D&D-Tip: Persönliche BH-Beratung in Hannover

On Bratabase

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Freitag, 13. Dezember 2013

Von Alltags-BHs, Fullcups und Rückenschmerzen

Eigentlich arbeite ich seit längerem an einem Passform-Check für Fortgeschrittene, der an MiaRose’s Beitrag Faktoren die die Passform beeinflussen anschließen soll. Uneigentlich bin ich gerade zu unkonzentriert umd das ordentlich zu strukturieren und zu durchdenken. Deswegen habe ich mal wieder ein Übersprungsthema aus der Schublade geholt: die Gemütlichkeitsfrage.

Die richtige Größe und ein passender Schnitt müssen nämlich noch nicht bedeuten, daß sich ein BH im Alltag bewährt. Ihr kennt das vielleicht – traumhaft schönes Modell, ihr probiert an, es paßt, es formt toll, alles ist prima. Und dann nach einem Tag tragen (oder manchmal erst nach mehreren) kommt das böse Erwachen – der BH zwickt und zwackt, oder, am allerschlimmsten, er verursacht Nackenverspannungen.

Während man dem Zwicken und Zwacken häufig mit allererlei Tricks Herr werden kann (BH-Verlängerer, Abpolstern von kritischen Stellen etc.) ist gegen die Verspannung kein Kraut gewachsen. Man kann es natürlich mit Schulterpolstern versuchen (gibt es bspw. aus Silikon) um den Druck etwas besser zu verteilen, aber das deutet schon aufs eigentliche Problem hin: es hängt zuviel Brustgewicht an den Trägern. 

Was zuviel ist, ist natürlich individuell unterschiedlich – einige Frauen sind da sehr empfindlich, andere gar nicht. Vermutlich hängt es auch einfach an der individuellen Anatomie, ob der Träger tendenziell über eine sehr sensible Stelle läuft oder nicht. 

Jedenfalls wäre mein Ratschlag, gerade bei BHs die ihr oft tragt darauf zu achten, daß die Konstruktion stabil genug ist, den Hauptteil des Brustgewichts abzufangen. Bei Balconette-Schnitten, die sehr stark heben, ist das häufig nicht der Fall. Ihr könnt dazu einfach mal versuchen, den BH ohne Träger zu tragen – ich mach das manchmal im Sommer beim Sonnen, daß ich die Träger von BH und Spaghetti-Top runterstreife und eine Weile so rumsitze, auch mal aufstehe und mich ein bißchen bewege. Wenn das mit einem BH nicht geht, weil er sofort komplett nach unten wegrutscht/-klappt, hat man schon einen Kandidaten, der tendenziell Probleme bereitet. 

Die heftigsten, BH-bedingten Verspannungen meines Lebens habe ich mir in einer Phase zugezogen, als ich quasi ausschließlich drei Plunge-Modelle (1. Generation) von Ewa Michalak getragen habe – die Form und der '”Uplift” (Hebewirkung) waren phantastisch, aber nach zwei Wochen oder so hatte ich einen Nacken aus Stein und taube Stellen am Arm. Zähneknirschend mußte ich mir damals eingestehen, daß die Teile zwar mal toll für einen Tag sind, aber pausenlos tragen einfach nicht drin ist.

Seither habe ich ein genaueres Auge darauf, wo gerade das Problem für Verspannungen liegen könnte (neben dem BH-Modell sind die Klassiker zu wenig Bewegung, zuviel Schreibtisch, Psychosomatik, mal wieder zu viel auf Barhockern rumgeflezt oder auf dem Bauch im Bett gelegen und in mein Laptop getippt). Wenn ich merke, daß es mal wieder kritisch wird, greife ich auf folgende Modelle zurück: den Freya Deco Strapless, den ich i.d.R. mit überkreuzten Trägern trage, einen alten Panache Harmony FullCup und alle möglichen Klone des Panache Ariza (Saffron, Elsa).

Wie wahrscheinlich viele greife ich sonst eher zu balconette-igeren Schnitten – meine große Liebe galt lange dem Cleo Lizzie (leider ist er mir gerade ein Cup zu klein). Abgelöst wurde diese Leidenschaft durch meine Euphorie für den Panache Jasmine. Beide sind jetzt keine Übeltäter was Verspannungen angeht, aber wenn ich schon angeschlagen bin, helfen sie mir auch nicht weiter. Daher mein Pladoyer für Fullcups (zu deutsch: Vollschale). Der Clou an einem Full-Cup ist, daß ein großer Teil der Stabilität aus dem Unterkörbchen kommt, was häufig zu einem eher moderaten Hebe-Effekt führt, aber eben auch dazu, daß die Träger wenig belastet werden.

Klassische Vollschale mit eher mittig angebrachten Trägern. Ist eher selten bis kaum zu finden.

 


Weiter verbreitete Mischform mit Tendenz zum Balconette-Schnitt. der Träger ist meist relativ weit außen, aber noch am Obercup angebracht. Ein bekanntes Beispiel für diesen Schnitt wäre der Tango von Panache.



Sehr verbreitete Form des Fullcups mit Seitensichel/ -stütze (Side-Support), ebenfalls häufig mit recht weit außen angebrachten Trägern.

 Illustrationen von Avocado.com.pl

Auf den internationalen BraBlogs wird viel über die optimale Passform bei “Full on top breasts” geschrieben und weshalb klassische Full-Cup-Schnitte für die Brustform häufig suboptimal sind. Ein super Beitrag dazu ist Why Do Full-On-Top Boobs Look Pointy in Full-Cup Bras? auf Bras I Hate & Love. Ich würde da weitestgehend zustimmen (wobei der gezeigte Loretta ein besonders extremes Beispiel und ziemlich eindeutig zu klein ist). Allerdings finde ich es vertretbar, zugunsten des Komforts Abstriche bei der Kompatibilität und der Form zu machen (und den BH ggf. eine Nummer größer als andere Schnitte zu wählen). Daß ein Ariza nicht so rund formt wie ein Marcie: geschenkt! Wenn gerade mal wieder Aua-Aua-Alarm ist, ist mir das herzlich egal. 

Ein BH ist in erster Linie Unterwäsche, d.h. auch unattraktivere Modelle sind unterm Pulli nicht als solche erkennbar (höchstens wenn sie ausgeprägt raketig formen). Insofern ist es auch wichtig, manchmal nach Pragmatik zu entscheiden und ästhetische Kriterien außen vor zu lassen. Ausgerechnet die vielgeschmähten Full-Cup-Schnitte sind nämlich manchmal echt eine gute Sache. Wer z.B. ins Größenspektrum von Elomi fällt und noch nie ein Modell der Marke probiert hat, sollte mal sein Glück versuchen – es könnte sich lohnen. 

