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Montag, 5. September 2011

Lost in Translation: Die "Übersetzung" von britischen und europäischen BH-Größen

Wie verhalten sich englisches und europäisches BH-Größensystem zueinander?
Wie übersetzt man zwischen UK- und EU-Größen hin und her?
Entspricht eine deutsche Größe 80F einer englischen Größe 36F?
Oder ist das kontinentale F-Körbchen deutlich kleiner als sein britisches Pendant?

Kaum eine Frage des Bra-Fitting hat so viel Verwirrung ausgelöst wie die "Übersetzung" zwischen den Größensystemen. Aufgrund des besseren Angebots (breiteres Größenspektrum, besser angepaßte Schnitte, günstigere Preise) sind BHs britischer Produzenten in polnischen und deutschen Online-Fitting-Kreisen sehr beliebt. So beliebt, daß sie sich zur Norm entwickelt haben, von der in andere Systeme "übersetzt" werden muß. Leider gestaltet sich das nicht so einfach, wie es zunächst aussieht... Eine Weile lang wurde nach dem Prinzip verfahren, daß man die Größen einfach nach Tabellenwerten angeben kann und man las bei den Busenfreudinnen häufig Formulierungen wie
Meine UK-Größe ist 34H, meine EU-Größe, 
wenn sie produziert werden würde, wäre 75M.
Überall geisterten fikitive EU-BH-Größen herum. Mittlerweile, nach einigen Jahren und  dem Übersetzungsprinzip widersprechenden Rückmeldungen, ist diese Interpretation aus dem Brafitting-Kanon in den Bereich der Zahlenmagie verfrachtet worden. Im Folgenden ein paar Worte zur Umrechnung und ihren Tücken:

1. Die Übersetzung von Unterbrustbandweiten
Die Angabe der Unterbrustbänder bzw. ihre "Übersetzung" ist relativ unproblematisch.
Am simplesten ist die in Deutschland verwendete Angabe in Zentimentern. Bei einem gemessenen Unterbrustumfang zwischen 78 und 82cm wird die Größe 80 empfohlen. Man kann also sagen, theoretisch paßt die Größe 80 bei einem Unterbrustumfang von 80cm.

Aus mir unbekannten Gründen wird die französische Unterbrustbandgröße mit plus-15 angegeben: Ein Unterbrustband 80 heißt dann 95. Fürs derzeit praktizierte Online-Brafitting in Deutschland (aka busenfreundinnen.net) ist diese Information allerdings irrelevant. Die französischen Marken werden gewöhnlich unter europäisch-kontinentales System subsumiert.

Tricky wird es bei den britischen Unterbrustbandweiten: diese werden in Inches (Zoll) ausgezeichnet. Zu seiner nominell richtigen Unterbrustbandweite kommt man indem man seinem gemessenen Unterbrustumfang noch 4 Inches hinzufügt. 80cm entsprechen 31.5 Inches; plus 4 kommen wir auf ca. 36 Inches, also dem Unterbrustband 36.

Der Vollständigkeit halber möchte ich mal wieder erwähnen, daß ein "herkömmlich" ermitteltes Unterbrustband mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht genug Halt geben wird. Weitere Infos dazu findet ihr im Beitrag Zum Verhältnis von Unterbrustumfang und Unterbrustbandweite.

2. Die Übersetzung von Körbchengrößen
Ein Körbchen oder Cup wird entweder als Differenz zwischen mittlerer Unterbrustbandweite und Brustumfang angegeben (UK-System) oder als die reale Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustumfang (EU-System). (Quelle: Wikipedia-Artikel Büstenhalter)

