicklung zugestehen möchte. Ein Begriff wird ja schon auch irgendwie dadurch definiert, wie er verwendet wird; und wenn man Busen hört, versteht man schon, daß Brüste gemeint sind.

Relevanter für die Verwendung finde ich eigentlich die Assoziationen, die das Wort weckt. Vor einer Weile wurde diesbezüglich mal im Brafitting-Forum diskutiert, wobei ans Licht, kam daß die Busenfreundinnen gar keine so großen Freundinnen der Bezeichnung "Busen" sind. Für die meisten implizierte der Begriff einen irgendwie verklemmten Umgang mit dem Körperteil sowie eine unförmige, also ungeformte Masse unterm T-Shirt, dieses undefinierte Etwas, das durch einen unpassenden BH erzeugt wird. (Ich finde die Diskussion leider nicht mehr; die Beiträge waren echt interessant!)

Dabei läge Busen der Begriffsherkunft ja näher am Dekolleté, einem Wort bei dem man eher an verführerisch tiefe Ausschnitte denken wird. Es ist schon ganz interessant, wie unterschiedlich Assoziationen sein können. Tatsächlich schwebt mir beim Wort Dekolleté auch immer das Bild einer Dame im  Rokoko-Kleid mit ordentlich Brötchenalarm vor. (Ob man das unbedingt sexy nennen möchte, hat ja Djamila schon mal in Frage gestellt.)

Die Rokoko-Assoziation erklärt sich ein wenig durch einen Blick in den Wikipedia-Artikel zum Begriff Dekolleté:
Und zwar, steht da, war der Halsausschnitt bei adligen Damen der Hofgesellschaft vorgeschrieben (sic!), während bürgerliche Frauen ihre Brust mit einem Tuch zu bedecken hatten, dem sogenannten Fichu. (Ihr seht schon, ihr begleitet mich gerade auf einer kleinen Surftour durch Wikipedias Weiten...)

Mosnier - Portrait of a Lady (ca. 1800)
Habt ihr schon mal von diesem
Fichu gehört? 
Also ich nicht. 

Es scheint sich hier um sowas wie eine frühe Schal-Mode (ab dem 17. Jh.) gehandelt zu haben. Sieht man sich die Wikimedia-Commons-Seite dazu an, unterscheiden sich Exemplare dieser Kleidungskategorie auch stark in ihrem verhüllenden Charakter. Einige Fichus sind zarte Spitzentüchlein, die eher einen dekorativen Rahmen bilden, der das Dekolleté ins rechte Licht rückt, andere sind sehr verdeckend und sehen eher wärmend und zweckmäßig aus.


Nun ist es ja heute auch noch so, daß Frauen Tücher und Schals verwenden, um zu tiefe Ausschnitte zu entschärfen, ihre Brüste zu kaschieren oder ähnliches. Zumindest habe ich das schon oft gehört/gelesen. Außerdem wird regelmäßig  in Modezeitschriften und Frauenforen diskutiert, welche Schals welchem Figurtyp schmeicheln: Also ob man besser einen langen schmalen nimmt, einen voluminösen dicken oder doch ein fransiges Dreieckstuch...


Ich fand die Idee, mir was umzubinden, damit man meine Brüste nicht mehr sieht, ja immer etwas merkwürdig. Allerdings hab ich mich - seitdem ich so einen riesiges "Circle Fichu" von American Apparel besitze - auch schon dabei ertappt, das Teil zum Fahrradfahren umzuhängen, damit man  von vorne nicht allzu tief in meinen Ausschnitt gucken kann. Ich bin übrigens - entgegen aller Schal-für-meine-Figur-Tips - ein riesiger Fan von XXL-Circle-Scarfs. Da hat sich die Modeindustrie endlich mal was praktisches ausgedacht. Die Dinger sind wirklich universell einsetzbar: Als Notfall-Picknick-Decke oder als Cape für den geliebten Prinz Frostbeule... man kann sie als Kleid tragen, als Rock, also mobile Umkleidekabine, als Handtuch... der Wahnsinn.

Aber gut, ich schweife ab. Soll heißen, sogar für eine assoziative Gedankenkette bewege ich mich ein wenig abseits des eigentlichen Themas. Also zum Abschluß noch die Frage(n):
Und was ziert euer Dekolleté?
Schon mal von Fichus gehört?