Vielleicht noch ein Wort zu den vielfach bevorzugten Schalen-BHs – der Irrtum, eine Schale gebe mehr Halt als ein BH aus einfachem Stoff, hält sich recht hartnäckig. Grundsätzlich ist dem nicht so: ein Stoff-BH kann genauso viel oder auch mehr Support geben wie/als ein Schalen-BH. Mein Eindruck ist eher, daß viele Schalen-BHs ‘schnittbedingt’ in sich nicht so stabil sind, daß den Trägern nicht doch noch eine signifikant tragende Funktion zukäme – d.h. daß es letzten Endes auch wieder an der Form liegt und nicht so sehr am Material wieviel vom Brustgewicht ein Modell über Körbchen und Unterbrustband abfangen kann.

Wer die Möglichkeit hat: häufiger mal das Modell wechseln ist - wie bei Schuhen auch - immer eine gute Idee.

Was ist euer liebster Alltags-BH?


Meine Perspektive: ich trage gerade die BH-Größe 32J, die besagten Ewa Michalak-BHs sind 70Ks und der Deco Strapless paßt mir in 34GG (32H/HH wäre sicherlich noch besser, gibt es aber leider nicht.)

Weiterführend:  

Montag, 2. Dezember 2013

D: Faktoren die die Passform beeinflussen

Auch gute Größenrechner liegen mal daneben. Warum ist das so? Ich weiß noch, wie ich am Anfang meiner Fittinggeschichte auf einen Rechner stieß der sehr oft empfohlen wurde und dann dachte prima, endlich kann es losgehen. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht. Denn es gibt viele Faktoren die den Sitz eines BHs und die Größe beeinflussen, die wenig mit dem gemessenen Unterbrustumfang (UBU) oder Brustmaß zu tun haben. Das erklärt auch warum auch zwei Frauen mit exakt gleichen Maßen im selben BH unterschiedliche Größen tragen.

(Kopflose und armlose) Vogelperspektive -
oben eine breite, unten eine schmale Brustbasis
Breite der Brustbasis: Die Brustbasis ist die Fläche auf der das Brustgewebe am Oberkörper ansetzt. Eigentlich ist es ganz einfach: Eine breite Brustbasis, also eine solche die horizontal viel Platz auf dem Brustkorb einnimmt, braucht breite Bügel. Wie weiß mensch denn aber ob mensch eine breite Brustbasis hat? Zieh deinen BH aus und drück deine Brust mit der Hand leicht gegen den Brustkorb und dann in Richtung Achsel. Es sollte sich eine Falte bilden. Mal diese nach. Wo verläuft diese Linie im Vergleich zum Abdruck des Bügels? Wenn der Bügel vor der Linie liegt ist er zu schmal. Liegt er dahinter ist er zu breit. Tendenziell sind kleine Brüste eher Breitbrüste, während große Brüste oft eine schmale Brustbasis haben. Eine breite Brustbasis braucht auch oft flachere Körbchen, weil sich das Volumen auf einer größeren Fläche verteilt, während eine schmalere Brustbasis tiefere Körbchen braucht. Allerdings kann auch ein Mensch mit schmaler horizontaler Brustbasis ein relativ flaches Körbchen brauchen, wenn die Brustbasis sehr hoch reicht.





  Höhe der Brustbasis - Gleiches Volumen, unterschiedliche
Volumenverteilung; Oben von links: mehr, gleich viel,
wenig Volumen im oberen Bereich; Unten von links:
Wenig und viel Volumen im oberen Bereich
Höhe der Brustbasis: Hier geht es darum wie hoch das Brustgewebe reicht, bzw. wie groß die vertikale Brustbasis ist. Wenn ich meine Brust anhebe und leicht gegen den Brustkorb drücke, dann fühle ich Brustgewebe bereits kurz unter dem Schlüsselbein. Es entsteht außerdem eine Wölbung nach außen. Ich habe also eine hoch reichende Brustbasis, bzw. mein Brustvolumen ist im oberen Bereich. Bildet sich eine prominente Falte, ist das meiste Volumen wahrscheinlich im unteren Bereich. Brüste mit viel Volumen im oberen Bereich brauchen offene Schnitte. Das heißt Halfcups und Plunges und einige Balconettes funktionieren, Full Cups dagegen schneiden oft ein. Diese funktionieren dafür oft gut an Brüsten mit viel Volumen im unteren Bereich. Eine andere Methode um die vertikale Verteilung des Brustgewebes auszumachen ist es die Form der Brust in Relation zu der Position der Brustwarze zu setzen. Brüste mit großer vertikaler Ausdehnung sind klar tropenförmig. Die Brustwarze befindet sich in der unteren Hälfte des Tropfens.  Brüste die eher schanzenförmig aussehen oder Brüste bei denen die Nippel in der oberen Hälfte sitzen haben mehr Volumen im unteren Bereich. 

Quetschbarkeit des Brustkorbs/Lungenvolumen: Diese beeinflusst maßgeblich das Maß des UBUs. Dickere Frauen haben oft mehr Gewebe am Brustkorb und brauchen daher oft kleinere UBBs (Unterbrustbänder) als ihre Maße vermuten lassen. Sie sind also quetschbar. Muskulöse oder sehr schlanke Frauen haben dagegen oft wenig Gewebe, das sich quetschen lässt. Sie fühlen sich öfters mit UBBs wohler die gleich oder sogar größer als ihr UBU ist. Lungenvolumen spielt häufig ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es um das Messen des UBUs geht. Viele Rechner verlangen, dass man ausatmet beim messen. Ausdauersportler aber haben ein weitaus größeres Lungenvolumen als andere Menschen. Wenn so jemand ausatmet und misst wird der Umfang deutlich geringer sein, als bei anderen Menschen. 

Konsistenz des Gewebes: Menschen haben unterschiedliche Verhältnisse von Drüsen- zu Fettgewebe in der Brust. Manche Brüste sind daher fester als andere. Weiche Brüste können stärker komprimiert  werden. Meine weichen Brüste stören mich zum Beispiel gar nicht wenn ich auf dem Bauch schlafe. Weiche Brüste tendieren dazu aus Plunges herauszufließen und verlieren gerne mal den Kampf gegen die Körbchenkonstruktion. Außerdem verändern sich Brüste im Verlauf des Lebens zum Beispiel während und nach der Menopause.  

Empfindlichkeit: Manche Menschen ertragen auf Grund verschiedener Erkrankungen (z.B. Fibromyalgie), wegen einer Operation oder des Alters keine engen Bändern. Anderen dagegen entlockt ein enges Band nur ein müdes Lächeln. 

Persönliche Präferenz: Menschen mögen unterschiedliche Dinge und legen unterschiedliche Maßstäbe an. Manche mögen enge UBBs, manche nicht. Manchen ist Ästhetik wichtiger als Funktionalität, machen nicht. 

