...sagte einst eine Verkäuferin in einem Fachgeschäft zu mir. Das war vor vier Jahren, als ich noch nie von den Busenfreundinnen oder Brafitting gehört hatte. Die Fitterin des kleinen Ladens in Niedersachsens schöner Hauptstadt, schien mir kompetent und nett. Schon damals war mir zwar klar, dass mir eine Größe, die es auch bei H&M gibt nicht perfekt passt, aber ich dachte dann doch: Die Spezialistin weiß das bestimmt besser als ich.
Ich habe mich lange gefragt, wie eine Verkäuferin (vielleicht war es auch die Inhaberin) deren Aufgabe neben dem Verkaufen, das Fitting ist, so wenig Ahnung von ihrem Metier haben kann? Ich erinnere mich deutlich, dass sie Masquerade führten, also eine Marke die Bhs hat, die es in meiner Größe 30FF gibt. Während des Fittings wurde ihr dann zwar klar, dass mir 75C nicht passt, aber über 70DD kamen wir nicht heraus und so ging ich mit einem Euro-Plunge Triumph in 75D nach Hause, der heute schon anderswo ein Zuhause gefunden hat. Damals habe ich nicht wirklich viel neues über meine Brüste gelernt.
Ich kann mir vorstellen, dass viele Frauen, die so ein Erlebnis haben wie ich, erst einmal keinen Laden mehr aufsuchen. Bei mir ging das ja alles noch relativ glimpflich ab, aber ich habe nun schon von einigen gehört, denen an den Kopf geworfen wurde, sie seien unnormal (mein persönliches Unwort aller Jahre). Das ist natürlich reichlich Blödsinn. Aber ein so gebrannte Person wird natürlich so schnell wahrscheinlich kein Geschäft mehr aufsuchen. Das bedeutet auch, dass die Verkäuferinnen gar nicht mit dem gesamten Größenspektrum und insbesondere denen an den Enden des Größenspektrums konfrontiert werden. Das heißt es gibt keine Nachfrage und wo es keine Nachfrage gibt, muss auch kein Bedarf gedeckt werden. Es macht so marktwirtschaftlich keinen Sinn ein kaum nachgefragtes Produkt anzubieten.
Andere Gründe ein solches Geschäft nicht aufzusuchen, hängen sicherlich auch mit dem Image deutscher Unterwäschefachgeschäfte zusammen. Ich kann mich noch erinnern wie mich meine verzweifelte Mutter mal in ein Geschäft brachte das neben weißen und beigen Full-Cups in 'großen Größen' auch Stützstrümpfe verkaufte. Ein anderer Laden in den ich hinein gestürmt war, weil die Lingerie so nett ausschaute, verkaufte hauptsächlich Sexspielzeug. Darüberhinaus sind solche Geschäfte in Deutschland oft im höherpreisigen Segment zu finden, d.h. Bhs gibt es ab 50€ aufwärts.
Eine anderes Problem ist, was diese Läden wirklich im Angebot haben. Viele Läden bieten nur weit bekannte Marken wie Triumph und Passionata an. Wenn das dann mit einer Verkäuferin zusammentrifft, die nicht besonders internetaffin ist und/oder nicht in den Genuss einer Ausbildung durch eine erfahrene Fitterin gekommen ist, dann darf man sich nicht wundern, dass sie im 'Was-es-bei-uns-nicht-zu-kaufen-gibt,-gibt-es-nicht'-Paradigma gefangen ist. Auch darf man nicht vergessen, dass für einige Verkäufer_Innen das Fitting keine Herzensangelegenheit ist, sondern eben nur ein Job.
Außerdem kann es natürlich sein, dass die Käuferin unter Buchstabenphobie leidet. Eine Fitterin erzählte mir mal, dass eine Kundin sich weigerte einen Bh mit einem H-Körbchen zu kaufen, denn so enorm riesig wären ihre Brüste ja nun nicht
Trotzdem bin ich ein großer Fan von Live Fittings. Man kann viele, viele Modelle anprobieren ohne sich mehrfach durch den Onlinebestellvorgang und das darauf folgende Umtauschprozedere zu quälen. Und natürlich gibt es auch Verkäufer_Innen die mit Leidenschaft und Fachwissen dabei sind. Ich habe super Erfahrungen bei Bravissimo in London Covent Garden machen dürfen, bei Doppel D in Berlin und bei zwei Läden, die ich in Toronto (Tryst und Secrets From Your Sister) besucht habe. Hier findet ihr übrigens eine Liste der von Busenfreundinnen getesteten Läden (hauptsächlich in Deutschland): http://busenfreundinnen.net/viewforum.php?f=17.
Habt ihr auch so Horrorgeschichten auf Lager? Oder durftet ihr schon Glücksmomente in Umkleidekabinen erleben?