D.h. nach "normaler Messweise": erst einmal wird der Unterbrustumfang eng mit leeren Lungen gemessen, man legt also ein Maßband direkt unter den Brüsten parallel zum Boden an. Dann rundet man entsprechend ein paar Zentimeter auf oder ab. (Wie oben gesagt zwischen 78 und 82cm z.B. auf ein 80er Band)
Anschließend mißt man - ebenfalls mit leeren Lungen aber locker - die Brüste an ihrer umfangreichsten Stelle, ggf. im BH. (Achtung, diese Messweise ist nicht die von den Busenfreundinnen angewandte, vgl. den Beitrag Vermessung der Brust und andere Informationen)
Die Differenz von beidem soll nun Aufschluß über die benötigte Körbchengröße geben. Es soll also ein Volumen (das der Brust nämlich) in einen Umfang übersetzt werden. Die damit verbundene Problematik hat Nyad bereits ausführlich im Beitrag Warum zwei Maße nicht ausreichen diskutiert. In anderen Worten: diese Form der Größenermittlung ist an sich schon problematisch. 
Hinzu kommt ja noch, daß eine Brust mit Umfang X bei einer Frau mit einem Unterbrustumfang von 82cm vermutlich kleiner ist als bei einer Frau mit einem Unterbrustumfang von 78cm. 

Ach ja, Irrungen und Wirrungen.
Deswegen schweife ich wohl auch vom Thema ab. Worum es mir ja eigentlich ging war, auf die Tabellen zu sprechen zu kommen. Nach EU-Norm soll eine Körbchengröße eine Differenz von zwei Zentimetern zum Unterbrustumfang beschreiben; im britischen System dagegen 1 Inch (=2.54cm) von der Unterbrustbandweite. Theoretisch ergibt sich daraus folgende Umrechnung:

Quelle: Wikipedia

Die Praxis sieht allerdings ganz anders aus als die Tabelle suggeriert. Tatsächlich deuten die meisten Erfahrungsberichte von Busenfreundinnen aber auch von Ladenbesitzerinnen darauf hin, daß eine Übersetzung nach Tabelle nicht möglich ist. Da die theoretische Differenz zwischen den Systemen mit jeder Doppelbuchstabengröße größer wird und die meisten Marken nur ein vergleichsweise geringes Größenspektrum (oft nur A bis D-Cup) anbieten, lassen sich eigentlich sowieso nur über Größen jenseits des EU-E-Cup sinnvolle Aussagen treffen.
Nachdem ein E-Körbchen gemeinhin schon als großes Cup gilt, muß man sich also Produzenten/Marken ansehen, die sich auf "große Größen" spezialisiert haben. Größe Größen heißt in den meisten Fällen, daß E, F und G-Cups angeboten werden; wer es ernst damit meint, hat auch H und J im Angebot. Und  ein paar vereinzelte europäische K und L-Körbchen gibt es auch. Je weiter man sich vom E-Cup wegbewegt, desto geringer wird also das Angebot und vor allem: desto teurer. Jemand, der entdeckt hat, daß man für einen britischen BH zwischen 30 und 40 Euro bezahlt, hat oft keine Lust mehr, für ein europäisches Exemplar das Doppelte hinzublättern und dann auch noch eine minimale Auswahl zu haben. Entsprechend rar werden die Erfahrungsberichte je weiter man sich in den exotischen Bereich vorwagen müßte...
Die seltenen Rückmeldungen berichten jedoch selten davon, daß die Tabellenübersetzung funktioniert. Die Berichte variieren je nach Marke und Frau zwischen der Theorie, daß die Körbchen etwa gleich groß seien und die Differenzen nur durch die Doppelbuchstaben zustande kämen (also von UK nach EU: DD=E, E=F, F=G, FF=H etc.) und der Meinung, daß die Doppelbuchstaben im EU-System einfach ausgelassen würden. (also von UK nach EU: DD = -, E=E, F=F, FF= - , G=G). Möglich ist sogar eine Variation, nach der ein UK-F kleiner ist als ein EU-F, da eigentlich eine "halbe Größe" und sich dadurch die Sache verschiebt auf UK-FF = EU-F, UK-GG = EU-G usw.