Schwanger/Stillend: Hier habe ich selbst keine Erfahrung, aber Brüste verändern sich rasant in der Schwangerschaft und danach. Brüste die zum Stillen genutzt werden, verändern Größe und Konsistenz ja fast stündlich. Einen wunderbaren Text zur Thematik hat Nyad im Busenfreundinnenforum verfasst: Entwicklung der Brust in Schwangerschaft und Stillzeit

Marken/Modelle: Gleichzeitig sollten auch nicht vergessen werden, dass Marken und selbst Modelle der selben Marke unterschiedlich ausfallen. Ich trage in Ewa Michalak zum Beispiel meist 34E (aber auch 32F) in Freyas auch gerne mal 30G.

Das ist eine verkürzte Darstellung und natürlich . Sicherlich könnte mensch zu jeder dieser Variablen noch einen eigenen Blogpost verfassen. Außerdem können die Faktoren natürlich interagieren. 

Habe ich, eurer Meinung nach, irgendetwas vergessen? 

MiaRose bloggt seit Ende 2011 auf Drüber&Drunter. Neben Brafitting schlägt ihr Herz für sinnvolle/lose Diskussionen, gutes Essen, Jugendliteratur und allerlei anderes popkulturelles Gedöns. Ihre aktuellen Maße sind (94) 97 (96)-73-101. Ihren Vorstellungspost findet ihr hier: Me, myself and I.

Sonntag, 3. November 2013

BH-Passform-Probleme: Orange im Glas - Reloaded

Bei den Busenfreundinnen wurde diese Woche über einen “Klassiker der BHlogie” diskutiert: die Orange im Glas.

Der Begriff stammt aus der polnischen Bra-Fitting-Bewegung und ist ein Bild für ein Passform-Problem, das erst einmal nach einem zu großen Körbchen aussieht: der Stoff wirft Falten, die Brust füllt den BH nicht aus. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, daß der Bügel auf der Brust und nicht daneben verläuft – er ist zu schmal, als daß die Brust überhaupt ins Körbchen hineinkommen könnte. So wie eine Orange, die am Rand eines Glases hängenbleibt. Oder in meinem Fall ausnahmsweise mal eine Avocado.

avocadoinnatasse_smll
OiG heute mal anders: Avocado inna Tasse
Erst wenn der Bügel breit genug ist, um wirklich um die ganze Brust herumzuführen, läßt sich feststellen, ob das Körbchenvolumen hinkommt oder zu groß bzw. evtl. sogar zu klein ist. 
(Siehe dazu auch einen früheren Beitrag von MiaRose: Orange im Glas. Eine super Veranschaulichung dazu findet ihr auch bei der BH-Lounge unter Passformprobleme / 3. Bild.)

Soll heißen, die Orange im Glas beschreibt ein Kompatibilitätsproblem das auf einem zu schmalen Bügel beruht. Im klassischen Fall sieht das etwa so aus:

orange1smll
Grün = Brustbasis, Gelb = Bügel | Ist ein bißchen spooky geworden...
naja, durch Zeitnähe zu Halloween noch verzeihbar, oder?

Das Grüne soll die Brustbasis sein, also der Bereich auf dem die Brust angewachsen ist. Die gelben Ringe sind die Bügel, die deutlich zu schmal sind um die Brust zu umschließen.

Der Modellfall der “OiG” von dem lange ausgegangen wurde, waren die unpassenden Schnitte im Bereich der ungefitteten A- und B-Cups, beispielsweise bei einer 75A, die zu groß wirkt, obwohl sie eigentlich schon zu klein ist: wegen der zu schmalen Bügel kann das Körbchenvolumen nicht genutzt werden, der BH liegt ein bißchen wie ein Hütchen auf der Brust. Bei einem engeren, ausreichend stützenden Unterbrustband würde jedoch sofort auffallen, daß das Cup noch zu klein ist. Häufig ist eine britische 30D für eine angebliche 75A-Frau die deutlich bessere Wahl. 

Nun kann das Phänomen der zu schmalen Bügel natürlich auch in jedem anderen Größenbereich auftreten; ein ehemals schon oft von Maria genanntes Beispiel sind Brüste, die seitlich nicht deutlich definiert sind sondern eher sanft auslaufen. Vor allem bei dicken Frauen ist es manchmal nicht so klar, wo das Brustgewebe aufhört – gerade da ist es wichtig, daß die Bügel breit genug gewählt werden, sonst wird der Bügel vom Gewebe nach außen gedrückt und piekst in den Arm oder die Achsel. 

Die Erwartungshaltung, ein BH sei zu groß, ist übrigens nichts was nur Frauen mit kleinen Brüsten haben, Stichwort Buchstabenphobie. Der zu probierende BH wird dann oft nur schnell übergestülpt – wirft Falten? Na, dann muß er wohl zu groß sein! 

Nun rutschen größere Brüste aber selten von selbst an Ort und Stelle, häufig muß noch “nachsortiert” werden. Daher ist der scharrende Griff hinter den Bügel und das ordentliche Anheben der Brust wirklich unbedingt notwendig um eine OiG auszuschließen. (Zum richtigen Anziehen siehe bspw. den 7 Punkte Plan)

Neben der klassischen Orange im Glas gibt es jedoch auch noch eine - sagen wir mal -  Unterform, der ich selbst lange keine Beachtung geschenkt habe, obwohl sie mir beim Live-Fitten häufiger begegnet ist.
Angenommen eine Beispielfrau trägt bei Elomi eine 38GG, möchte aber unbedingt einen Panache-BH probieren und versucht eine 38GG im Andorra – Fazit: viel zu klein. Nach mehreren Versuchen wäre man dann bei irgendwas absurdem wie einer 38J angekommen, weil alles andere zu klein war. Die Bügel der 38J sind aber nun so lang, daß sie die arme Beispielfrau förmlich aufspießen. Zusätzlich bleiben die Körbchen unten leer und die Bügel drücken auf den Bauch.

Ein möglicher Grund dafür ist, daß die Brust zwar oben die Bügelbreite braucht, die Bügel selber aber zu tief und U-förmig sind um richtig unter die Brust zu passen. Ich hab das schon mal vor zwei Jahren in einem kurzen Beitrag zu “Warum BHs nach unten rutschen” erwähnt. Mittlerweile – dank mehr Praxiserfahrung – glaube ich, daß das häufiger vorkommt als ich damals gedacht hätte. 

orange2smll
Bügel ist unten zu schmal für die eher breite Brustbasis.

