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Sonntag, 29. Mai 2011

Spartacus: Brüste und Sandalen...

Ich möchte mich heute mal etwas in den Off-Topic-Bereich vorwagen. Anlaß dieses kleinen Exkurses ist ein Vortrag, den ich vor ein paar Tagen besucht habe: Thema “A queer perspective on Lucy Lawless – Zum lesbischen (Sub)Text in Xena und Spartacus“ (Veranstaltungsankündigung von Mutvilla)
Eigentlich hatte ich mir erhofft, ein paar Analysen und Hintergrundinformationen zu Xena abzugreifen, immerhin ist das eine der ersten, wenn nicht *die* erste TV-Serie mit einer weiblichen Hau-Drauf-Protagonistin. Sozusagen die Sandalenversion zu Ellen Ripley aus der Alien-Reihe.
Irgendwie wurde aber hauptsächlich über das Typecasting von Lucy Lawless in bisexuelle Frauenrollen gesprochen. Darin bestand dann auch die Verbindung zu Spartacus: Blood and Sand, einer Serie die ebenfalls von Robert Tapert (Lawless’ Ehemann) und Sam Raimi produziert wird. Wer die Serie schon mal gesehen hat, wird wissen, daß sich die Parallelen zwischen den beiden Produktionen darauf auch schon beschränken: Während Xena the Warrior Princess als Sandalen-Comedy mit weiblicher Identifikationsfigur im Nachmittagsprogramm ausgestrahlt wurde, handelt es sich bei Spartacus um die Sex-und-Gewalt-Orgie eines us-amerikanischen Privatsenders, in dem es von ungewohnt expliziten Szenen und „Four-Letter-Words“ nur so wimmelt. (Altersfreigabe ab 18!) Im Zuge der Darstellung römischer Dekadenz darf dann auch Lawless’ Charakter Lucretia eine Affaire mit einer Freundin beginnen. Unter Drogeneinfluß versteht sich.
Die Parallele zu einschlägigen Pornofilmen mit der obligatorischen „Lesbenszene“ drängt sich auf, zumal der unvermeidliche Dreier mit Lucretias Ehemann natürlich auch unmittelbar folgt.

Softporno-Elemente, die auch die – ebenfalls von einem Privatsender produzierte – Erfolgsserie True Blood berühmt-berüchtigt gemacht haben, scheinen sich zum Quotengarant des Pay-TVs zu entwickeln; wenngleich bei Spartacus die möglichst authentische Darstellung der historischen Fakten resp. der römischen Gesellschaft um 72BC als Vorwand für den "explicit content" herhalten muß.
Letzten Endes ist es natürlich Geschmacksache, ob man diese Pseudo-Authentizität für widerlich oder geil, fragwürdig, unterhaltsam oder interessant hält. Spuren von Feminismus und female Empowerment sind in der Serie jedenfalls nicht zu finden; die Aktivität von Frauen ist vollkommen „romantisch“ auf das Wohlbefinden und den Erfolg der von ihnen geliebten Männer gerichtet, während sie selbst als deren beständige Motivationsquelle dienen dürfen.
Eine recht klassische Konstruktion also, um nicht zu sagen archaisch, aber gut, wir befinden uns ja auch im alten Rom. ;)

Wenn man der Serie glauben darf, gehört es dazu auch ständig halb nackt durch die Gegend zu laufen. Man bekommt also nicht nur muskelbepackte, eingeölte Männerkörper zu sehen, sondern auch Frauen oben ohne: Damen, die sich im Amphitheater vor Begeisterung über die beobachteten Bluttaten die Kleider vom Leib reißen, Sklavinnen, die barbusig Wein ausschenken, sogar die Brüste der Hausherrin, ehemals vom legendären Xena-Panzer geschützt, sind des öfteren zu bewundern.
Da sich Brüste bekanntlich im Gegensatz zu den „pecs“ (Brustmuskeln) der Männer nicht trainieren lassen, wirkt die Serie ein wenig wie die Werbebroschüre eines Schönheitschirurgen: Die gezeigten Brüste sind allesamt jugendlich straff, nicht zu klein, nicht zu groß, um nicht zu sagen „perfekt“ und wundersamer Weise halten sie auch ohne jegliche Stütze ihre Form. Die Dekolletes, sofern doch mal Kleider getragen werden, sind bisweilen atemberaubend.
Einziges bekanntes Wäschestück scheint ein schmales Band zu sein, das über die Brustwarzen gebunden wird.

Venus' Unterwäsche

Angesichts heutiger Sexualisierung von Brüsten erscheint es nun schon ziemlich befremdlich, daß so spärliche Bekleidung in den Zeiten der römischen Republik wirklich üblich gewesen sein soll. Aber wie sagte schon der olle Cicero: O tempora o mores.
Es ist nicht in jeder Gesellschaft und zu jeder Zeit gleichermaßen normal, Brüste zu verstecken. Was nicht heißt, daß sie nur neutral und nicht auch sexualisiert wahrgenommen werden würden; aber eben nicht im gleichen Maß wie das heute in unserer westlich-mitteleuropäischen Gesellschaft der Fall ist. Was als schicklich gilt, ist immer auch Wandlungen und Veränderungen unterworfen. Man denke nur an die Skandale die sich im letzten Jahrhundert um Minirock und Bikini entspannen.