Für diese These(n) spricht auch, daß es eher unwahrscheinlich ist, daß die EU-BHs den Tabellengrößen entsprechen, da das Größenspektrum dadurch im Vergleich zum Angebot in Großbritannien  ja geradezu mikroskopisch ausfallen würde. Die meisten Erfahrungsberichte legen nahe, daß die Körbchen deutlich mehr Volumen fassen, als die Zwei-Zentimeter-Schritte vorgeben, die BHs also einem Vanity-Sizing unterliegen, d.h. daß Große-Cup-Marken von vorneherein großzügiger produzieren, um ein einigermaßen sinnvolles Größenspektrum anbieten zu können. Damit ließe sich  auch die oft gehörte Aussage erklären, daß "bei Marke X ein D-Cup paßt, während man sonst ein E-Körbchen braucht". (Eine andere Erklärung dafür wären der Brustform besser angepaßte Schnitte.)

Ein weiteres Argument für die "Ähnlichkeitstheorie" ist, daß in deutschen BH-Läden die britischen Doppelbuchstaben oft als "Zwischengrößen" betrachtet werden, die man getrost weglassen kann. Da man davon ausgehen kann, daß diese Einschätzung auf Erfahrungen der Fachverkäuferinnen beruht, wäre eine Folgerung, daß die größeren Buchstaben im EU-System durchaus direkt mit denen im UK-System vergleichbar sind. D.h. daß ein UK-H nicht einem EU-M entspricht, wie es die Tabelle behauptet, sondern tatsächlich wenig größer ist als ein EU-H.
EDIT | 14.09.2011: Einige Hinweise sprechen dafür, daß die Systeme bis G einigermaßen vergleichbar sind und dann erst größere Differenzen zustande kommen. (Je mehr Doppelbuchstaben, desto größer die Abstände... Klingt irgendwie logisch.)

Last but not least: In Zeiten, in denen Waren international vertrieben werden, ist es relevant, daß die Größensysteme wenigstens einigermaßen vergleichbar sind. "Einigermaßen" ist allerdings für Online-Bestellerinnen eine mühsame Angelegenheit. Denn auch, wenn man annimmt, daß die Größen nicht meilenweit voneinander entfernt sind, scheint es doch darauf hinauszulaufen, daß man die Größe im einen System nur als Ausgangsgröße fürs andere System verwenden kann und man ggf. sogar bei jeder Marke erneut nach der passenden Größe suchen muß.

Momentaner Status Quo der Erkenntnis ist also, daß die Größe im einen System durchaus als grober Orientierungspunkt für die Größe im anderen System taugt. Darüberhinaus gilt Probieren! Probieren! Probieren! und am besten konkrete Rückmeldungen im unten verlinkten Umfrage-Thread hinterlassen.

Noch eine Randbemerkung:
Ein bisher noch stark vernachlässigter Faktor ist neben der Größe auch der Schnitt eines BHs. Viele EU-Modelle die in größeren Körbchengrößen erhältlich sind, scheinen einen Minimizer-Effekt erzielen zu wollen - d.h. die Körbchen sind flach geschnitten, die Bügel relativ breit. Diese Form ist mit den meisten großen Brüsten nicht kompatibel, da diese häufig vergleichsweise tief (länglich) mit einer eher schmalen Basis (Bereich auf dem die Brust angewachsen ist) sind, also genau dem Gegenteil in der Volumenverteilung entsprechen. Das heißt, auch wenn das Volumen eines solchen BHs dem eines anderen Schnittmodells entspricht, kann es trotzdem völlig unpassend sein und z.B. zu klein wirken.

Damit ist natürlich noch nicht alles gesagt, was man zum Thema schreiben könnte, aber vielleicht konnte ich schon eine grobe Idee vermitteln, worum es bei der Übersetzungs-Frage geht.