In diesem Beispiel ist das Körbchenvolumen eher zu groß als zu klein – der unten verschenkte Platz muß ja oben irgendwie ausgeglichen werden. Dh. wenn der BH oben keine Brötchen macht ist das Volumen eigentlich schon zu groß. Gemessen an der klassischen Variante ist das eigentlich schon fast eine umgekehrte Orange im Glas.
Winking smile
Anzeichen dafür ist auch, daß man bei einem passenden Schnitt im Körbchen wieder runtergehen kann. (Beispiel Elomi) 

Leider kann ich in anderen Größenbereichen noch nicht mit Ideen dienen; theoretisch sind Bügel von Bravissimo, Curvy Kate, Fantasie und Freya alle ein bißchen mehr häkchenförmig (“Nike-Swoosh”) als die sehr U-förmigen Panaches/Cleos. Es gibt aber auch viele Fälle, in denen der Wechsel von Panache auf andere Marken auch nichts bringt.  Sobald es da was Neues gibt, werde ich berichten. Bzw. wenn ihr was dazu wißt:immer her mit den Infos!)

Lange Rede, kurzer Sinn: die richtige Bügelbreite und –form ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt beim Brafitting. Zum Thema Bügel gibt es passenderweise auch einen ganz neuen Gastbeitrag bei Lingerie Addict, Bra Wires 101 – A Basic Guide by Lyzzy Beswick.


Wie kommt ihr mit euren BH-Bügeln klar?
Schon mal eine Orange im Glas erlebt?

Sonntag, 23. Juni 2013

BH-Passform: Aber da ist doch noch Luft im Körbchen!

Heute mal ein kurzer (!) Beitrag zur BH-Passform.
Ich konnte schon häufiger beobachten, daß Frauen beim BH-Probieren skeptisch am Träger zupfen und dann, halb erleichtert, halb vorwurfsvoll auf ihre Brust deuten und sagen: Der BH ist zu groß, da ist ja noch Luft!


Um den gewünschten Effekt zu erzielen, muß man sich evtl. etwas vorneüber beugen - daher meine erm, wenig ambitionierte Skizze.

Nun passiert das sehr häufig in Fällen, in denen das Körbchen wirklich nicht zu groß ist, sondern einfach der BH-Schnitt nicht 100%ig mit der Brustform übereinstimmt.

Soweit, so gut, aber heißt das nun, daß der BH nicht paßt?! Jein!

Ein BH ist erst mal Konfektionsware, auch wenn sich um ein gut konstruiertes Modell handelt, das auf einem breiten Größenspektrum wie bspw. von 60D bis 85K angeboten wird. Dem Schnitt liegt dabei ein Konzept davon zugrunde, welche Eigenschaften eine Brust einer gewissen Größe durchschnittlich hat bzw. welche Merkmale eine möglichst gute Kompatibilität, also Anpassung an verschiedene Brüste ermöglichen. Jede Brust ist ja individuell, aber ein BH soll an möglichst vielen Brustformen gut passen.

Für Luft im Oberkörbchen ist vor allem die Größe der Brustbasis ausschlaggebend, also die Fläche, auf der die Brust angewachsen ist. Zur Veranschaulichung ein Bild von Bratabase. Hier wird in erster Linie der Unterschied in der horizontalen Verteilung gezeigt - die eine Brust ist eher breit, die andere eher schmal.

Bild von Bratabase: Wide vs. narrow root
Dazu kommt aber noch die Verteilung nach oben; unter Umständen reicht eine Brust bis kurz unters Schlüsselbein. (Einfach mal Brust anheben und gucken, wo eine Falte entsteht.) Wenn man eine sehr große Brustbasis (oder viel Volumen im oberen Brustbereich hat), tendieren BHs oft zum Einschneiden. Damit das nicht zu schnell passiert, sind viele BHs eher großzügig geschnitten, so daß sie bei einer eher kleinen Brustbasis der BH entweder sehr bedeckend sitzen oder eben am Träger noch ein bißchen Platz ist. Gerade bei unelastischen Schalen-BHs, die sich der Brust gar nicht anpassen (entweder Brust und BH passen optimal zueinander oder die Brust paßt sich der Schale an - nicht umgekehrt), kommt es häufiger zu leeren Stellen.

Solange das Körbchen aber im Obercup noch keine Falten wirft (was, sofern der Bügel ordentlich um die Brust herumreicht, vgl. Orange im Glas, ein Anzeichen für ein zu großes Cup ist), ist ein bißchen Luft am Träger verkraftbar.

Was das Vorneüberbeugen angeht: Eine natürliche Brust bewegt sich - auch mit der Schwerkraft. Daher ist es ganz normal, daß man mit Vorneüberbeugen eine gewisse Leerstelle im Cup erzeugen kann. Ausschlaggebend für die Beurteilung der Passform ist eine 'normale Haltung', also gerade und nicht überstreckt stehen. Wenn da der Übergang zwischen Brust und BH glatt ist und sich nichts abzeichnet, ist alles in Ordnung.

Generell sollte man sich selbst kritisch beäugen, was die eigene Erwartungshaltung angeht, die häufig den Blick auf die objektive Passform verstellt. Viele Frauen haben z.B. eine irrationale Angst vor den größeren Cup-Buchstaben (Buchstabenphobie) und hoffen daher, daß der anprobierte BH zu groß ist. Ggf. hilft dann, einfach noch mal eine Körbchengröße kleiner anzuziehen um festzustellen, daß die erste Größe doch schon ganz gut war.

Im Zweifelsfall ist es immer eine gute Idee, sich noch einmal eine zweite (möglichst professionelle) Meinung einzuholen. Bspw. in der Galerie der Busenfreundinnen. 

Soviel zum Thema. Ich hoffe, es ist einigermaßen klar geworden, was ich meine. Sonst bitte fragen. :)




Montag, 9. Januar 2012

A bra extender is a girl's best friend...

Okay, da hab ich den Mund jetzt ziemlich voll genommen. Diamanten kurzerhand durch einen BH-Verlängerer zu ersetzen ist ganz schön gewagt. Aaaber, wie ihr euch vielleicht schon denken könnte, habe ich meine Gründe für diese "steile These". Im Folgenden also eine kleine Abhandlung über den Nutzen eines viel zu wenig beachteten BH-Zubehörs...

Neben der richtigen Körbchengröße ist es beim Bra Fitting bekanntlich wichtig, eine passende Unterbrustbandweite zu finden: Ein BH sollte am Anfang auf dem äußersten Häkchen stabil und bequem (!) sitzen. Das mit der weitesten Einstellung ist relevant, damit man den BH bei Bedarf noch enger stellen kann. Das Band eines BHs dehnt sich ja aus, nicht nur wegen der Elastizität des Stoffes, sondern auch aufgrund von Körperwärme und Beanspruchung.

Manche BH-Verkäuferinnen wollen einem weismachen, daß man einen neuen BH auf dem mittleren oder sogar engsten Häkchen tragen sollte, damit man ihn dann nach Bedarf weiter stellen kann, wenn man es mal bequemer möchte. Das ist natürlich totaler Blödsinn! Wie gesagt gibt das Material mit dem Tragen sowieso nach; ein BH der erst in der engsten Einstellung gut paßt ist einfach von vorneherein zu weit.