Ich habe also eine kurze Internetrecherche gestartet, um mich mal über antike Unterwäsche zu informieren – mit eher mäßigem Erfolg. Was wo wann wie und von wem getragen wurde, scheint in den Bereich Spezialfragen zu fallen, zu deren Beantwortung man eine klassische Bibliothek aufsuchen muß. Alles was ich finden konnte, waren Informationen die sich auf die ganze Epoche des antiken Griechenland und/oder des antiken Rom und einige bekannte Fälle/Abbildungen beziehen. Üblich war wohl das Tragen eines Bandes, griechisch apodesmos oder strophion genannt und zwar entweder als eine Art Unterbrust-Korsett mit Pushup-Effekt oder direkt über den Brüsten, beispielsweise zum Sport.

Laut Wikipedias Geschichte des BHs wurden Brüste in Rom weniger betont – unter jungen Mädchen soll das Abbinden mit sog. fascia üblich gewesen sein, um die Brüste am Wachsen zu hindern; größere Brüste wurden mit einem Band namens mamillare kaschiert. Dieses wurde unter der Kleidung getragen, während das strophium unterhalb der Brust über die Tunica gebunden wurde. 
Interessanterweise scheint das mehr oder weniger 1:1 dem heutigen Trend von Push-Up vs. Minimizer-BH zu entsprechen.


Feste Brustbänder aus Leder oder Leinen wurden in der Antike übrigens auch als Sport-BHs genutzt; da nun in Spartacus weder Athletinnen noch Gladiatorinnen (ja, die gab es auch!) vorkommen, kann man funktionale Unterwäsche aber einfach vernachlässigen.

Was haltet ihr von soviel nackter Haut im Fernsehen? Yay or nay?

Gleiches Recht für alle (die Männer sind ja auch bisweilen 
splitterfasernackt) oder unnötige Fleischbeschau?

Glaubt ihr, daß sich solche Serien negativ aufs eigene Körpergefühl auswirken
und als Folge davon eine erhöhte Nachfrage nach z.B. Brust-OPs auslösen können?



Antike Bikinis auf einem Mosaik der Villa Romana del Casale (4. Jh)


Hey, ich bin george und schlecht darin, mich kurz zu fassen. Ich tummle mich mit multiplen Persönlichkeiten im Netz, einige kennen mich vielleicht unter meinem Terry Pratchett-Pseudonym. Zu meinen Hobbies gehört Nörgeln, Kaffeetrinken und Prokrastinieren. Mehr Persönliches gibt es im Jahresrückblick 2013 und auf meiner Vorstellungsseite. [x]

2 comments

30. Mai 2011 um 15:57

Ich habe gerade den Vorspann von "Xena" und den Trailer zu "Spartacus - Blood and Sand" (irgendwie habe ich immer "Blood and Sandals" im Kopf :D) gesehen. Was mir, neben der Fleischbeschau, aufgefallen ist, ist der enorme Einsatz von blutrünstigen und gewaltigen Szenen. Zum einen finde ich das erschreckend, dann aber auch wieder so unrealistisch und übertrieben, dass es keine ernsthafte Gefahr für mein Körperbild darstellt.
Das was dort gezeigt wird, passiert in meinen Augen in einer Parallelwelt, in der alles groß, fest, markant und bombastisch ist. Unter diesem Gesichtspunkt finde ich es gut, dass die Darstellung so übertrieben ist. Denn auf die Idee, dass das reale Leben wirklich so abgelaufen ist, kommt nun wirklich keiner.

30. Mai 2011 um 17:47

Hihi, danke für die Titelvorlage. Ich hab gleich noch mal nachgebessert und der Beitrag heißt jetzt nicht mehr Brüste und Sand, sondern Brüste und Sandalen. :D

Ja, der Trailer ist wirklich ein Best of Gore; gleichzeitig sieht man die eingesetzte Computertechnik recht deutlich. Die Serie selbst ist natürlich weniger video-clip/spiel-artig.

Was ich an der ganzen Sache gleichermaßen erschreckend wie interessant finde ist, daß es scheinbar derzeit ein Revival von Steinzeit-Geschlechter-Rollen gibt. Die Verfilmung von 300 - an deren Erfolg die Serie mehr oder weniger explizit anschließen möchte - hat es vor ein paar Jahren ja vorgemacht, wie man mit billigen Effekten, aufgemalten Six-Packs und ner ordentlichen Portion Fascho-Ideologie ne Menge Kohle machen kann. Offensichtlich trifft das genau den Geschmack der Zielgruppe... *seufz*

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