Über Rückmeldungen und Erfahrungsberichte würde ich mich wahnsinnig freuen. 
Natürlich auch über Fragen oder Diskussionsbeiträge. 
Also, Ladies, ran an die Tasten. :D



Montag, 29. August 2011

Stanikomania: Freya Neuigkeiten im Frühjahr 2012

Hellloooouuuu everyone. *in die Runde wink*

Hier bin ich wieder; anderthalb Wochen nach meinem letzten Posting... Ich glaube das war meine größte Blog-Pause, seitdem drunter und drüber Anfang Mai offiziell online gegangen ist. Erfreulicherweise wird die Seite trotzdem aufgerufen - momentan wieder häufiger als im Juli zu dichteren Posting-Zeiten. Versteh das mal eine... aber ich will mich nicht beklagen. :-)

Anlaß des heutigen Postings ist schon wieder ein Beitrag auf Stanikomania, auf den ich euch aufmerksam machen möchte. (Ich hoffe, das dauernde Crossposting nervt euch nicht allzusehr?) Diesmal gibt es Bilder von der kommenden Frühjahrskollektion von Freya, wie immer Promobilder und selbstgeknipste Fotos mit den wichtigsten Infos zu Neuerungen, zum Größenspektrum etc. pp.
Hier geht's zum Beitrag:
Stanikomania: Vorschau Frühjahr 2012 (polnisches Original)
Google-Übersetzung:
Polnisch > Deutsch
Polnisch > Englisch

Man kann schon mal feststellen, daß einige Modelle dabei sind, die ganz okay aussehen. Freya setzt häufig auf Designs, die mir entweder zu angestaubt-backfischig (florale Muster) oder zu kindisch (bunte Streifen, Pünktchen oder sogar so Seifenblasen wie beim Frankie) sind. Irgendwie bin ich wohl nicht so die Zielgruppe... 

Richtig gut finde ich von Freya eigentlich nur das Bademoden-Design; es ist meist wesentlich hübscher als die eher biederen Sachen von Panache. Man denke nur an die James-Bond-inspirierten Reihen Martini/Vodkatini/Supernova! Ich liiiiebe diesen Style!
Und obwohl Blümchen für mich eigentlich ein No-Go sind, mache ich eine einzige Ausnahme: Pril-Blumen! Cheryl von Invest in your Chest hat kürzlich Bilder von einem neuen  Bikini im Nostalgie-Look gepostet, den sie auf der "Moda-Messe" entdeckt hat - und mal ehrlich, ist das nicht supercool?!

Theoretisch könnte ich auch für die transparenten BHs von Freya ein Plätzchen in meinem  Herzen freiräumen; für das Modell Arabella und seine Geschwister zum Beispiel. Praktisch habe ich aber trotz viel Rumprobierens keine Arabella-Größe gefunden, die mir gepaßt hätte, und das Modell mittlerweile abgeschrieben. *schnüff*

Mal abgesehen vom Design, Freya und meine Brüste - das scheint einfach nicht so richtig zusammen zu gehen: die Balconettes schneiden oben in die Brust ein oder formen veritable "Entenschnäbel", die Sweetheart Bikinis und der Neptune Bandeau waren mir deutlich zu flach... Glorreiche Ausnahme ist mein heißgeliebter Supernova Bikini, der sich durch ein festes Unterbrustband und ein sonst eher dehnbares Material auszeichnet, das sich meiner Brust so gut anpaßt, daß ich eine 36G tragen kann.

Hoffnungen setze ich noch in die Deco-Reihe, die ich immer noch nicht probiert habe. (Was bin ich eigentlich für eine Lingerie-Bloggerin?!) Die Decos werden zwar nur bis GG-Cup produziert wird; das Cup soll aber ziemlich großzügig ausfallen und die Bänder zumindest beim Strapless sehr eng - vielleicht hab ich ja Glück.  Der Deco Plunge scheint jedenfalls ein Verkaufsschlager zu sein - es gibt/gab ihn mittlerweile neben den Basisfarben in diversen bunten Variationen.