Das heißt allerdings nicht, daß man das Band so eng wie möglich wählen sollte, um auf der sicheren Seite zu sein; also einem extremen Ausweiten vorzubeugen, indem man sich einen BH aussucht, den man kaum schließen kann. Ein BH wird immer ein paar Zentimeter nachgeben - je mehr man aber das Band beansprucht desto stärker wird es auch ausleihern. D.h. das Ausleihern hängt nicht nur an unvermeidbarer Belastung (z.B. durch das Brustgewicht) oder an der Pflege (unsachgemäßes oder häufiges Waschen) und normalen Alterserscheinungen (auch ein gut gepflegter BH wird nicht ewig halten), sondern auch daran, wie eng man es wählt. Wird es ständig überdehnt, leihert es natürlich schneller aus. Kennzeichen eines zu engen BHs ist meist, daß er am Anfang stark drückt, was nach dem "Eintragen" nachläßt.

Sollte sich der BH also nachträglich doch als zu eng erweisen, wäre es gegebenenfalls sinnvoller - statt sich durch die Ausweitungsphase zu quälen - übergangsweise ein Verlängerungsstück zu verwenden, den sogenannten BH-Verlängerer oder englisch (Bra) Extender.
Ein BH-Verlängerer ist ein Verschlußstück
mit üblicherweise drei Ösen- und einer
Häkchenreihe, mit dem man den BH
um eine Verschlußbreite verlängern kann.
Diese Exemplare stammen aus dem
Evans Onlineshop.

Den BH dann mit einem oder sogar mehreren Verlängerern passend zu machen, ist aber auch keine optimale Lösung, denn je mehr man das Band hinten verlängert, desto weiter wandern auch die Träger nach außen. Bei vielen Balconette-Schnitten sind die aber sowieso schon sehr weit außen angenäht - trägt man den BH mit Verlängerer, fangen die Träger an von den Schultern zu rutschen. Die anschließende Frage wäre dementsprechend:

Wann und wie setzt man einen BH-Verlängerer sinnvoll ein?

- Zum Anprobieren eines online bestellten BHs
Während man im Laden normalerweise verschiedene Größen durchprobieren kann, muß man sich bei Online-Bestellungen auf eine Auswahl beschränken. Zum Testen der Bandweite ist es daher nicht nur ratsam, die vorhandenen Häkchenreihen durchzuprobieren sondern auch umgekehrt zu testen, ob der BH auch mit ein, zwei, drei Häkchenreihen mehr noch bequem und stabil sitzen würde. So kann man nicht nur erkennen, ob das Band zu weit/eng ist, sondern auch sehen, ob der Schnitt bzw. die Bügel evtl. durch die zu enge Bandweite verzogen werden.
Erfahrungsgemäß neigen viele Frauen dazu, in der ersten Brafitting-Euphorie zu enge Unterbrustbänder und u.U. auch zu große Körbchen als passend zu empfinden. (Gewissermaßen als Ausgleich für die vorher immer zu weiten Unterbrustbänder mit den zu kleinen Körbchen.) Die Verwendung eines Verlängerers beim Anprobieren hilft, dieser Tendenz entgegenzuwirken, da ein längeres Band z.B. ungenutztes Körbchenvolumen zum Vorschein bringt. Umgekehrt ist übrigens zu beachten, daß zu große Körbchen = zu breite Bügel das Band weiter erscheinen lassen, da es durch das Flachziehen der Cups verlängert wird.

BH-Verlängerung mit Gummiband
von Hunkemöller (Produktseite)
Die Anschaffung eines BH-Verlängerers zum Austesten der Größe ist daher m.E. wirklich unbedingt zu empfehlen!
Bitte aber beachten, ob sich der Verlängerer dehnt oder nicht. (Es gibt Exemplare mit Gummiband) - Im ersten Fall wird das Band mit Verlängerer vermutlich ein wenig fester sitzen als bei einem BH in einer Größe größer. (Der Verschlußteil dehnt sich ja nicht mit und der BH-Verlängerer, der ein Stück elastisches Band ersetzt auch nicht) Im zweiten Fall kann man davon ausgehen, daß die Dehnbarkeit des Gummieinsatzes nicht unbedingt mit der des Unterbrustbandes identisch ist. Beide Faktoren machen eine genaue Größenprognose unmöglich - ein BH mit Verlängerer wird immer, nicht nur aufgrund der Träger, anders sitzen als einer ohne.



- Bei Gewichtszunahme, Schwangerschaft oder Druckempfindlichkeit des Brustkorbs
Manchmal verändern sich einfach die Voraussetzungen - ein ehemals gut passender BH ist plötzlich zu eng. Z.B. weil man zugenommen hat, ordentlich Rückenmuskeln aufgebaut, der Brustkorb sich aufgrund einer Schwangerschaft weitet (vor allem in den Wochen vor der Geburt) oder man plötzlich schon einen geringen Druck des Stegs auf dem Brustbein als unangenehm empfindet. Statt sich eine ganze Grundausstattung von BHs zuzulegen, kann man dann natürlich auch erst mal mit einem Verlängerer arbeiten - das ist auf jeden Fall deutlich günstiger! Wie oben aber schon gesagt, sollte man trotzdem darauf achten, daß die Träger nicht anfangen zu rutschen.

- Wenn der gewünschte BH in der benötigten Größe nicht erhältlich ist
Leider ist es immer noch so, daß viele Modelle nur bis zur Unterbrustweite 38 (85) oder 40 (90) produziert werden. Besonders bei Herstellern, die sich auf große Körbchen spezialisiert haben, ist das ein Problem: Das Angebot von Big-Cup-BHs jenseits des UBB 40 ist immer noch ziemlich überschaubar. Der Griff zum Verlängerer ist daher oft die einzige Lösung, das gewünschte Modell doch tragen zu können. Es steht zu hoffen, daß dieses Verlängerer-Einsatzgebiet durch Erweiterung des Größenspektrums irgendwann der Vergangenheit angehört.

- Zur Herstellung einer "Zwischengröße"
Manchmal ist es wirklich so, daß man genau zwischen den Größen liegt - das eine Band sitzt perfekt im mittleren Haken und auf dem weitesten schon zu locker, so daß zu befürchten steht, daß der BH bald nicht mehr richtig paßt, das nächstkleinere Band ist auf dem weitesten Haken aber schon unbequem. Solange der Schnitt des BHs sich nicht extrem ungünstig verändert, kann man dann natürlich auch einen Verlängerer verwenden um eine Zwischenlösung zu kreiren. (D.h. dann nur eine oder zwei Häkchen-Reihen verlängern...)