Insgesamt muß ich sagen, daß ich mich mit meiner BH-Größe bei Eveden  (dazu gehört Elomi, Fantasie, Fauve und Freya) allgemein nicht so besonders gut aufgehoben fühle, obwohl sich die Marken auf größere Brüste spezialisiert haben. Viele schöne Modelle gibt es nur bis G oder GG-Cup und da die Bänder meist ziemlich elastisch sind, bräuchte ich mindestens die Größe 32HH und sogar da läßt die Stabilität oft zu wünschen übrig. Auf meine Kreuzgröße 36GG hochzugehen, kommt entsprechend nicht in Frage. (Außer vielleicht beim Deco-Strapless)
Und sogar bei meinen Freya-Lieblingen, den Badeklamotten, muß ich mich ein wenig über das eingeschränkte Größensortiment beklagen. Hier ist es ganz extrem auffällig, daß das angebotene Spektrum kleiner ist als bei den BHs. Größtes verfügbares Körbchen ist HH (Panache produziert bis K-Cup!), die meisten Modelle enden aber schon bei G oder GG und Tankinis und Badeanzüge sind deutlich unterrepräsentiert. Ich hoffe, da tut sich demnächst noch ein bißchen was... :-)

Was haltet ihr so von Freya?
Gibt es Teile in der neuen Kollektion
die in euer Beuteschema fallen?

Modell Lyla aus der Frühjahrskollektion 2012
Bildquelle: Freya via Stanikomania

Donnerstag, 18. August 2011

Was ist eigentlich Brafitting?

Je weiter man in einem Thema drinsteckt, desto mehr beginnt man, die grundlegenden Fragen aus den Augen zu verlieren. Eine Suchanfrage zu "Was ist ein gefitteter BH?" brachte mich kürzlich auf die Idee, mal eine kleine Basis-Einführung zu verfassen.

Der englische Ausdruck bra fitting  läßt sich am ehesten mit "BH anpassen" übersetzen. Konkreter geht es dabei um die Beratung und Hilfestellung zu Größe und Schnitt bei der Suche nach einem passenden BH. Da die Übersetzung dazu verleiten kann, BH anpassen als "auf den Leib schneidern" mißzuverstehen hat sich der englische Ausdruck als Fachbegriff eingebürgert. Ein "gefitteter BH" ist also ein nach den Regeln der Kunst (bzw. des Brafitting ;-)) angepaßter BH.
 "Jemanden fitten" heißt analog, BH-Schnitt und Größe möglichst optimal auf die individuellen Bedürfnisse der zu fittenden Frau abzustimmen.

Worin unterscheidet sich nun Brafitting von einer
üblichen Beratung in einem Fachgeschäft?

Eigentlich geht es hauptsächlich um die Qualität der Beratung. 
Eine professionelle Brafitterin sollte gut über das verfügbare Größenspektrum informiert sein - also z.B. wissen, daß es kleinere Unterbrustbänder als 70 und größere Cups als G oder H gibt. Unabhängig von Brustgröße und Unterbrustumfang sollte sie in der Lage sein, eine passende Größe zu ermitteln. Gleichzeitig sollte sie einschätzen können, ob der Schnitt eines BHs zur Brustform paßt. Die richtige Größe zu finden ist nämlich nur die eine Sache: ein BH kann nämlich auch ganz furchtbar schlecht sitzen, wenn er eigentlich die richtige Größe hat. (Stichwort Inkompatibilität)

Einer der wichtigsten Aspekte des Brafitting ist das ausreichend enge Unterbrustband. Normalerweise wird ja davon ausgegangen, daß das Unterbrustband entsprechend dem Unterbrustumfang gewählt wird - mißt man 75 nimmt man ein 75er Band, mißt man 80 wählt man die Größe 80 usw. Allerdings lassen sich die Bänder der BHs meist ohne große Anstrengung weit über diese nominelle Weite ausdehnen, so daß sie nicht genug Halt bieten; Resultat ist daß das Brustgewicht nicht vom Unterbrustband gehalten wird sondern an den Trägern hängt. Fittingpunkt 1 ist also, die Unterbrustbandgröße nach unten zu korrigieren, bis es ausreichend Stabilität gibt.

In Kombination mit den zu weiten Unterbrustbändern tragen viele Frauen zu kleine Körbchen. Als nächster Schritt wird also ein Körbchen gewählt, das das Brustvolumen komplett fassen kann. D.h. der BH-Bügel umschließt das Brustgewebe von allen Seiten - der Steg liegt an, die Bügel sitzen in der Falte unter der Brust und liegen seitlich hinter dem Brustende, usw. 
Mehr Infos dazu wie der BH optimalerweise sitzen sollte, findet ihr im unten verlinkten Passform-Check.

Um zu sehen, ob ein BH paßt, ist es übrigens immens wichtig, ihn richtig anzuziehen. Das Anziehritual ist daher essentieller Bestandteil des Brafittings. 

Last but not least gehört zum Brafitting aber auch der Punkt Körperakzeptanz: Die Idee, daß Frauen unabhängig von ihrer Figur passende Kleidungsstücke finden können sollten und sich dadurch ihr Körpergefühl verbessern läßt, ist ein zentraler Aspekt der ganzen Sache. 
Aqua hat dazu einen sehr langen und großartigen Text verfaßt: Was ist für mich Bra-Fitting?

Abschließend sollte man der Vollständigkeit halber vielleicht noch hinzufügen, daß es sich beim Online-Brafitting anhand von Messwerten um eine sehr provisorische Angelegenheit handelt. Es geht dabei darum,
Ausgangsgrößen (!) zu ermitteln, weil man ja schlecht einen ganzen Wäscheladen übers Internet bestellen kann, sondern eine Vorauswahl treffen muß. Welche Größen schlußendlich passen muß man immer-immer-immer über Ausprobieren herausfinden. Entsprechend ist auch ein ungefähr passender BH schon viel aussagekräftiger als ein paar Messwerte und der Besuch in einem gut sortierten Wäschegeschäft einer Onlinebestellung unbedingt vorzuziehen!

Weiterführende Beiträge zum Thema findest du auf der Überblicks-Seite:
Bra-Fitting-Basics / BHlogie


Viele weitere nützliche Informationen findet ihr in der Einführung in die BHlogie bei den Busenfreundinnen

Glühbirne by KMJ

Samstag, 13. August 2011

Normalgewicht, Durchschnittsmaße, Standardgrößen? - Ab in die Tonne!

Ich neige zum Nörgeln. Naja, eigentlich ist das ein Euphemismus. Wenn ich ehrlich bin, muß ich sagen: Ich schimpfe, meckere und kritisiere für mein Leben gern.
Manchmal stelle ich aber auch fest, daß es doch einfacher und schöner wäre, sich ein wenig in Optimismus und positiver Lebenseinstellung zu üben. Also, statt über verrückte Modelmaße zu klagen, will ich heute mal den Blick auf die Zelebration der Vielfalt lenken. 

Konkreter Anlaß dieses Perspektivenwechsels ist ein Beitrag von Katrin (Reizende Rundungen) zu ihrem 22. Geburtstag (Happy Birthday!), in dem sie davon erzählt, wie sich ihr Selbstbild in den letzten zwei Jahren verbessert hat und wie glücklich sie nun mit sich und ihrem Körper ist. Der Post ist wirklich sehr inspirierend und weil ich ihn so begeistert gelesen habe, möchte ich ihn euch auch unbedingt ans Herz legen!

Ähnlich schöne Worte habe ich bisher häufiger von Lola gelesen, die leider gerade keine Zeit zum Mitbloggen hat. Ich hoffe ja, daß sich das irgendwann mal wieder ändert, denn sie hat wirklich eine Menge zu sagen. *stups*
Wer so lange nicht warten will, kann ja mal bei den Busenfreundinnen reinschauen und raten, hinter welchem Usernamen sie steckt. ;-) Oder einfach noch mal ihren langen Beitrag (K)eine Frage der Größe lesen.