Genau das ist gerade der Punkt der mich beschäftigt... Am Anfang meiner Bra Fitting-Zeit habe ich auch den oben beschriebenen Fehler gemacht, zu große Körbchen mit zu kleinen Unterbrustbändern zu kombinieren. Nachdem ich meinen Fehler bemerkt hatte, versuchte mein Glück mit der Größe 34H. Es gibt BHs, bei denen das genau richtig ist; allen voran mein heißgeliebter Panache Ariza, der wirklich nur ganz wenig nachgegeben hat. Leider hatte ich z.B. mit dem Cleo Lizzie in der gleichen Größe Pech. Am Anfang war ich überzeugt, daß er ganz gut sitzt - allerdings stellte ich nach einer Weile fest, daß auf Dauer zu viel Gewicht an den Trägern hängt und er auch im engsten Häkchen nicht genug Halt gibt, was bei längerem Tragen zu Verspannungen führt.
Die nachlassende Stabilität mag am schmaleren Unterbrustband hängen (Eine 2 Häkchen-Breite ist bei meiner Brustgröße einfach eine dusselige Idee. Ich verstehe echt nicht, weshalb Panache das macht!) oder an einer insgesamt größeren Elastizität. Jedenfalls wäre 32HH hier definitiv die bessere Wahl gewesen. Dummerweise handelte es sich bei dem Modell (genau wie bei seinen Geschwistern George, Eleanor, Sasha und Alexa) um Saisonware, die längst nicht mehr erhältlich ist. *grummel*

Da mir eine längerfristig gute Stabilität schon wichtig ist, habe ich also beschlossen wieder eine Bandweite nach unten zu gehen, von 34 (75) auf 32 (70) - mit einem gemischten Ergebnis: Von meinen beiden zuletzt bestellten BHs, dem Panache Harmony Balconette und dem Curvy Kate Princess, war der Harmony mit einem 32er Band ein Treffer, beim Princess hätte mir vermutlich ein 34er Band gereicht, denn dieser sitzt auch nach ein paar Wochen mit maximaler Verlängerung noch tadellos, während jener bereits ohne Extender tragbar ist.
Das bestätigt auch meinen ersten Eindruck - ich habe allerdings beide behalten, einfach weil ich zu faul für einen Umtausch war.  (Schande auf mein Haupt, das ist wirklich überhaupt nicht vorbildich von mir! ;-))

Um damit noch mal auf Punkt 1 und das Anprobieren zurückzukommen: Hätte man einen Direktvergleich zwischen den Größen, wäre es vermutlich weit weniger problematisch, die am besten passende rauszufinden. Wenn man aber nur eine begrenzte Größenauswahl zur Verfügung hat, kann man durchaus mit Bandweiten-Experimenten einiges darüber in Erfahrung bringen, wie gut die Größe gewählt ist. Ob man daraus dann die vernünftige Konsequenz (Exchange!!) zieht, steht noch mal auf einem anderen Blatt.

Benutzt ihr regelmäßig BH-Verlängerer 
und wenn ja/nein weshalb (nicht)?


Weil es noch keinen Song über Bra Extender gibt,
hier doch noch der Klassiker von Marylin:

Kommentare nach dem Jump.

Sonntag, 18. September 2011

Die Sache mit den Kreuzgrößen...



Oder anders gesagt: Wenn ich die Unterbrustbandweite wechsle, welche Körbchengröße muß ich dann wählen?

Es gibt ja den verbreiteten Irrtum, der Cup-Buchstabe bezeichne einen festen Wert, man habe also ein A, B, C oder D-Körbchen - und dann kommt die Unterbrustbandweite hinzu, also 75 wenn man sehr schmal ist, 80 für schon etwas kräftigere oder sportlichere Frauen - es ist gewissermaßen das Medium unter den Unterbrustbändern, 85 wenn man etwas mehr auf den Rippen hat usw.


Das alles bitte sofort vergessen! 

Tatsächlich ist es so, daß sich Körbchengröße und Unterbrustband in einem relationalen Verhältnis befinden. Das heißt, ein Körbchenbuchstabe bezeichnet nur dann ein bestimmtes Cupvolumen wenn es in Zusammenhang mit einem Unterbrustband genannt wird.

80D ist im Körbchen also größer als 75D und kleiner als 85D!
Angenommen man benötigt vom Körbchenvolumen eine 85D, ein 85er Band ist aber zu instabil, dann wählt man als Kreuzgröße nicht die 80D sondern die 80E.
Für das britische Größen-System gilt das natürlich analog.
Zum Beispiel: 40C = 38D = 36DD = 34E = 32F = 30FF = 28G.
Im Zuge des Versuchs eine BH-Größe anhand von Messwerten zu ermitteln, ist das Mißverständnis entstanden, daß man pro Unterbrustbandgröße zwei Körbchengrößen wechseln muß - wenn man nur den Brustumfang aus den Tabellen abliest, kann man leicht dazu kommen, das zu glauben. Allerdings handelt es sich hier genauso um eine Fehlinterpretation wie die Annahme ein A-Cup sei immer gleich groß, da auch hier die Differenz zum Unterbrustumfang außer Acht gelassen wird.

Als Faustregel gilt also: ein Unterbrustband weniger, ein Cup mehr und umgekehrt.

Dadurch ergeben sich übrigens die teilweise sehr exotisch klingenden Größen von "gefitteten BHs".

Die Praxisproblematik:
Natürlich sieht es in der Praxis schon wieder etwas anders aus. Daß sich die Zwei-Körbchen-Regel überhaupt etablieren konnte, hat auch was damit zu tun, daß BHs in unterschiedlichen Größen  auch unterschiedlich sitzen.
Der Zug des Unterbrustbandes wirkt sich auch auf die Körbchen aus - das Cup kann unter Umständen flachgezogen werden, so daß plötzlich Volumen fehlt. Wenn man größentechnisch am oberen oder unteren Rand eines Cups liegt (es also schon knapp oder etwas zu groß ist), sollte man diesen Effekt einberechnen:
In ersterem Fall muß man wohl eher ein Cup mehr als gewöhnlich einrechnen. (Also von 75F auf 70H statt auf 70G hochgehen.)
In zweitem paßt ein BH in 70G vielleicht perfekt, wo 75F noch ein wenig flatterig im Körbchenstoff war.
Zu einem engeren Unterbrustband wird auch oft gegriffen, wenn in der weiteren Größe die Bügel zu schmal sind und auf dem Brustgewebe aufliegen.
Wichtig ist aber auch, mit dem Abrunden nicht zu übertreiben; ein BH sollte stabil, aber immer noch bequem sitzen.

Umgekehrt ist unbedingt darauf zu achten, daß das Unterbrustband für ausreichend Halt und Stabilität sorgt.
Eins der gängigsten Passformprobleme ist bekanntlich die Kombination von zu kleinen Körbchen mit zu langen Unterbrustbändern. Ein solcher, eigentlich nicht passender BH sieht gerade an kleineren Brüsten oft ganz akzeptabel aus. Wählt man dann aber ein kleineres Band, ist das Körbchen plötzlich signifikant zu klein. Grund dafür ist, daß der BH nicht mehr einfach nur locker aufliegt. Auch hier muß man dann mehrere Körbchen "draufschlagen" um zur passenden Größe zu kommen.