Apropos Forum: Erst vor ein paar Tagen schrieb Aletris in einem wie immer sehr geistreichen Beitrag (*Blümchen überreich*) davon, daß sie in einer wissenschaftlichen Arbeit gelesen habe, wie im Gehirn eine Vorstellung von Normalität entsteht, nämlich darüber daß alles Gesehene gemittelt wird. Ein großer Teil dessen ist natürlich das, was uns die Medien zeigen. Umso relevanter scheint es, auf einer Repräsentation von Diversity zu bestehen, ob es nun um unterschiedliche Körperformen geht, oder um sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Geschlecht usw.

Gerade der Glaube an die Aussagekraft von Durchschnittswerten sollte definitiv mehr ins Zentrum der Kritik gerückt werden... So steht beispielsweise im Wikipedia-Artikel zu Size Zero dieser unsäglich bescheuerte Vergleich:
"Size zero bust size is 31.5 inches (80 cm), waist 23 inches (60 cm) and hips 34 inches (86 cm). To put this into perspective, the average waist size of an eight-year-old is 22 inches (56 cm)."
Übersetzt: Der Brustumfang einer Größe Null entspricht 80cm, der Taillenumfang 60cm und der Hüftumfang 86cm. Um das in ein Verhältnis zu setzen: der durchschnittliche Taillenumfang eines/einer? 8-Jährigen beträgt 56cm.
Als ich das gelesen habe, dachte ich wirklich, ich spinne (aaah, ihr merkt, ich schalte zurück auf Mecker-Mode). Natürlich verstehe ich, weshalb die Sizes Zero und Double-Zero so in der Kritik stehen, aber solche Vergleiche finde ich dann doch extrem fragwürdig. Passenderweise habe ich nämlich gestern einen neuen Beitrag bei Britanny (Thin&Curvy) gelesen, in dem sie von ihren Erfahrungen mit der neuen "Mad Men-Kollektion" von Banana Republic berichtet. Sie erzählt, daß sie die Klamottengrößen nach ihrem Taillenmaß ausgesucht hat - und sie bräuchte eben - bei einem Taillenumfang von ca 60cm - den infamous Size Zero. Wie man auf ihren Bildern leicht erkennen kann, entspricht sie aber überhaupt nicht den Vorstellungen, die man von jemandem dieser Konfektionsgröße hat.

Und auch wenn jemand nicht nur von der Taille her die Maße für diese geschmähte Konfektionsgröße erfüllt, heißt das ja noch lange nicht, daß das problematisch sein muß. Es kommt ja auch noch auf die Körpergröße an - eine Frau mit Size-Zero-Maßen die 1.80 groß ist sieht ja ganz anders aus als eine die 1.50 groß ist. 
Als Illustration könntet ihr euch das Brafitting-Video von Jen (From Head To Toe) angucken, in dem sie sich selbst von 70A auf 60B (32A > 28B) fittet. Wie gesagt - Menschen sind eben unterschiedlich.

Für viele Frauen ist es auch eine Offenbarung, sich die "Natürliche Brüste-Galerie" auf 007B.com anzusehen: die Fotos unterscheiden sich so stark vom medial vermittelten Idealbild von Brüsten, daß viele es gar nicht glauben können, daß es sich da nicht um "Extrembeispiele" handelt. 

Und obwohl es vorgeblich ein Umdenken gibt (vgl. die im letzten Beitrag angesprochenen Auflagen bzgl. BMI bei Models oder auch die Darstellungen von "echten" Frauen in Kampagnen von Dove oder auch in der "Brigitte ohne Models"), sehen doch viele Frauen einfach nur wie etwas kräftigere Varianten der einschlägigen Models aus - und natürlich werden ihre Körper auf Bildern genauso nachbearbeitet und "verbessert" wie die ihrer schlankeren Kolleginnen. Der plastikartige Körper mit Konfektionsgröße 34 wird dann durch einen ebenso künstlichen der Größe 40 ersetzt - WOW! *ironie*

Aber gut, was einem selbst noch zu wenig (Fortschritt) ist, ist anderen schon zu viel.:
Im Frühjahr vergangenen Jahres kam es zu einem kleinen Skandal als die großen US-Fernsehsender Fox und ABC einen Lingerie-Werbespot von Lane Bryant ablehnten, weil er zu sexy (für die Sendezeit) sei, während ein nicht weniger freizügiger Clip von Victoria's Secret mit deutlich dünneren Models ohne Murren gesendet wurde... (erstbeste Quelle dazu)

 

Ich kann beim besten Willen nicht sehen, wo da das Problem liegt. Ihr?