Wann ist die Frage nach einer passenden Kreuzgröße überhaupt relevant?
BH-Modelle fallen unterschiedlich aus - es kann also immer vorkommen, daß einem das Unterbrustband eines BHs zu weit oder zu eng ist, obwohl man die normalerweise passende Weite gewählt hat. Ein neuer BH sollte immer auf dem äußersten Häkchen stabil sitzen, um Raum für Nachjustierungen zu lassen, wenn sich das Material durchs Tragen weitet. Sitzt ein BH also nur auf dem engsten Haken gut, dann sollte man ein Unterbrustband weniger wählen (und eben ein Cup aufschlagen). Ist es umgekehrt so, daß ein BH zu eng ist, kann man mal mit einem BH-Verlängerer simulieren, ob eine Größe weiter nicht besser passen würde und dann eine UBB-Weite mehr und ein Cup weniger probieren.

Wie oben bereits angedeutet, gibt es Fälle (vor allem bei kleinen Brüsten), in denen das Körbchen zu tief und die Bügel zu schmal sind; in einer Größe kleiner verteilt sich das Volumen evtl günstiger - die Bügel werden breit und das Körbchen dadurch flach gezogen.

Manchmal verliebt man sich auch irrationalerweise in ein Modell, das nicht in der benötigten Größe produziert wird. Dann kann man auch schummeln und eine Kreuzgröße kaufen und diese entweder kürzen (lassen) oder verlängern. Letzteres ist natürlich einfacher, da man nur einen Verlängerer dazwischenstecken muß. Allerdings rutschen damit die Träger auch weiter zur Seite (suboptimal für schmale Schultern).

Ich hoffe, der Text war für die eine oder andere hilfreich. :)

Kauft ihr häufiger Kreuzgrößen, weil es eure Größe nicht gibt?
Oder habt ihr andere Anmerkungen zum Thema?


Externer Link: 
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Bildquelle Bahnübergang: Bearbeitete Version eines Fotos von Melkom

Kommentare nach dem Jump.

Montag, 5. September 2011

Lost in Translation: Die "Übersetzung" von britischen und europäischen BH-Größen

Wie verhalten sich englisches und europäisches BH-Größensystem zueinander?
Wie übersetzt man zwischen UK- und EU-Größen hin und her?
Entspricht eine deutsche Größe 80F einer englischen Größe 36F?
Oder ist das kontinentale F-Körbchen deutlich kleiner als sein britisches Pendant?

Kaum eine Frage des Bra-Fitting hat so viel Verwirrung ausgelöst wie die "Übersetzung" zwischen den Größensystemen. Aufgrund des besseren Angebots (breiteres Größenspektrum, besser angepaßte Schnitte, günstigere Preise) sind BHs britischer Produzenten in polnischen und deutschen Online-Fitting-Kreisen sehr beliebt. So beliebt, daß sie sich zur Norm entwickelt haben, von der in andere Systeme "übersetzt" werden muß. Leider gestaltet sich das nicht so einfach, wie es zunächst aussieht... Eine Weile lang wurde nach dem Prinzip verfahren, daß man die Größen einfach nach Tabellenwerten angeben kann und man las bei den Busenfreudinnen häufig Formulierungen wie
Meine UK-Größe ist 34H, meine EU-Größe, 
wenn sie produziert werden würde, wäre 75M.
Überall geisterten fikitive EU-BH-Größen herum. Mittlerweile, nach einigen Jahren und  dem Übersetzungsprinzip widersprechenden Rückmeldungen, ist diese Interpretation aus dem Brafitting-Kanon in den Bereich der Zahlenmagie verfrachtet worden. Im Folgenden ein paar Worte zur Umrechnung und ihren Tücken:

1. Die Übersetzung von Unterbrustbandweiten
Die Angabe der Unterbrustbänder bzw. ihre "Übersetzung" ist relativ unproblematisch.
Am simplesten ist die in Deutschland verwendete Angabe in Zentimentern. Bei einem gemessenen Unterbrustumfang zwischen 78 und 82cm wird die Größe 80 empfohlen. Man kann also sagen, theoretisch paßt die Größe 80 bei einem Unterbrustumfang von 80cm.

Aus mir unbekannten Gründen wird die französische Unterbrustbandgröße mit plus-15 angegeben: Ein Unterbrustband 80 heißt dann 95. Fürs derzeit praktizierte Online-Brafitting in Deutschland (aka busenfreundinnen.net) ist diese Information allerdings irrelevant. Die französischen Marken werden gewöhnlich unter europäisch-kontinentales System subsumiert.

Tricky wird es bei den britischen Unterbrustbandweiten: diese werden in Inches (Zoll) ausgezeichnet. Zu seiner nominell richtigen Unterbrustbandweite kommt man indem man seinem gemessenen Unterbrustumfang noch 4 Inches hinzufügt. 80cm entsprechen 31.5 Inches; plus 4 kommen wir auf ca. 36 Inches, also dem Unterbrustband 36.

Der Vollständigkeit halber möchte ich mal wieder erwähnen, daß ein "herkömmlich" ermitteltes Unterbrustband mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht genug Halt geben wird. Weitere Infos dazu findet ihr im Beitrag Zum Verhältnis von Unterbrustumfang und Unterbrustbandweite.

2. Die Übersetzung von Körbchengrößen
Ein Körbchen oder Cup wird entweder als Differenz zwischen mittlerer Unterbrustbandweite und Brustumfang angegeben (UK-System) oder als die reale Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang (EU-System). (Quelle: Wikipedia-Artikel Büstenhalter)

D.h. nach "normaler Messweise": erst einmal wird der Unterbrustumfang eng mit leeren Lungen gemessen, man legt also ein Maßband direkt unter den Brüsten parallel zum Boden an. Dann rundet man entsprechend ein paar Zentimeter auf oder ab. (Wie oben gesagt zwischen 78 und 82cm z.B. auf ein 80er Band)
Anschließend mißt man - ebenfalls mit leeren Lungen aber locker - die Brüste an ihrer umfangreichsten Stelle, ggf. im BH. (Achtung, diese Messweise ist nicht die von den Busenfreundinnen angewandte, vgl. den Beitrag Vermessung der Brust und andere Informationen)
Die Differenz von beidem soll nun Aufschluß über die benötigte Körbchengröße geben. Es soll also ein Volumen (das der Brust nämlich) in einen Umfang übersetzt werden. Die damit verbundene Problematik hat Nyad bereits ausführlich im Beitrag Warum zwei Maße nicht ausreichen diskutiert. In anderen Worten: diese Form der Größenermittlung ist an sich schon problematisch. 
Hinzu kommt ja noch, daß eine Brust mit Umfang X bei einer Frau mit einem Unterbrustumfang von 82cm vermutlich kleiner ist als bei einer Frau mit einem Unterbrustumfang von 78cm. 