Es erscheint mir fortgeschritten verrückt, daß Frauen, die dem hegemonialen Schönheitsideal entsprechen und sehr schlank sind, offensichtlich auch halbnackt neutral und asexuell wirken, während etwas "kräftigere" Frauen in Unterwäsche als anstößig angesehen werden...

Last but not least ein Lesetip, den ich im Rest-Text nicht unterbringen konnte, der hier aber ganz gut paßt:
Georgina Horne's Blog Fuller Figure - Fuller Bust ist ein tolles Beispiel für Selbstbewußtsein und Ausstrahlung mit einer fülligeren Sanduhr-Figur. (Nachtrag: Und wie es der Zufall will hat Georgina heute einen passenden Beitrag zum Thema "Real Women Have Curves" und warum solche Aussagen totaler Blödsinn sind gepostet. Yey!)

Ein schönes Wochenende euch - und schreibt mir mal ein paar Kommentare; es ist so einsam hier auf der anderen Seite. ;-)

Donnerstag, 11. August 2011

Size Minus-Two: Also bitte - irgendwann reicht's auch mal!

Eine Freundin mailte mir heute vormittag einen Blogpost aus ihrem Feedreader. Der Beitrag zeigt einen Schnappschuß aus einem Londoner Gap-Store: eine Schaufensterpuppe für die Linie "Always Skinny". 
Bei dem Bild mußte ich dann auch erst mal schlucken... An superdünn und Size Zero hat man sich ja schon gewöhnt, aber was ist das denn? Superextraultradünn und Size Minus-Two? 

Klar, Menschenkörper sehen unterschiedlich aus - es gibt große, kleine, dicke, dünne... und es ist begrüßenswert, daß es für alle Kleidung geben soll. (Gap bietet neben "Normalgrößen" auch die Auswahlkriterien "petite", also klein/zierlich, und "tall"= Langgrößen an)
Ich bin auch keine Freundin von Versuchen, das eine Ideal gegen ein besseres, gesünderes, realistischeres oder was auch immer auszutauschen. Ich fände es einfach schön, wenn wir mehr Vielfalt zulassen könnten.

Allerdings kann man auch nicht leugnen, daß es nach wie vor ein sehr präsentes Bild vom superschlanken Körper gibt, dem viele Frauen versuchen nachzueifern - auf Kosten ihrer Gesundheit. Das oben verlinkte Foto zeigt, daß die ganzen Kampagnen gegen krasses Untergewicht bei Models (die ja bekanntlich als die Schönsten der Schönen gelten) offensichtlich immer noch nicht die erhofften Früchte getragen haben...

Ich weiß nicht, ob ihr euch an den Versuch der Madrid Fashion Week 2006, den Veranstaltern einen Mindest-BodyMassIndex von 18 für ihre Models vorzuschreiben, erinnert? (vgl. z.B. The Times, September 2006) Oder ein entsprechendes Abkommen der französischen Modeindustrie 2008? Oder die No-To-Annorexia-Kampagne 2008, deren "Protagonistin" Isabelle Caro Ende vergangenen Jahres an den Folgen ihrer Magersucht verstarb?
Scheinbar verpufft das irgendwo im Nichts und die Modeindustrie macht genauso weiter wie bisher... und Models die den angeblich erwünschten BMI von 18 haben bekommen keine Jobs und nur welche als Plus-Size-Model (!). Das ist doch verrückt!

Macht euch sowas auch so wütend?