Ach ja, Irrungen und Wirrungen.
Deswegen schweife ich wohl auch vom Thema ab. Worum es mir ja eigentlich ging war, auf die Tabellen zu sprechen zu kommen. Nach EU-Norm soll eine Körbchengröße eine Differenz von zwei Zentimetern zum Unterbrustumfang beschreiben; im britischen System dagegen 1 Inch (=2.54cm) von der Unterbrustbandweite. Theoretisch ergibt sich daraus folgende Umrechnung:

Quelle: Wikipedia

Die Praxis sieht allerdings ganz anders aus als die Tabelle suggeriert. Tatsächlich deuten die meisten Erfahrungsberichte von Busenfreundinnen aber auch von Ladenbesitzerinnen darauf hin, daß eine Übersetzung nach Tabelle nicht möglich ist. Da die theoretische Differenz zwischen den Systemen mit jeder Doppelbuchstabengröße größer wird und die meisten Marken nur ein vergleichsweise geringes Größenspektrum (oft nur A bis D-Cup) anbieten, lassen sich eigentlich sowieso nur über Größen jenseits des EU-E-Cup sinnvolle Aussagen treffen.
Nachdem ein E-Körbchen gemeinhin schon als großes Cup gilt, muß man sich also Produzenten/Marken ansehen, die sich auf "große Größen" spezialisiert haben. Größe Größen heißt in den meisten Fällen, daß E, F und G-Cups angeboten werden; wer es ernst damit meint, hat auch H und J im Angebot. Und  ein paar vereinzelte europäische K und L-Körbchen gibt es auch. Je weiter man sich vom E-Cup wegbewegt, desto geringer wird also das Angebot und vor allem: desto teurer. Jemand, der entdeckt hat, daß man für einen britischen BH zwischen 30 und 40 Euro bezahlt, hat oft keine Lust mehr, für ein europäisches Exemplar das Doppelte hinzublättern und dann auch noch eine minimale Auswahl zu haben. Entsprechend rar werden die Erfahrungsberichte je weiter man sich in den exotischen Bereich vorwagen müßte...
Die seltenen Rückmeldungen berichten jedoch selten davon, daß die Tabellenübersetzung funktioniert. Die Berichte variieren je nach Marke und Frau zwischen der Theorie, daß die Körbchen etwa gleich groß seien und die Differenzen nur durch die Doppelbuchstaben zustande kämen (also von UK nach EU: DD=E, E=F, F=G, FF=H etc.) und der Meinung, daß die Doppelbuchstaben im EU-System einfach ausgelassen würden. (also von UK nach EU: DD = -, E=E, F=F, FF= - , G=G). Möglich ist sogar eine Variation, nach der ein UK-F kleiner ist als ein EU-F, da eigentlich eine "halbe Größe" und sich dadurch die Sache verschiebt auf UK-FF = EU-F, UK-GG = EU-G usw.

Für diese These(n) spricht auch, daß es eher unwahrscheinlich ist, daß die EU-BHs den Tabellengrößen entsprechen, da das Größenspektrum dadurch im Vergleich zum Angebot in Großbritannien  ja geradezu mikroskopisch ausfallen würde. Die meisten Erfahrungsberichte legen nahe, daß die Körbchen deutlich mehr Volumen fassen, als die Zwei-Zentimeter-Schritte vorgeben, die BHs also einem Vanity-Sizing unterliegen, d.h. daß Große-Cup-Marken von vorneherein großzügiger produzieren, um ein einigermaßen sinnvolles Größenspektrum anbieten zu können. Damit ließe sich  auch die oft gehörte Aussage erklären, daß "bei Marke X ein D-Cup paßt, während man sonst ein E-Körbchen braucht". (Eine andere Erklärung dafür wären der Brustform besser angepaßte Schnitte.)

Ein weiteres Argument für die "Ähnlichkeitstheorie" ist, daß in deutschen BH-Läden die britischen Doppelbuchstaben oft als "Zwischengrößen" betrachtet werden, die man getrost weglassen kann. Da man davon ausgehen kann, daß diese Einschätzung auf Erfahrungen der Fachverkäuferinnen beruht, wäre eine Folgerung, daß die größeren Buchstaben im EU-System durchaus direkt mit denen im UK-System vergleichbar sind. D.h. daß ein UK-H nicht einem EU-M entspricht, wie es die Tabelle behauptet, sondern tatsächlich wenig größer ist als ein EU-H.
EDIT | 14.09.2011: Einige Hinweise sprechen dafür, daß die Systeme bis G einigermaßen vergleichbar sind und dann erst größere Differenzen zustande kommen. (Je mehr Doppelbuchstaben, desto größer die Abstände... Klingt irgendwie logisch.)

Last but not least: In Zeiten, in denen Waren international vertrieben werden, ist es relevant, daß die Größensysteme wenigstens einigermaßen vergleichbar sind. "Einigermaßen" ist allerdings für Online-Bestellerinnen eine mühsame Angelegenheit. Denn auch, wenn man annimmt, daß die Größen nicht meilenweit voneinander entfernt sind, scheint es doch darauf hinauszulaufen, daß man die Größe im einen System nur als Ausgangsgröße fürs andere System verwenden kann und man ggf. sogar bei jeder Marke erneut nach der passenden Größe suchen muß.

Momentaner Status Quo der Erkenntnis ist also, daß die Größe im einen System durchaus als grober Orientierungspunkt für die Größe im anderen System taugt. Darüberhinaus gilt Probieren! Probieren! Probieren! und am besten konkrete Rückmeldungen im unten verlinkten Umfrage-Thread hinterlassen.

Noch eine Randbemerkung:
Ein bisher noch stark vernachlässigter Faktor ist neben der Größe auch der Schnitt eines BHs. Viele EU-Modelle die in größeren Körbchengrößen erhältlich sind, scheinen einen Minimizer-Effekt erzielen zu wollen - d.h. die Körbchen sind flach geschnitten, die Bügel relativ breit. Diese Form ist mit den meisten großen Brüsten nicht kompatibel, da diese häufig vergleichsweise tief (länglich) mit einer eher schmalen Basis (Bereich auf dem die Brust angewachsen ist) sind, also genau dem Gegenteil in der Volumenverteilung entsprechen. Das heißt, auch wenn das Volumen eines solchen BHs dem eines anderen Schnittmodells entspricht, kann es trotzdem völlig unpassend sein und z.B. zu klein wirken.

Damit ist natürlich noch nicht alles gesagt, was man zum Thema schreiben könnte, aber vielleicht konnte ich schon eine grobe Idee vermitteln, worum es bei der Übersetzungs-Frage geht.

Über Rückmeldungen und Erfahrungsberichte würde ich mich wahnsinnig freuen. 
Natürlich auch über Fragen oder Diskussionsbeiträge. 
Also, Ladies, ran an die Tasten. :D